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„Möchte am liebsten aufhören“ : „Beschämende“ Skyliners erzürnen Trainer Herbert

  • -Aktualisiert am

Die Hände zum Himmel: Skyliners-Trainer Herbert ist bedient Bild: Wonge Bergmann

Dem Höhenflug folgt der Absturz: Nach dem überraschenden Sieg im EuroCup unterliegen die Frankfurt Skyliners in der Basketball-Bundesliga der BG Göttingen. Der Trainer ist bedient - und denkt über seine Zukunft nach.

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          Die Skyliners-Spieler, die es auf die Schnelle nicht mitbekommen hatten, wurden vom aufgeregt agierenden Frankfurter Betreuerstab umgehend in die Mannschaftskabine zitiert. Am Sonntag nach der niederschmetternden 64:72-Heimniederlage in der Basketball-Bundesliga gegen Göttingen stand nicht wie gewohnt das Autogrammeschreiben der hessischen Profis an erster Stelle. Priorität besaß diesmal die Kabinenansprache von Cheftrainer Gordon Herbert, die in aller Deutlichkeit einer mächtigen Standpauke gleichkam. „Das war eines der schlechtesten Spiele, das ich als Trainer erlebt habe“, schimpfte der 59 Jahre alte Kanadier, der auf eine lange Karriere zurückblickt, im Anschluss an die Pressekonferenz. „Beschämend“ sei der Auftritt seiner Mannschaft in der Ballsporthalle gewesen. „Die Einstellung war fürchterlich.“

          Auch wenn Herbert sichtbar um Fassung rang und sich beim Publikum entschuldigte, seinen Rücktritt reichte er natürlich nicht ein. Doch der Spaß an seinem Job litt bei dieser Teamleistung gewaltig. „Ich bin alt genug, um mit Niederlagen umzugehen“, betonte er. „Aber nach einem solchen Spiel möchte ich am liebsten mit dem Coachen aufhören.“ Herbert äußert selten solch offene Worte.

          „Ein komplett anderes Team als am Mittwoch“

          Der Frankfurter Meistertrainer von 2004 wird mit der aktuellen Skyliners-Mannschaft nicht warm. Sie ist ihm ein Rätsel. Mit ihrer Wankelmütigkeit strapaziert sie sein Nervenkostüm und lässt ihn zusehends erschüttert zurück. „Das war heute ein komplett anderes Team als am Mittwoch“, sagte Herbert. Mitte der vergangenen Woche hatten die Frankfurter im EuroCup noch einen Überraschungserfolg beim litauischen Meisterschaftszweiten Rytas Vilnius gelandet. Dem internationalen Höhenflug folgte gegen Göttingen jedoch die krachende Bauchlandung im Alltagsgeschäft, weil die Skyliners bei ihrer Defensivarbeit die nötige Einstellung vermissen ließen.

          „Bei einigen Göttinger Spielern haben wir heute vergessen, dass sie gute Schützen sind und dass wir die Hände hätten oben haben sollen“, übte Akeem Vargas (10 Punkte) Selbstkritik. „Defensiv haben wir einiges falsch gemacht.“ Von 24 Distanzwürfen schlossen die Göttinger vor 4120 Zuschauern 13 erfolgreich ab. Vor allem die finalen drei in der Schlussphase des Spiels trafen die Skyliners ins Mark. Trotz ihrer vielen Unzulänglichkeiten hatten sie beim Stand von 58:60 immer noch eine Siegchance. Doch Quantez Robertson (8), Vargas und Trae Bell-Haynes (10) verschafften sich keine Dreiererfolgserlebnisse. Außerdem brachte Center Jonas Wohlfarth-Bottermann (3) zwei Freiwürfe nicht im Göttinger Korb unter. Der Frankfurter Abschluss war auf breiter Front ein Ärgernis. Nur 30 Prozent Wurfquote aus dem Zweipunktebereich und 28 Prozent aus der Distanz dokumentieren das Frankfurter Elend.

          Da fiel es nicht ins Gewicht, dass die Hessen, deren Topscorer Shawn Huff (14) war, am Ende 14 Würfe mehr als die Göttinger genommen hatten. Und dass der Sieger des Spiels mit 18 Ballverlusten doppelt so viele wie die Skyliners hatte, war bei der Endabrechnung ebenfalls nicht von Bedeutung. Das Gleiche galt für die 17 Offensivrebounds der Skyliners, Göttingen kam nur auf neun.

          „Das ist bitter“, sagte Vargas, der Neuzugang aus Berlin. Von Herbert bekamen die Spieler zu hören, dass sie „ein bisschen mehr Eier aufs Feld hätten packen“ müssen. So könnten die Frankfurter nicht spielen – das war das erschreckende Fazit von Herbert, vor dem noch viel Arbeit liegt. Eine Niederlage am Samstag in Oldenburg würde den Frankfurtern mit dann 2:6-Punkten einen Fehlstart bescheren. Und die Zweifel an seiner Mannschaft würden noch größer werden. Herbert wird von seinem Personal früh auf die Probe gestellt.

          Gießen 46ers obenauf

          Anders als die Frankfurt Skyliners liegen die Gießen 46ers derzeit gut im Rennen. Nach drei Siegen und einer Niederlage belegen sie Platz sechs, punktgleich mit Bonn und Göttingen. Am Wochenende gewannen die Spieler um Cheftrainer Ingo Freyer in Würzburg und kamen nach einer Heimniederlage wieder in die Erfolgsspur zurück. Die Frankfurter sind Elfter in der Tabelle. (thwi.)

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