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Breitensport : Von Frankfurt um den Globus

  • -Aktualisiert am

Sport für alle: Events wie der Frankfurter Marathon sind Massenveranstaltungen Bild: F.A.Z. Wonge Bergmann

Sport tut jedem gut. Von seinem Hauptsitz in Frankfurt aus kümmert sich der internationale Breitensportverband Tafisa darum, weltweit Entwicklungsmöglichkeiten für den Sport zu erarbeiten - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.

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          Im lichtdurchfluteten Büro des Commerzbank-Komplexes an der Hafenstraße wird dem Besucher schnell klar, dass es hier nicht um das große Geld, um Fonds oder Aktienkurse geht, eher um Ideen, Informationen und, ähnlich wie bei den benachbarten Bankern, um Verbindungen in der globalisierten Welt des Sports. Hier ist die Tafisa zu Hause, die Trim & Fitness International Sport for all Association. Ein Verband, der sich fast unbemerkt von der Öffentlichkeit um die weltweite Entwicklung des Breitensports kümmert. Der Mann, der von Telefon zu Telefon eilt, ist der vielbeschäftigte Generalsekretär Wolfgang Baumann.

          Dass Frankfurt seit 2005 Sitz des internationalen Sportverbandes wurde und Baumann der erste hauptamtliche Generalsekretär der Tafisa, hat mehrere Gründe. Der wohl wichtigste: Von Frankfurt waren in den siebziger und achtziger Jahren mitreißende Ideen und Impulse für ein neues Sportverständnis ausgegangen, dass neben dem traditionellen und etablierten Wettkampfsport, der überwiegend der Jugend vorbehalten ist, nun auch der Sport für alle gut und notwendig sei. Die Idee des Sports für jedermann, für alle Altersstufen, unabhängig vom sozialen Hintergrund, war in jener Zeit in mehreren Ländern bereits virulent. Doch ohne rechte öffentliche Wirkung. Auch in der Bundesrepublik Deutschland wurde darüber nachgedacht, der sogenannte „Zweite Weg“ propagiert – ohne Vereinsmitgliedschaft an Vereinskursen teilnehmen zu können.

          Einfälle, Unterstützung und ein Minietat

          Beim Deutschen Sportbund (DSB) in der Otto-Fleck-Schneise saß der geniale Jürgen Palm als Leiter der Breitensportabteilung. Palm, der die kommunalen Sportanlagen für jedermann in den Vereinigten Staaten kannte, in Norwegen von der Trimmaktion erfuhr, entwickelte mit einem Minietat, hervorragenden Einfällen und der vollen Unterstützung des Präsidiums, allen voran des ehemaligen Nordrhein-Westfalen-Ministers Willi Weyer, erfolgreiche und nachhaltige Kampagnen, die international große Beachtung fanden.

          Palm hatte von Anfang an auf Professionalität gesetzt. Er arbeitete mit einer jungen Werbeagentur zusammen. Es gab so etwas wie eine nationale Aufbruchstimmung. Alle zogen mit: die Politik, die Prominenten aus der Unterhaltung und dem Sport. Und die Medien, die für viele Millionen Mark kostenlos Annoncen druckten und im Fernsehen einschlägige Werbespots brachten. Die Städtereklame betreute kostenlos die Plakatwerbung. Bundespräsident Walter Scheel eröffnete die Kampagne „Lauf mal wieder“ und lief mit. Stars wie Rudolf Schock, Liselotte Pulver, Katja Ebstein, Udo Jürgens und Frank Elstner als erfolgreicher Spielmeister und berühmte Sportler wie Emil Zatopek und Jesse Owens waren dabei. In dieser Zeit passte alles zusammen. Das Wirtschaftswunder lief auf Hochtouren. Die Menschen hatten genügend Freizeit, wurden übergewichtig und litten an Bewegungsmangel. Die Trimmaktionen hatten einen beispiellosen Erfolg. Auch die Zahl der Vereinsmitglieder stieg rasant, unabhängig von denen, die privat wieder einmal laufen, schwimmen, spielen oder Fahrrad fahren wollten.

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