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Offenbach und FSV Frankfurt : Rettungsschirm gesucht bei Fußballklubs

Keine Ausnahme: In Offenbach bleibt das Stadion leer. Bild: Helmut Fricke

Die finanzschwachen Fußballvereine in der viertklassigen Regionalliga sind abhängig von den Zuschauern und Sponsoren. Wegen Corona ist das ein großes Problem. Über allem steht die Frage. Wie geht es weiter?

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          Den wirtschaftlich schlimmstmöglichen Fall schließt Joachim Wagner nach jetzigem Stand aus. „Ganz klar, die Situation ist extrem ernst“, sagte der Präsident der Offenbacher Kickers am Samstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Aber wir werden mit Sicherheit nicht die Türen schließen und in die Insolvenz marschieren.“ Der Fußball-Regionalliga-Verein könne „den Gehaltszahlungen und allen Verpflichtungen nachkommen“.

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          Der Unternehmer gab im Hinblick auf die finanziellen Auswirkungen durch den Stopp des Spielbetriebs aufgrund der Coronavirus-Ausbreitung aber auch zu bedenken: „Wenn es bei einer Komplettabsage der Spielrunde zu keinen Ausgleichszahlungen für die Vereine käme, würde es ein Flächensterben aller Dritt- und Viertliga-Klubs geben.“ Nach aktuellem Stand setzt die Südwestgruppe der vierthöchsten Spielklasse für zwei Spieltage aus. Für die Kickers bedeutete das, dass ihr Heimspiel am Samstag gegen den FC Homburg nicht stattfand. Der Ligarivale FSV Frankfurt trat nicht in Ulm an.

          „Die Gesundheit der Menschen ist wichtiger als ein Fußballspiel“, sagt Wagner. In dieser „Ausnahmesituation“ war es auch für ihn die einzig richtige Entscheidung, die Spielrunde zu unterbrechen. Die Regionalligen firmieren offiziell nicht als Profiligen. Nur in der Realität wird bei vielen Vereinen wie den Kickers doch unter Profibedingungen mit den entsprechenden Kosten gearbeitet. Allerdings erhalten sie keine Fernsehgelder. „Unsere Einnahmequellen speisen sich zu fast 100 Prozent aus Werbe-, Sponsoring- und Ticketingerlösen“, sagt Wagner. Pro Heimspieltag – der OFC kommt als Primus bisher auf einen Zuschauerschnitt von gut 5600 – nehmen die Kickers im Schnitt zwischen 70.000 und 80.000 Euro ein. In dieser Saison stehen im Terminkalender des OFC noch sieben Begegnungen vor eigenem Publikum, darunter die lukrativen Spiele gegen den FSV Frankfurt, den Tabellenführer Saarbrücken und den FC Gießen.

          Bei einer Komplettabsage der Runde würden den Offenbachern also mindestens 500.000 Euro an Zuschauereinnahmen fehlen. Nicht zu vergessen die Leistungen gegenüber den Vereinssponsoren, die der OFC ohne Spiele „nicht erfüllen“ könnte. „Eins kommt zum anderen“, sagt Wagner. Durch juristische Prüfung der verschiedenen Sachverhalte versuchen die Kickers nun, sich Rechtssicherheit zu verschaffen. Mit der Aussetzung des Spielbetriebs „entzieht uns ein Dritter die Geschäftsgrundlage. Wie verhält es sich in diesem Fall?“, fragt sich der Offenbacher Geschäftsführer Thomas Sobotzik, der den OFC im Moment „im Schwebezustand“ sieht.

          Von der Regionalliga Südwest GbR direkt können die Klubs keine wirtschaftliche Hilfe erwarten. „Wir stecken in der Bredouille und sind selbst stark betroffen“, sagt Sascha Döther, der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR. Der Grund: Mit insgesamt fünf Prozent der Nettospieleinnahmen pro Spieltag partizipiert die Regionalliga Südwest GbR am Zuschaueraufkommen der Spielklasse. „Wenn 100 Spiele wegbrechen, ist das auch für uns ein Riesenproblem“, sagt Döther. Trotzdem sollen die Klubs nach Möglichkeit Unterstützung erfahren: „Wir müssen versuchen, mit dem Fußball – vielleicht auch mit Hilfe der Politik – einen Rettungsschirm zu bilden“, sagt Döther.

          Als wären die aktuellen Sorgen nicht schon groß genug. Michael Görner, der Präsident des FSV Frankfurt, denkt auch perspektivisch und weist darauf hin, dass sein Verein in der kommenden Saison abermals auf die Unterstützung vieler lokaler Sponsoren angewiesen sein wird. „Wir haben nicht den Milliardär, der uns hilft“, sagt er. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise könnte sich die eine oder andere Firma das Sponsoring aber womöglich nicht mehr leisten.

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