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Bewegung für alle : Wie sich Parteien vor der hessischen Landtagswahl im Sport positionieren

  • -Aktualisiert am

Sportunterricht: laut den meisten politischen Parteien zu selten Bild: Roger Hagmann

Große Themen der hessischen Landtagswahl sind vor allem Wohnraum, Infrastruktur und Bildung. Die Sportpolitik gerät schnell in Vergessenheit. Was steht diesbezüglich auf der Agenda der Parteien?

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          Am Stadtrand von Frankfurt, zwischen Niederrad und dem Flughafen, liegt das Zentrum der Bewegung. Neben dem Waldstadion haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Landessportbund (LSB) und der Olympiastützpunkt Hessen ihren Sitz. Laut Artikel 62a der Hessischen Verfassung genießt der Sport „den Schutz und die Pflege des Staates“. Aber was wollen die Parteien im Zuge der an diesem Sonntag stattfindenden Landtagswahl für den Sport in Hessen leisten?

          Das mag nach einer unwichtigen Frage klingen. Schließlich steht das Land auch vor anderen Problemen, wie eine Umfrage von „Infratest dimap“ zeigt. Zu den wichtigsten Problemen in Hessen werden bezahlbarer Wohnraum, Infrastruktur oder Einwanderung genannt – aber nicht die Sportpolitik. Auf Platz eins der Problem-Agenda: Schule. Bildung. Schulen zu modernisieren und das Bildungssystem anzupassen, muss aber nicht heißen, den Sport zu kurz kommen zu lassen. Die SPD spricht beispielsweise davon, so viele Menschen wie möglich „zum Einstieg in den Sport“ zu bewegen.

          Das sei insbesondere an Ganztagsschulen möglich, die „nicht in Konkurrenz zu Vereinen stehen, sondern Kinder und Jugendliche für Sport begeistern“ sollen. Es ist nicht das einzige sportpolitische Ziel der SPD: Mit dem Programm „Sport in Hessen 2025“ möchte die Partei geeignete und moderne Sportanlagen für jede Sportart fördern. Vor allem der Turnhallenmangel mache sich bemerkbar, wenn mehrere Klassen gleichzeitig in den Sportunterricht gehen müssen und 60 bis 70 Kinder in der Halle sind – ein Problem, das auch die Linke beklagt.

          Breitensport statt Talentsichtung

          Dass es Nachholbedarf an Schulen gibt, wird auch bei der FDP deutlich, die im Wahlkampf mit „weltbester Bildung“ punkten will. Jedes Kind soll nach seinen individuellen Stärken gefördert werden. Unabhängig davon, ob der Sport nun die individuelle Stärke eines Kindes ist oder ob es sich um das reine Bedürfnis nach Bewegung handelt, gibt es bei der FDP keine Berührungspunkte zwischen Schule und Sport.

          Auf Nachfrage revidiert die Partei ihr Programm. Durch liberale Politik und „der damit verbundenen Selbständigkeit“ sollen Schulen ihr sportliches Profil schärfen – aber zu welchem Preis? Müssen dafür andere Fächer weichen? Und mit welchem Geld soll das sportliche Profil, für das es entsprechende Trainer und Lehrer braucht, umgesetzt werden? Diese Fragen bleiben bei der FDP offen.

          Bei allen Ambitionen ist trotzdem klar: „Sport an Schulen soll in erster Linie dem Breitensport dienen“, wie der Präsident des Landessportbundes Hessen, Rolf Müller, sagt. „Es geht nicht um große Talentsichtung, sondern darum, ,Sport für Alle‘ zu gewährleisten.“ Sport als Gesellschaftspolitik: Diese Vorstellung hat auch die CDU. Zehn Millionen will sie in die Sanierung von Hallen- und Freibädern investieren, Sportstätten im ländlichen Raum modernisieren und das Programm „Sport und Flüchtlinge“ weiter fördern. Die Grünen, ihr aktueller Koalitionspartner, schließen sich der Programmatik an, bringen aber zwei neue sportpolitische Aspekte in den Diskurs: Zum einen wollen sie die gleiche finanzielle Förderung für eSport wie für andere anerkannte Sportarten auch, zum anderen die Einführung eines „Hessen-Pass“, der vergünstigte Eintritte in Sporteinrichtungen für ökonomisch schwächer gestellte Familien erlaubt.

          Gute Bedingungen für den Leistungssport?

          Und die AfD? Sie hat lediglich zwei ausdrücklich sportpolitische Punkte in ihrem Wahlprogramm. Dazu gehören der größere Stellenwert von Sport an Kindergärten (den schon die SPD fordert) und die finanzielle Unterstützung für ländliche Sportanlagen und Schwimmbäder (ein Punkt, in dem parteiübergreifend Konsens herrscht). Ein alternatives Sportkonzept lässt sich nicht erkennen. Die Nachfrage, welche Rolle der Sport für die AfD einnehme und wie sie ihn fördern möchte, bleibt unbeantwortet.

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