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Löwen Frankfurt : Ein Trainer aus der dritten Liga

Bohuslav Subr hat bei den Löwen ab sofort das Sagen. Bild: Jan Huebner

Bohuslav Subr wird zur kommenden Saison neuer Trainer der Frankfurter Löwen. Er ist ein strenger Coach, der kommunizieren und mit weniger Geld umgehen können soll.

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          Wenn es ums Schönrechnen geht, macht Rüdiger Storch so schnell niemand etwas vor. Das hat der seit Jahrzehnten bei den Frankfurter Eishockey-Fans äußerst beliebte Stadionsprecher erst kürzlich im vereinseigenen Videoformat der Löwen als Moderator wieder eindrucksvoll bewiesen. Seine Studie der entscheidenden Zahlen dieses Frühlings ergab folgendes: Beim knappen Play-off-Viertelfinalaus in der Zweiten Deutschen Eishockey-Liga gegen die Bietigheim Steelers hatten die Löwen in der gesamten Serie 15 Treffer und damit genauso viele wie der spätere Meister erzielt.

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          David Lindenfeld
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          Dem nordhessischen Rivalen aus Kassel waren im Finale in ebenfalls fünf Spielen nur 14 Tore gelungen, Bietigheim wieder 15. Für Storch war die Sache also klar: Hessens Nummer eins, ein für die Fans nicht unwesentlicher inoffizieller Titel, kommt aus Frankfurt – so kann man sich es auch zurechtbiegen.

          Die gute Laune ist zurück

          Der in der ersten Sendung als Gast geladene Sportdirektor Franz-David Fritzmeier nahm diesen Ball gerne auf. Zwei oder drei Wochen lang habe er nach Ausreden gesucht, sagte er scherzhaft und lachte. Und nun werde ihm so etwas in den Mund gelegt: „Du bist der Beste, Rüdiger.“ Auch wenn die Rechnung nur eine Randnotiz dieser ganz und gar nicht nach Plan gelaufenen Corona-Saison bleiben wird, lässt sich daran doch einiges ablesen. Zum einen, wie knapp die Löwen am Ende gescheitert sind. Zum anderen, und das ist aus Sicht vieler Beobachter der wichtigere Punkt: Die gute Laune ist zurück.

          Etwas mehr als ein Monat nach dem enttäuschenden Aus und mehreren Wochen, in denen der Klub nur Ab- und keine Zugänge vermeldete, ist das bittere Gefühl, den Aufstieg als großes Ziel nicht erreicht zu haben, neuem Tatendrang gewichen. Es passt daher ins Bild, dass der Klub gerade jetzt auf der wichtigen Position hinter der Bande Klarheit geschaffen hat: Bohuslav Subr wird zur kommenden Saison neuer Trainer.

          Der 41 Jahre alte Tscheche trainierte zuvor sechs Jahre lang den niederländischen Klub Tilburg Trappers, der in der deutschen dritten Liga antritt, und war zuvor als Jugendtrainer bei den niederländischen Junioren-Auswahlteam der U18 und U20 tätig. Ihm assistieren wird Jan Barta, der zuletzt als „Development Coach“ den Trainerstab unterstützte.

          Bei der Auswahl seiner Trainer bleibt sich der Sportdirektor treu: Subr, den alle nur „Bo“ nennen, ist nach Olli Salo und Matti Tiilikainen der nächste, den niemand so wirklich auf dem Zettel hatte. Einmal, mit Tiilikainen, hat das funktioniert. Salo wurde in der vergangenen Saison vorzeitig entlassen, weil es zwischen ihm und dem Team – auch aufgrund der Freiheiten, die er der Mannschaft gab – nicht harmonierte. Seine Fachkompetenz sei aber unumstritten, sagt Fritzmeier. Das lasse sich auch daran erkennen, dass Salo fortan einen finnischen Erstligaklub coachen wird. Subr ist die kleine Lösung für die große Trainerfrage, die den Klub nun schon seit Dezember begleitet.

          Kein großer Name

          Er hat keinen großen Namen, was aber nicht schlecht sein muss. In Tilburg habe „Bo“ schon gezeigt, dass er langfristig bei einem Klub arbeiten und etwas aufbauen könne, sagt Fritzmeier. Und Subr passt nicht nur deshalb ins Anforderungsprofil. „Wir haben mit Bo einen starken, selbstbewussten Trainer ausgesucht, der die Mannschaft mit klaren Vorgaben führen wird, aber auch kommunikativ ist. Unser Team braucht diese Strenge, aber keinen General, der nur rumschreit“, sagt Fritzmeier, der mehrmals darauf verwies, dass der neue Trainer auch „finanzierbar“ sein müsse. Das ist bei Subr, für den die Löwen eine große Chance sind, im Gegensatz zu anderen Kandidaten der Fall.

          So, wie von Fritzmeier beschrieben, tritt Subr auch auf. Der neue Coach wirkt bei seinem ersten öffentlichen Termin souverän. Wenn er englisch spricht, klingt sein nordamerikanischer Akzent durch, den er sich auf seinen Stationen als Spieler in den USA und Kanada angeeignet hat, ehe er wegen einer Knieverletzung nach Europa zurückkehrte. Und sein unbedingter Siegeswille. Bei fast jeder Antwort kommt Subr irgendwann aufs Gewinnen zu sprechen. Offensiv, aggressiv und hart wolle er spielen lassen. „Wir werden nicht jedes Spiel gewinnen, aber wir werden in jedes Spiel gehen und es unbedingt gewinnen wollen“, verspricht der neue Trainer.

          Eigene Ideen einbringen

          In Frankfurt findet er einen Kader vor, der aktuell zwölf Spieler umfasst – darunter ist mit Stürmer Rylan Schwartz erst ein Neuzugang. Dem neuen Coach bietet sich also fortan noch die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Wann mit weiteren Verpflichtungen zu rechnen ist, lässt sich aktuell nicht prognostizieren.

          Das gesamte Löwen-Team um die Gesellschafter Stefan Krämer und Andreas Stracke sowie Sportdirektor Fritzmeier steht vor einer immensen Herausforderung, weil aufgrund der Pandemie lange unklar bleiben wird, wie die finanziellen Voraussetzungen für die kommende Saison sein werden. „Die Situation ist verdammt schwierig. Wir wollen eine Mannschaft zusammenstellen, die bezahlbar ist, sind dabei aber auch bereit, ein gewisses Risiko einzugehen, weil wir eine deutliche Rolle spielen wollen“, sagte Krämer kürzlich.

          Gleich im Anschluss war er allerdings schon wieder bemüht, sorgenvolle Gedanken, die Planungen der Löwen könnten zu einem Vabanquespiel werden, gar nicht erst aufkommen zu lassen: „Wir werden den Klub nicht auf’s Spiel setzen“, sagte Krämer. Konkret heißt das: Die Ansprüche bleiben hoch, der Gesamtetat (in der Vergangenheit bei 4,5 Millionen Euro) wird jedoch etwas gekürzt werden müssen. Erfolgreich sein trotz weniger Geld – für neue Trainer gab es am Ratsweg schon bessere Startbedingungen.

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