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Österreichisches Nationalteam : Hockey-Hilfe aus Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Erst Spielerin, nun Trainerin: Am vergangenen Wochenende unterzeichnete Corinna Zerbs ihren Vertrag als neue Teamchefin. Bild: Picture-Alliance

Führungskraft, Kapitänin und beste Torschützin: Corinna Zerbs hat das österreichische Hockey-Nationalteam im vergangenen Jahr verlassen. Nur kommt sie zurück als Trainerin.

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          Die österreichische Hockey-Nationalmannschaft ohne Corinna Zerbs? Fühlte sich für viele inkomplett an. Drum ist die längst in Frankfurt heimisch gewordene Wienerin nun zurück – als Nationaltrainerin. Im vergangenen Jahr war sie nach 16 Jahren als langjährige Führungskraft, Kapitänin und beste Torschützin nach 144 Länderspielen als Aktive zurückgetreten, am vergangenen Wochenende unterzeichnete sie ihren Vertrag als neue Teamchefin. Und setzt den Frankfurter Export zum Österreichischen Hockey-Verband fort (ÖHV). Denn die sportliche Leiterin von SAFO Frankfurt tritt zusätzlich zu dieser hauptamtlichen Aufgabe die Nachfolge von Chris Faust an. Der gebürtige Frankfurter hat schon bei einigen internationalen Engagements sowie bei vielen Klubs in Rhein-Main als Trainer und Fachmann Spuren hinterlassen. Faust trat nach vierjähriger Tätigkeit für den ÖHV zurück.

          Doch damit nicht genug Transfer von Frankfurter Hockey-Expertise gen Alpenrepublik. Denn währen Corinna Zerbs dort die Damen-Auswahl übernimmt, hat Robin Rösch das Angebot angenommen, fortan die österreichische Herren-Nationalmannschaft zu trainieren. Der 50-Jährige ist vor gut einem Jahr als Sportlicher Leiter zum SC Frankfurt 1880 gestoßen. Auch Rösch wird den Job beim ÖHV zusätzlich zu seinen Aufgaben am Main erledigen. „Auch der SC 80 profitiert davon, wenn ich international up to date bleibe, meinen Erfahrungsschatz vergrößere und dabei ja auch stets den Verein repräsentiere“, sagt Rösch.

          „Das wird eine spannende Geschichte“

          Bei Corinna Zerbs und Robin Rösch gehört bei ihren neuen „Nebenjobs“ auch die Betreuung der österreichischen U-21-Auswahl dazu. Für die 32-Jährige steht nun ein enorm ereignisreicher Winter bevor. Denn durch die coronabedingten Verschiebungen stehen in der kommenden Hallensaison gleich drei Großereignisse in dichtem Takt für sie auf dem Plan: die U-21-EM kurz vor Weihnachten, die EM Mitte Januar und die WM im Februar.

          Noch als Spielerin hatte Corinna Zerbs mitgeholfen, dass sich die Österreicherinnen im A-Pool mit den stärksten Gegnern der Welt messen werden. Ob ihre Autorität als sportlich Verantwortliche leiden könnte durch ihren schnellen Wechsel von der Mitspielerin zur Vorgesetzten? Als langjähriger Kapitänin sei ihr früher schon zugehört worden, „wenn ich den Mund aufgemacht habe“, sagt sie schmunzelnd. „Klar, jetzt gilt es einen anderen Hut aufzusetzen. Das wird eine spannende Geschichte.“

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          Spannend wird auch, wie sie die nun diversen Herausforderungen unter dann doch einen Hut bekommen wird. Schließlich ist sie bei SAFO voll eingebunden als Koordinatorin für den weiblichen Bereich, als Trainerin der Mannschaften U14, U16 und U18 sowie als Spielerin bei den Damen, die dank Corinna Zerbs’ Aufbauarbeit in den vergangenen vier Jahren so gut wie lange nicht mehr – dritte Liga auf dem Feld, zweite Liga in der Halle – dastehen.

          Auch mal Kompromisse eingehen

          Noch zu erwähnen ist, dass die Hockey-Handlungsreisende auch Assistenztrainer bei der Hessenauswahl (U14 und U16) sowie bei der U18 auf Bundesebene ist. In letzterer Funktion wird sie nun eine Pause einlegen, die anderen möchte sie fortführen. „Es werden auch mal Kompromisse eingegangen werden müssen. Aber SAFO hat sich sehr tolerant gezeigt bei dieser Chance, die sich in meinem Heimatland geboten hat“, sagt die künftige Vielfliegerin.

          Auf ähnlich vielen Feldern ist auch Robin Rösch, der sich auch als Trainer-Ausbilder beim Hockey-Weltverband verdingt, gefordert. Der Schwarzwälder steht neben seiner Leitungsfunktion bei den Achtzigern als Sportlicher Leiter auch regelmäßig auf dem Trainingsplatz. „Von den 1. Herren in der Bundesliga bis zu sechsjährigen Kindern“, sagt er. Nun also die Rückkehr in die internationale Szene. Als Coach der niederländischen Herren-Hallenauswahl wurde Rösch 2015 Weltmeister. Mit den Österreichern übernimmt er nun den amtierenden Weltmeister, der aber vor einem Umbruch steht und auf Sicht einige Nachwuchsspieler integrieren muss.

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