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Bewegung für alle : Wie sich Parteien vor der hessischen Landtagswahl im Sport positionieren

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Was trotz der ehrgeizigen Ziele in der hessischen Sportpolitik bleibt, ist die Tatsache, dass einiges auf hohem Niveau läuft. Alleine im Leistungssport herrschen in Hessen verhältnismäßig gute bis sehr gute Bedingungen. Angefangen beim „Hessischen Weg“, der talentierte Athleten „von der Schule bis zur Olympiateilnahme“ unterstützt, so der Leiter des Olympiastützpunkts Hessen, Werner Schaefer. Neben Trainings- und Ernährungsberatungen bietet der Olympiastützpunkt eine „Laufbahnberatung“ an, die junge Sportler bei der Gestaltung ihres beruflichen Werdegangs begleitet.

An allen hessischen Universitäten existieren Profilquoten, die Plätze für Spitzensportler freihalten. Duale Karrieren sind seit vielen Jahren in Hessen durch die Polizeisportförderung möglich, und die Stiftung „Sporthilfe Hessen“ wurde vor 17 Jahren ins Leben gerufen – unter dem damaligen Innen- und Sportminister Volker Bouffier.

Sport ungeachtet sozialer Herkunft

Dennoch gibt es Nachholbedarf. Viele ländliche Kommunen sind von der Last der Sportstättensanierung belastet. Außerdem haben die Sportangebote an Kindertagesstätten und Schulen noch strukturelle Defizite. Nur fünf Prozent der hessischen Schulen sind gebundene Ganztagsschulen, ein Großteil bietet Sportangebote am Nachmittag auf freiwilliger Basis an. Dadurch nehmen aber nur die Schüler teil, die ohnehin sportbegeistert sind. Diejenigen, die eigentlich erreicht werden sollen, nämlich finanziell und sportlich benachteiligte Kinder, bleiben fern.

Die CDU hat viel für den Sport in Hessen getan. Mehr als 45 Millionen Euro werden jährlich vom Land für den Sport aufgewendet. Davon geht knapp die Hälfte an den Landessportbund, der wiederum 90 Prozent seines Budgets in die Instandhaltung der Sportstätten und Übungsleiterförderung investiert. Trotzdem ist es die SPD, die als einzige Partei eine echte sportpolitische Vision vorzuweisen hat – in Form von „Sport macht Schule“, ein Projekt, das Henning Harnisch, Europameister im Basketball von 1993, in Berlin erfolgreich getestet hat. Für ihn beginnt Sportpolitik nicht erst an Nachwuchsleistungszentren, sondern schon im Kindergarten.

„Ob Kinder Sport machen, ist zu oft an Zufälle gebunden, zum Beispiel ob die Familie sportaffin ist. Grundschullehrer beklagen immer häufiger, dass die Kinder motorische Probleme haben. Jetzt muss man fragen: Wie können alle Schulkinder rückwärtslaufend zur Schule gehen?“ Die Logik, die hinter dem Projekt steckt, erscheint simpel: Wenn Kinder mit unterschiedlichsten Sportarten sozialisiert werden, dann bleiben sie nicht nur gesund und erlernen soziale Kompetenz. Sie bleiben dem Sport auch treu. Deswegen müsse Sport dort gelebt werden, wo sich alle Kinder, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft, aufhalten: im Kindergarten und in der Schule.

Tägliche Sportstunde an Schulen?

Wenn die SPD in ihrem Wahlprogramm eine „aktive Sozialpolitik durch den Sport“ fordert, dann zeigt das: Nicht Harnisch hat sich die SPD ausgesucht, die SPD hat sich Harnisch ausgesucht – er selbst sieht sich und sein Projekt als überparteilich. Es hat sich an vielen Schulen gezeigt, dass Sport für Lernerfolge elementar ist. Weniger Konzentrationsschwächen und bessere motorische Fähigkeiten tragen zu geringeren gesundheitlichen Problemen bei.

„Sport muss dieselbe Bedeutung wie Kunst und Musik haben. Deswegen fordern wir die tägliche Sportstunde“, sagt Heinz Zielinski. Er ist Vizepräsident des Landessportbundes Hessen, verantwortlich für Schule und Bildung. Gerne spricht man dort über die Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg. Sie bietet seit 25 Jahren die tägliche Sportstunde an. Mit Erfolg, denn vor allem schwächere Schüler profitieren davon. Die Schule hat regionale Sportwettbewerbe gewonnen, und ihre Schüler schneiden auch im Klassenzimmer besser ab als die Konkurrenz.

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