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Fußballtrainer Benno Möhlmann : „Ich bin für Gehaltsobergrenzen“

  • -Aktualisiert am

Benno Möhlmann, hier 2014, ist überzeugt: Die Trainer haben es heute schwerer. Bild: dpa

Im Interview spricht der Fußballtrainer Benno Möhlmann über die Entwicklung seines Berufsstandes sowie die Gefahren und Chancen für seine Kollegen durch die Corona-Krise.

          3 Min.

          Benno Möhlmann, 65, ist Führungsmitglied des Verbandes deutscher Fußballlehrer und arbeitete unter anderem für den Hamburger SV, 1860 München und zwischen 2011 und 2015 für den FSV Frankfurt.

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          Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den deutschen Trainermarkt?

          Keine Berufsgruppe wird exakt die gleiche Situation vorfinden wie vor der Corona-Pandemie. Die Unwägbarkeiten und die Unsicherheit bei den Trainern sind so groß wie bei jedem anderen Menschen auch.

          Muss ein arbeitsloser Trainer nun damit rechnen, länger ohne Job zu sein?

          Was die Überlegungen der Vereine angeht, steht alles mehr oder weniger still. Das Geschäft ruht und somit auch die Möglichkeiten der Trainer. Im Profibereich hat das aktuelle Geschehen immer sehr großen Einfluss. Deshalb muss sich ein arbeitsloser Fußballlehrer heute darauf einstellen, dass für ihn der Zeitraum ohne Beschäftigungsverhältnis ein längerer sein könnte.

          Auch die Beurteilungskriterien für die Arbeit der Trainer könnten sich zunächst verändern, wenn die Saison ab Mai oder Juni nur noch im Schnellverfahren beendet werden sollte, oder?

          Ich kann mir vorstellen, dass bei den Vereinen die Tendenz dahin gehen wird, die Saison ohne Veränderungen bis zum Ende durchzuspielen – vor allem, wenn die Begegnungen in kurzen Abständen ausgetragen werden würden. Dann bliebe kaum Zeit, bei Misserfolgen irgendein Theater aufkommen zu lassen. Zu einer Trennung vom Trainer würde es wohl nur noch im Notfall kommen. Dafür müssten die Fronten sehr verhärtet sein.

          Welche Trainer kommen vom Charakter her gut durch die momentane Situation. Ist ein besonderes Einfühlungsvermögen gefragt?

          In den Zeiten, in denen vor allem mit dem Telefon miteinander kommuniziert wird, weil ein Mannschaftstraining nicht möglich ist, muss jeder Spieler das Gefühl haben, dass nach wie vor eine Bindung da ist. Er muss das Interesse des Trainers an seiner Situation spüren. Gibt es Probleme, sollten diese gemeinschaftlich und so schnell wie möglich gelöst werden.

          Wird es in Zukunft zunächst weniger Trainerwechsel aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Vereine geben?

          In dem Moment, in dem etwas passiert, ist man immer sehr nachdenklich und stellt viele Überlegungen an. Aber die Dinge werden dann auch schnell wieder vergessen, wenn die Probleme überstanden sind. Was die Geduld mit Trainern und deren Arbeit betrifft, wird es meiner Meinung nach kein nennenswertes Umdenken geben. 20 Prozent weniger an Umsatz in einem Klub oder ein 20 Prozent niedrigeres Trainergehalt werden nicht dafür sorgen, dass mit einem Trainer anders umgegangen wird.

          Ist der Umgang mit Trainern heute weniger respektvoll?

          Der Respekt ist schon noch da. Aber früher sind die Trainer einfach wegen ihres Trainerstandes akzeptiert worden. Das ist heute mit Sicherheit nicht mehr der Fall. Der Trainerstand ist im Vergleich zu zurückliegenden Zeiten nicht mehr so anerkannt. Bei den Trainern geht es mehr darum, dass sie zumindest als Persönlichkeiten empfunden werden, die sich auszudrücken wissen und die in den Medien zurechtkommen. Frühere Trainergurus wie Ernst Happel oder Branko Zebec haben in der Außendarstellung ja nun wirklich nicht super gewirkt. Aber sie sind anerkannt und respektiert worden. Wenn man sich heute nicht mehr gut darstellen kann, hat man auch als guter Trainer nicht mehr die Chance, sich dauerhaft durchzusetzen.

          Was würden Sie einem zurzeit beschäftigungslosen Trainer empfehlen, der nicht von einem Verein aufgrund eines noch bestehenden Vertragsverhältnisses weiterbezahlt wird?

          Da einen Rat zu geben ist schwer. Ich habe gewartet und relativ schnell immer einen Anruf bekommen. Im Grunde kann man sich in dieser Zeit nur fortbilden und auf seine Chance warten. Trainer mit einer entsprechenden Vita können auch mal abwarten, da sie im Markt bekannt sind. Jugendtrainer hingegen, die in den Markt hineinwollen, müssen sich bewerben, vorstellen und Kontakte pflegen. Auch bei den Trainern läuft heute ja vieles über deren Berater. Ich hatte nie einen. Im Augenblick einen Trainervertrag zu besitzen ist im übrigen auch keine absolute Sicherheit. Sollte die Krise noch länger fortdauern, weiß ich nicht, ob die Trainer in Ligen wie der Regionalliga die ganze Zeit weiterbezahlt werden können. Aber grundsätzlich brauchen wir Trainer alle keine Angst zu haben, dass wir uns irgendwann am Existenzminimum aufhalten.

          Werden Trainer in der ersten und zweiten Liga mit Gehaltseinbußen rechnen und sich beschränken müssen?

          In diesem Jahr gibt es viele Sachen, bei denen man anders reagieren und vielleicht auch mal wieder einen Schritt zurückgehen muss. Aktuell zeigen die Gehaltsverzichte auf allen Ebenen, wie verantwortlich und wie vernünftig alle Beteiligten mit der Situation umgehen. Wenn dann irgendwann wieder die Normalität eingekehrt ist, wird es keine grundlegende Umstellung oder Neuorientierung auch bei den Trainern geben. Spätestens 2021 könnte in dieser Gesellschaft wieder vieles beim Alten sein. Als ich noch Fußball gespielt habe, habe ich gesagt, wenn grundsätzlich alle die Hälfte verdienen würden, würden sie auch alle Fußball spielen, weil wir das in erster Linie gerne machen. Aber wenn die Möglichkeit da ist, viel verdienen zu können, dann wollen wir auch alle gerne viel verdienen. Dieses Denken hat sich nicht verändert. Und die Spieler, glaube ich, wären nicht die Ersten, die damit anfangen würden, von sich aus etwas zu verändern. Das müssten schon die Vereine sein. Sie müssten sich einig sein, dass sie nicht mehr so überaus viel an Ablösesumme und so übergroße Summen an Gehältern zahlen wollen – dass es vielleicht eine Obergrenze in allen Bereichen gibt. Warum nicht? Ich hätte nichts dagegen.

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