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Tennisspielerin trotzt Krise : Der überraschende Neustart der Andrea Petkovic

  • -Aktualisiert am

Will noch länger spielen: Andrea Petkovic Bild: dpa

Eigentlich wollte Andrea Petkovic ihre Karriere so langsam ausklingen lassen, spätestens nach dieser Saison. Nun aber plant sie komplett anders. Das hat auch mit dem Coronavirus zu tun.

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          Noch sind die Tennisplätze beim TEC Darmstadt mit rot-weißen Bändern abgesperrt. Aber auf Platz drei fliegen schon die Bälle. Trotz Pandemie und Lockout. Andrea Petkovic darf seit einigen Tagen wieder auf der Anlage trainieren. Als Berufsspielerin hat sie von der Politik grünes Licht bekommen. Platz drei ist in normalen Zeiten der Trainingsplatz, auf dem ihr Vater Zoran, Cheftrainer beim TEC, Unterricht gibt. Jetzt schlägt dort die Tochter Bälle mit ihm oder mit einem der besten Junioren des Klubs. Zoran Petkovic hat es so eingerichtet, dass als Hitting-Partner seiner Tochter auch die Talente des Vereins mal ein Stunde Spielpraxis bekommen.

          Andrea Petkovic war vor Ausbruch der Corona-Krise am Knie operiert worden, sie tastet sich nun wieder an härtere Belastungen heran. „Ich trainiere eine Stunde am Tag auf dem Platz, um im Schlag zu bleiben und mich fit zu halten“, sagt sie. „Nachmittags mache ich was Fitnessmäßiges, was ich halt so im Rahmen meines Hauses und des Waldes nebendran machen kann.“ Die gewohnte Motivation fürs Training zu finden fällt ihr derzeit schwer, so ganz ohne konkretes Ziel, nachdem alle Turniere bis zum Sommer abgesagt oder verschoben wurden.

          „Mein Plan ist, dass ich einen Monat, bevor es wieder losgeht, ins Trainingslager gehe“, sagt sie. Wann dies sein wird, weiß keiner. „Das Einzige, was ich mir in diesem Jahr noch vorstellen kann, ist ein Grand-Slam-Turnier ohne Publikum, denn diese großen Turniere könnten sich das finanziell leisten, aber ich wüsste nicht, wie kleinere Turniere das ohne Zuschauer stemmen könnten.“ Die French Open in Paris stehen noch auf dem Kalender, verschoben vom Mai in den September. „Es ist tatsächlich, was ich noch am ehesten glaube“, sagt Andrea Petkovic, „dass Paris das ohne Zuschauer, nur mit Fernsehgeldern, auf die Beine stellen wird.“

          Andrea Petkovic, hier 2018, bereitet sich auf die Rückkehr in die Tennis-Saison vor.
          Andrea Petkovic, hier 2018, bereitet sich auf die Rückkehr in die Tennis-Saison vor. : Bild: EPA

          Was die Zukunft des Profitennis betrifft, sieht die Darmstädterin vor allem kleinere Turniere, die sich sonst Jahr für Jahr gerade so über Wasser halten, in ihrer Existenz bedroht. Auch für viele Profis ist die Krise eine existentielle Bedrohung. „Für alle jenseits der Weltranglistenpositionen 80 oder 90 und vor allem für junge Spieler und Spielerinnen, die sich nicht über zehn Jahre ein finanzielles Polster anlegen konnten“, sagt sie. Besonders der Ausfall der Grand-Slam-Turniere wiege schwer. Dort erwirtschafteten die Profis jenseits der 80 oder 90 allein mit der Teilnahme, mit der ersten Runde, rund 100.000 Dollar, das sei die Basis für sie, ihr Tennisjahr zu finanzieren.

          Für Petkovic bedeutet die Zwangspause eine Verlängerung ihrer Karriere. Die 32-Jährige, die ihre Laufbahn ursprünglich 2021 ausklingen lassen wollte, wird noch ein komplettes Jahr dranhängen. „Ich tendiere dazu, weiter zu spielen“ sagt sie, „aber insgesamt weniger und mit der Konzentration auf die großen Turniere und solche, die in meiner Nähe sind, wie Bad Homburg oder Berlin.“ Eines sei sicher: „Ich will meine Karriere nicht durch Corona beendet sehen.“

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