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Eintracht in Champions League : „Jetzt kommt die größte Zeit des Jahres“

Endlich Champions League: Eintracht-Trainer Oliver Glasner Bild: picture alliance / SvenSimon

Träume, Geld und Gänsehaut: Mit dem ersten Gruppenspiel gegen Sporting Lissabon in der Champions League schlagen die Frankfurter ein neues Kapitel auf. Dabei bieten sich verlockende Perspektiven.

          3 Min.

          Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Rein äußerlich haben sie abgeschlossen mit dem, was bislang auch zu ihrem Ruf bei der ausländischen Konkurrenz beitrug: La Bestia Blanca, als die die Frankfurter aufgrund ihres glänzenden Auftretens in der Europa League in den (zumindest jeweils zu Beginn) strahlend reinen Trikots gefürchtet waren, gibt es erst mal nicht mehr.

          Champions League
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Für die nun beginnende Kampagne in der noch bedeutsameren Champions League entschied sich die Eintracht, in verändertem Gewand anzutreten: Das Team von Trainer Oliver Glasner macht sich an diesem Mittwoch (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN), zum Auftakt in der Gruppe D gegen Sporting Lissabon, in vollständig schwarzem Stoff ans Werk.

          Die PR-Strategen des Sponsors und des Klubs fühlten sich weniger den Erinnerungen an die Sternstunden der „weißen Bestie“ verpflichtet, sondern in ihren Marketingabsichten von der Hoffnung auf zusätzliche Umsatzerlöse durch modifizierte Shirts getrieben. Im Fanshop in der Arena herrschte vorab jedenfalls Hochbetrieb, da die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun hatten, die Regale so zu bestücken, dass einem reibungslosen Verkauf in den Stunden vor dem Anstoß nichts im Wege steht.

          Oliver Glasner: „Eine Belohnung“

          Allenthalben liefen am Tag vor der Ouvertüre Vorbereitungen auf dem Gelände im Stadtwald. Während Glasner, der Betreuerstab und die Spieler zum Teil per Rad auf den von der Sonne beschienenen Übungsplatz eintrafen, waren ringsum Handwerker beschäftigt, Werbeplakate mit Folie zu überkleben, die nichts mit den Geldgebern der UEFA zu tun haben. Zum ersten Mal überhaupt wird gegen den Tabellenneunten der Primeira Liga die Champions-League-Hymne in Frankfurt erklingen.

          „Jetzt kommt die größte Zeit des Jahres“, sagte Glasner. Er sprach von „einer Belohnung“ für das Erreichen der Ziele in der vergangenen Saison, die er als „außergewöhnlich“ beschrieb, doch nun stehe eine weitere „Steigerung“ bevor, wie der 48-Jährige anfügte. Schon dreimal hat sich der Österreicher im Laufe seiner Trainerkarriere für den wichtigsten Wettbewerb im europäischen Vereinsfußball qualifizieren können, doch erstmals erlebt er die Festspiele auch selbst unmittelbar mit; sowohl vom Linzer ASK als auch vom VfL Wolfsburg verabschiedete er sich nach vollzogener Qualifikation.

          In Frankfurt ist für Glasner noch lange nicht aller Tage Abend, er will weitere Achtungserfolge erreichen. Deswegen mahnte er bei aller „Vorfreude“ auf die gewiss stimmungsvolle Atmosphäre, den Blick fürs Wesentliche nicht zu verlieren: „Es kommt auf unsere Aufgaben auf dem Feld an und nicht auf den Text der Hymne.“

          15 Millionen Euro für Gruppenphase

          112 Tage nach der Krönung in der Europa League in Sevilla betritt die Eintracht ein wirtschaftlich ausgesprochen attraktives Terrain, das lange unerreichbar schien. Bereits für das Mitwirken an der Gruppenphase sind 15 Millionen Euro garantiert, wobei sich die Summe mit Prämien und TV-Einnahmen im weiteren Verlauf ohne Weiteres verdreifachen kann. Verlockende Perspektiven!

          Zumal es die Losfee mit den Hessen nicht schlecht meinte. Tottenham ist nach allgemeinem Dafürhalten der Favorit unter den vier Mannschaften, von denen zwei in die K.-o.-Phase weiterkommen, doch Marseille und Sporting gelten – zumal wenn die Eintracht wie in der Bundesliga beim 4:0 gegen Leipzig ihr Potential ausschöpft – als bezwingbar. Für den Dritten im Bunde winkt die Aufnahme in die Europa League als Trostpreis, nur wer Anfang November als Vierter dasteht, geht leer aus.

          „Wir wollen etwas erreichen“, sagte Djibril Sow angriffslustig und formulierte das Vorhaben im gleichen Atemzug konkreter: „Es geht darum, den Verein würdig zu vertreten. Wir wollen unseren Fußball fortführen, mit dem wir uns Respekt erarbeitet haben, und befinden uns dabei auf einem Level, das ein bis zwei Stufen höher ist“, sagte der Schweizer Nationalspieler, der sich auf ein weiteres Karriere-Highlight einstellt: „Es wird ein Gänsehautmoment werden“, sagte der 25-Jährige, „wir wollen die Energie, die bei uns da ist, nutzen, um den Zuschauern eine Freude zu bereiten.“

          Er selbst ist im defensiven Mittelfeld gesetzt. Kapitän Sebastian Rode fällt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel aus, ist möglicherweise laut Glasner aber kommende Woche in Marseille wieder eine Option. Sows Arbeitseifer ragt seit Langem heraus. Läuferisch gehörte er ohnehin seit seinem Einstieg 2019 bei der Eintracht zu den Besten. Mittlerweile überzeugt er aber auch als Taktgeber und gewiefter Zweikämpfer vor der Defensivkette.

          Taktgeber und gewiefter Zweikämpfer: Djibril Sow übernimmt bei der Eintracht Verantwortung.
          Taktgeber und gewiefter Zweikämpfer: Djibril Sow übernimmt bei der Eintracht Verantwortung. : Bild: Imago

          „Wer unser Training verfolgt, sieht, was wir investieren“, sagte Sow. „Wir gehen dabei auch über Grenzen hinaus, und das kommt uns im Spiel zugute: Wir haben bis zum Schluss ­Power.“ Das „gute Verhältnis“ zum Trainer habe viel mit seiner überzeugenden Performance zu tun, erklärte Sow. Er sei froh, unter der Regie Glasners gemeinsam „diese Schritte zu gehen“.

          Auch deswegen entschied er sich unlängst gegen Angebote aus der Premier League; sowohl Nottingham Forest als auch Crystal Palace wollten ihn mit viel Geld auf die Insel locken. Sow lehnte dankend ab, weil er sich bei der Eintracht „total wohlfühlt“, wie er betonte und sein Bauchgefühl ihm signalisierte, dass die positive Entwicklung weitergehen wird: „Auf unserem Weg sind die Grenzen nach oben nicht bestimmt.“ Er und die Eintracht trauten sich jedenfalls auch in der Champions League „viel zu“ – prägnanter lässt sich die gestiegene Erwartungshaltung kaum artikulieren.

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