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Basketballer aus Haiti : Erschüttert vom Leid in der Heimat

Ihr Alltag, der sportliche, der berufliche und auch der private, ist im wahren Wortsinne erschüttert worden: Dominik (links) und David Duciervil aus Haiti in Kronberg Bild: Wonge Bergmann

David und Dominik Duclervil sind fröhliche, junge Männer – und gute Basketballer, wie ihr Trainer Milo Crnjak sagt. Doch derzeit dreht sich ihr Alltag weniger um Korb und Ball als im Haiti - ihre Heimat. Sie versuchen, ihren Verwandten zu helfen.

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          Eigentlich sind David und Dominik Duclervil fröhliche, junge Männer – „ganz tolle Jungs“, wie ihr Trainer Milo Crnjak sagt. David und Dominik spielen beim MTV Kronberg Basketball, David in der Regionalliga, Dominik in der zweiten Mannschaft in der Oberliga. Und beide sind nicht nur tolle Jungs, sondern auch gute Spieler – sonst hätte sie der wählerische Crnjak auch nicht kurz vor dieser Saison in seine Mannschaften aufgenommen. Doch der Basketball wird für die beiden wohl zuerst einmal ruhen.

          Ihr Alltag, der sportliche, der berufliche und auch der private, ist im wahren Wortsinne erschüttert worden. Den Tag, an dem die Erde bebte, werden die beiden wohl nie vergessen. Es war der 13. Januar, als die Insel Haiti von einem verheerenden Erdstoß erschüttert wurde. David und Dominik waren zuhause in Frankfurt und in Taunusstein, als das Beben der Stärke 7,0 in der Heimat ihres Vaters, der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince, sechs ihrer Familienmitglieder umbrachte. Seitdem widmen sich die beiden hauptsächlich einem Projekt: den rund dreißig überlebenden Familienmitgliedern und auch den anderen Menschen auf der Karibikinsel zu helfen.

          Sechs Verwandte verloren

          Wie sehr dieses Erdbeben die Familie erschüttern würde, war den in Deutschland lebenden Verwandten zunächst nicht ganz klar. „Es gab ja auch schon vorher viele Erdbeben auf der Insel“, erzählt Dominik Duclervil, der in den Fernsehnachrichten von der Naturkatastrophe erfahren hatte. Nach und nach wurde die schreckliche Wahrheit aber klar: Sechs Verschüttete gab es in einem der drei in nächster Nachbarschaft gelegenen Häusern in Port- au-Prince. „Zunächst hieß es, sie seien alle am Leben“, berichtet Dominik. Aber dann stellte sich die Nachricht als falsch heraus: Tante Raymonde Augustin (75 Jahre), Tante Jaqueline Emile (65), Jocelyne Pierre (45), der kleine Cousin Olivier (3), und Cousine Sebastienne (5), waren getötet worden. Am Tag danach wurde als Letzter der sechs Verschütteten Jean-Mark tot geborgen. Der Junge hätte am Tag darauf seinen 14. Geburtstag feiern sollen.

          Fassungslos schauten die Duclervils in Hessen auf das grausame Schicksal, das ihre Angehörigen erleiden mussten. Dr. Christian Duclervil, der Vater von David und Dominik, ist Chirurg und arbeitet am Herz Jesu Krankenhaus in Dernbach. Der Mediziner ergriff sofort die Initiative und schloss sich einem Ärzteteam von International Search and Rescue an, einer weltweit anerkannten Organisation, in der Rettungsspezialisten aus verschiedenen Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Mediziner zusammenarbeiten. Acht Tage war Christian Duclervil fort. Erst vor kurzem kam er von seinem Einsatz zurück. „Er hat sehr gelitten“, beschreibt David das, was sein Vater in Port- au-Prince erlebt hat. Eigentlich kenne er dort jeden Winkel, „aber durch das Erdbeben ist dort kein Stein auf dem anderen geblieben, so dass er sich kaum noch zurecht gefunden hat“.

          Privater Hilfskonvoi unterwegs

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