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Fragen bei Frankfurt Universe : „Was passiert, wenn...?“

  • -Aktualisiert am

Frankfurt Universe, hier 2018, will mit Power in die Saison der ersten deutschen Football-Liga starten: Nur wann? Bild: Picture-Alliance

Schon jetzt hat der Footballverein 500 Dauerkarten verkauft. Doch ob der Spielbetrieb trotz der Corona-Krise an Pfingsten startet, ist bis auf weiteres fraglich. Frankfurt Universe steht wohl vor schweren Wochen.

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          Es klingt wie ein verzweifelter Rettungsversuch. Man habe „die Festlegungen getroffen, dass versucht werden soll, die Saison 2020 von GFL und GFL2 auszutragen, diese aber fünf Wochen später, als bislang geplant, zu beginnen“, teilten der American Football-Verband von Deutschland (AFvD) und die German Football League (GFL) jüngst mit. Erst an Pfingsten würde die neue Saison beginnen.

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          American Football in Zeiten von Corona? Beim Erstligaklub Frankfurt Universe weckt der Versuch der Liga, den Spielbetrieb trotz der komplizierten Lage anlaufen zu lassen, große Skepsis. „Ich habe das Empfinden, dass der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund stehen muss“, sagt Daniel Zeidler, einer der Geschäftsführer von Universe. Am 18. April hätte die Mannschaft von Trainer Thomas Kösling einen ersten Test bei den Cologne Crocodiles gespielt, am 10. Mai wäre das Team im ersten Punktspiel der Saison angetreten – ein Heimspiel im Stadion am Bornheimer Hang gegen die München Cowboys. Beide Termine sind schon jetzt nicht einmal mehr Wunschdenken. Denn wie andere Sportarten hat der American Football in Deutschland das Training nicht aufnehmen können.

          Auch Frankfurt Universe wird dies in den kommenden Wochen nicht tun können. Selbst den von der Liga geplanten Start des Spielbetriebs an Pfingsten (31. Mai) hält Zeidler für problematisch. Denn die Liste der Fragen, die sich dem Klub dann stellen würden, ist lang. Viele davon fangen mit den Worten „was passiert, wenn...“ an: Wenn Spieler in Quarantäne sind, wenn in einem der Teams ein infizierter Spieler mitwirken würde, wenn die Saison verkürzt würde, wenn die Spiele vor leeren Rängen ausgetragen würden, wenn sie nur per Livestream von den Fans verfolgbar wären, wenn Spieler aus Übersee erst gar nicht ins Land kämen, so wie dies im Moment der Fall ist? „Was wäre das dann für eine Liga“, fragt Zeidler.

          14 sogenannte „Importspieler“ waren im Kader von Universe eingeplant. Keiner von ihnen ist derzeit in Deutschland, keiner wird in den kommenden Wochen kommen können. Cheftrainer Kösling ist einer der eher optimistisch denkenden Vertreter im Verein und hofft darauf, dass die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus bald greifen. „Wir müssen diese drei Wochen nun einfach fressen und dann weitersehen“, sagt er. „Irgendwann müssen die Menschen doch mal ins normale Leben zurück.“ Kösling schaut dabei auch auf jene Spieler, die Verträge mit Universe unterschrieben haben und nun davon ausgehen müssen, dass der Klub diese nicht oder nur teilweise erfüllen kann. „Ich hoffe, dass die Jungs in ihrer Heimat Jobs haben, mit denen sie sich über Wasser halten können.“ Die meisten Spieler von Universe sind ohnehin Amateure, die mit ihrem Sport nichts verdienen und ihn nach Feierabend betreiben. Mit ihnen trainiert Kösling nun quasi online. „Wir üben unsere Spielzüge.“ Wer steht wo, wenn der Gegner dies oder jenes macht? Der Headcoach hat so etwas wie Quizfragen vorbereitet. Wer sie nicht richtig beantwortet, weil er das Playbook nicht gelesen hat, muss mit bissigen Bemerkungen rechnen.

          Für Universe-Chef Zeidler drängt die Zeit. Eine ursprünglich für das zurückliegende Wochenende geplante Telefonkonferenz aller GFL-Klubs mit der Liga- und Verbandsführung kam nicht zustande. „Je länger wir warten, desto größer wird der Schaden“, warnt Zeidler. Die Probleme seien vielschichtig. „Wir müssen dringend Gespräche führen: mit der Stadt, mit dem Stadionbetreiber, mit der Liga.“ Ohne Ticketverkauf wäre Universe nicht in der Lage, seinen Verpflichtungen nachzukommen. „Wir könnten keine Stadionmiete zahlen.“ Hinzu kommt ein Problem, das man bei Universe nach der überstandenen Insolvenz nie wieder haben wollte. Abermals müssen Fans, die schon jetzt Tickets für die bevorstehende Saison gekauft haben, hoffen, dass sie die versprochene Gegenleistung erhalten: Footballspiele im Stadion sehen zu können. „Wir haben schon jetzt fast 500 Dauerkarten verkauft, die wir dann zurückerstatten müssten“, sagt Zeidler.

          Der Universe-Chef hält dennoch nicht viel davon, in eine Spielzeit zu starten, die den Klub vor riesige Probleme stellen würde. „Es hängt zwar viel Herzblut dran, aber ich denke, dass das wirtschaftliche Risiko einfach zu groß wäre.“ Für noch größer hält Zeidler die Gefahr, dass durch Football und die Austragung von Spielen ein Mensch durch das Virus zu Tode käme. „Dann“, sagt Zeidler, „hätten wir eine Mitschuld.“

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