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Beachhandballer Niklas Haupt : Terrier auf Sand

  • -Aktualisiert am

Bodenkampf um den Ball: Niklas Haupt (links) in seinem Element Bild: Imago

Debütant Niklas Haupt überzeugt bei der Europameisterschaft der Beachhandballer mit seiner aggressiven Spielweise. Die Trendsportart hat große Ambitionen.

          2 Min.

          Niklas Haupt hat erfolgreich auf Sand gebaut. Der 26 Jahre alte Student des Fachs Accounting and Finance spielt Handball: in Kelkheim in der Halle beim Oberligaklub TSG Münster – und auf Sand bei den Beachmopeten Oberursel. Am Strand ist Haupt ein Senkrechtstarter. Bei der Europameisterschaft im Beachhandball, die noch bis zum Sonntag in Varna in Bulgarien ausgetragen wird, steht er zum ersten Mal im Team der deutschen Nationalmannschaft. Am Mittwoch erreichte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) trotz einer 0:2-Niederlage gegen Russland die Hauptrunde, in der sie nun bis zu diesem Freitag ihrem Minimalziel hinterherjagt: dem Einzug ins Viertelfinale.

          Im vergangenen September hatte Bundestrainer Konrad Bansa Haupt als Reservespieler zu einem Kaderlehrgang eingeladen und war schnell überzeugt von dem Oberurseler. „Einsatz und Fitness“, sagt Haupt, seien die wichtigsten Argumente gewesen. Ein bisschen Understatement schwingt in der zurückhaltenden Selbsteinschätzung schon mit. Denn wer Haupt einmal auf Sand spielen gesehen hat, erkennt schnell dessen Qualitäten.

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          Im Angriff glänzt er als zuverlässiger Schütze und begeistert auch mit den beim Beachhandball üblichen Spinshots, bei denen der Schütze vor dem Wurf noch eine spektakuläre Pirouette über dem Sand dreht. In der Abwehr ist der Hesse ein Terrier, beeindruckt mit aggressiver Spielweise, die bei der Beach-Variante aber deutlich weniger mit Körperkontakt zu tun hat als in der Halle. Im Spiel gegen Russland setzte Bansa, der in Hessen noch als ehemaliger Torhüter und Trainer der TSG Münster und der HSG Frankfurt bekannt ist, den Allrounder nur in der Defensive ein.

          Im Angriff des Gegners galt es, einen Mann zu kontrollieren, der so etwas wie eine Ikone des Beachhandballs ist: den 34 Jahre alten Russen Roman Kalashnikov. Der wirbelt mit seinen verrückten Spinshots schon seit 17 Jahren die Beachhandballwelt schwindlig. Gegen das junge, mit vielen neuen Spieler besetzte Team von Deutschland kam er auf nur sechs Punkte. „Dafür haben dann eben andere getroffen“, sagt Haupt über den starken Gegner Russland, der die beiden Punkte aus Hälfte eins (19:17) und Hälfte zwei (18:16) nur sehr knapp sicherte und damit ein wenig glücklich 2:0 gegen die Deutschen gewann. Da die DHB-Auswahl tags zuvor aber die Niederlande besiegt hatte, zog sie trotz zweier verlorener Spiele in der vier Teams starken Vorrundengruppe D in die Hauptrunde ein, in der nun Kroatien, Polen und Schweden die Gegner sind.

          Für Haupt ist Beachhandball inzwischen viel mehr als das, was es für ihn einmal vor sechs, sieben Jahren war. „Da lag der Schwerpunkt noch viel mehr auf Fun“, sagt er. Der Spaß am Spiel sei zwar immer noch da, aber mit den feuchtfröhlichen Events aus den frühen Jahren habe das heute nichts mehr zu tun. „Wir sind extrem diszipliniert“, sagt er. Außer dem Hotel in der Innenstadt von Varna und dem Stadtstrand, auf dem die EM-Courts aufgebaut sind, habe er noch nichts gesehen. Schon gar nicht den ein paar Kilometer entfernt gelegenen Goldstrand, die Partyhochburg Bulgariens.

          Erst, wenn das Turnier vorbei sei, soll es ein Fest für die Spieler geben. Insgesamt habe sich die Szene sehr professionalisiert. Zu tun hat dies auch etwas mit den Olympia-Ambitionen der Trendsportart – auch wenn aus dem Traum, bei den Sommerspielen in Paris 2024 anzutreten, nichts wird.

          Dass er seinen Weg in die Nationalmannschaft so schnell gefunden hat, liegt vielleicht auch daran, dass neben dem Oberurseler noch zwei weitere Hessen im Team von Bundestrainer Bansa aktiv sind: Stefan Mollath und Sebastian Jacobi. Beide spielen in der Halle für den gleichen Verein wie Haupt: für die TSG Münster. Auf Sand gehen die beiden für „Beach & da Gang“ an den Start. Das ist die sandige Abteilung der TSG Münster.

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