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Ärger im Golf-Sport : „Wir tun doch keinem weh!“

Spielen oder nicht spielen während der Corona-Krise? Bild: AFP

Der Dreieicher Golffunktionär Hans Jürgen Fünfstück spricht sich im Interview für ein sinnvolles Öffnen der Türen für den Sport aus. Dabei führt er gleich mehrere Argumente an.

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          Wann kann in Hessen wieder Golf gespielt werden?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Wir Golfspieler sind alle sehr ungeduldig. Es kribbelt, denn das Wetter ist exzellent. Aber wir dürfen nicht auf den Platz. Aus golferischer Sicht ist das momentan unser größtes Handicap. Wir lieben unsere Freiheit, auf den großen Platz zu gehen und dort im wunderschönen Ambiente in der Natur spielen zu dürfen. Aber jetzt sind wir alle stark enttäuscht. Unser Unverständnis über die Situation ist groß.

          Warum?

          Selbstverständlich ist das Coronavirus weltweit ein ganz großes Problem. Dessen sind wir uns alle bewusst. Trotzdem wäre das Ausüben bestimmter Sportarten bei uns machbar unter Einhaltung der Auflagen und aller Hygienevorschriften. Dazu zählt das Golf. Wir tun doch keinem weh! In unserem Sport hat man eine unglaubliche Distanz zueinander. Es gibt keine Golfspieler, die zwei Meter nebeneinander gehen oder dem anderen auf den Fersen stehen. Man geht allein schon deshalb auf Abstand zueinander, weil ein Golfspieler einen Schläger in der Hand hat und zum Schwung ansetzt. Und Golfplätze sind weitläufige Parkgelände. Die Golfanlage bei uns in Dreieich hat etwa die Größe von 105 Fußballfeldern, davon wird mehr als die Hälfte für den Spielbetrieb genutzt. Golf kann außerdem allein gespielt werden. Jeder hat seinen eigenen Ball. Mein Eindruck ist der, dass einige Sportarten beim Aussprechen der Verbote einfach mit der Masse verschluckt worden sind. Stattdessen müsste von staatlicher Seite mal bei den Fachleuten der einzelnen Sportarten nachgefragt werden, falls ein entsprechendes Informationsdefizit bestehen sollte.

          Stichwort andere Sportarten: Der Fußball ist ein großes Reizthema für Sie?

          Ja, in diesem Punkt könnte mein Unverständnis zugegebenermaßen nicht größer sein. Wenn Fußball gespielt werden dürfte auch ohne Zuschauer, dann passiert genau das, was eigentlich vermieden werden sollte – nämlich die direkte Nähe in einer Kontaktsportart mit vielen Zweikämpfen um den Ball. Da kannst du eben nicht aus fünf Metern Entfernung deinem Gegenspieler den Ball abjagen. Auch Tennisspieler werden sich nie so nah wie Fußballspieler kommen. Die Gefahr, miteinander zu kollidieren, besteht einfach nicht. Deshalb lautet mein Appell: Blockiert die Sportler nicht in den Sportarten, deren Ausübung unter den jetzigen Umständen möglich wäre. Die Türen zu einzelnen Sportarten sollten sinnvoll geöffnet werden.

          Wie müsste im Golf der Spielbetrieb konkret geregelt werden, um alle Auflagen zu erfüllen?

          Unseren Mitgliedern würden wir entsprechende Richtlinien und Leitlinien vor- und mitgeben. Daran würden sie sich auch halten, das ist kein Problem. Es gibt ein Zeitfenster, in dem die Vereinsmitglieder nach vorheriger Eintragung in den Plan spielen dürfen. So wird sichergestellt, dass sie in entsprechenden Zeitabständen von zehn oder fünfzehn Minuten auf den Platz kommen. Maximal dürfte dann nur zu zweit gespielt werden. Damit wäre allen und allem Genüge getan.

          Ihre Tochter ist Profispielerin auf der Ladies European Tour. Sie trainiert jetzt auf der Anlage des Golfclubs St. Leon Rot unweit von Heidelberg. Als Bundesstützpunkt sind dort die Türen für Spitzengolfer und Profis geöffnet.

          Dort haben sich alle gesammelt, auch die Trainer. Als Berufssportlerin darf Laura durch eine Ausnahmeregelung auch bei uns in Neuhof trainieren. Ob Laura über den Platz gehen wird oder nur die Driving Range benutzt, werden wir sehen.

          Was entgegnen Sie denen, die behaupten, der Golfsport sei elitär?

          Der Golfsport hat mit Elitärem nichts mehr zu tun. Über viele Jahre haben wir uns das Image aufgebaut, dass wir kein elitärer Sport sind. Wir betreiben zum Beispiel eine herausragende Jugendarbeit, wir gehen an die Schulen und bieten Schnupperkurse an. Wir proklamieren im Übrigen jetzt keine Sonderstellung.

          Werden Golfklubs in der Corona-Krise finanziell in ihrer Existenz bedroht?

          Es ist gar nicht so abwegig, darüber nachzudenken. Es gibt sicherlich Klubs, die allein aufgrund ihrer Mitgliederzahl keinen so großen finanziellen Rückhalt haben. Wir in Neuhof hingegen haben 1400 Mitglieder für unsere 27-Loch-Anlage. Dadurch verfügen wir über eine gewisse Solidität. Aber auch unsere Reserven schrumpfen immer mehr, je länger nicht gespielt werden kann. Viele Golfklubs in Deutschland könnten unter diesen Umständen ein Problem bekommen.

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