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Basketball : Lähmende Angst vor der eigenen Courage

  • -Aktualisiert am

Mario Kasun hängt sich rein, doch die Skyliners verlieren das erste Finale Bild: dpa/dpaweb

Die Westtribüne der Ballsporthalle war fest in fränkischer Hand. Blau-weiße Fahnen wehten, 1500 Bamberger Basketballfans veranstalteten ein Spektakel, das sich hören und sehen lassen konnte.

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          Die Westtribüne der Ballsporthalle war fest in fränkischer Hand. Blau-weiße Fahnen wehten, 1500 Bamberger Basketballfans veranstalteten ein Spektakel, das sich hören und sehen lassen konnte. "Alba-Killer" stand als gar nicht dezenter Hinweis aufs Halbfinale auf großen Spruchbändern, die die Anhänger in die Höhe reckten. Mit Trommel, Rasseln und Tröten machten sie einen ordentlichen Lärm. Nun schickt sich der GHP Bamberg auch noch an, zum "Skyliners-Killer" zu werden. 76:71 bezwang das Team von Trainer Dirk Bauermann die Frankfurter am Pfingstsonntag im ersten Spiel der nach dem "Best of five"-Modus ausgetragenen Endspielserie. Ein für die Skyliners mehr als enttäuschendes Resultat. Fast die gesamte Spielzeit hatten die Hessen die Partie im Griff, mußten den Gegner aber in der hektischen Schlußphase dann doch noch an sich vorbeiziehen lassen.

          Es wird schwer für die Skyliners und deren Trainer Gordon Herbert, sich an diesem Donnerstag beim zweiten Finalspiel in Bamberg für die ärgerliche Niederlage zu revanchieren. In den entscheidenden Momenten des Spiels verstanden es die Profis des GHP jedenfalls wesentlich besser, mit ihrer zupackenden Art der Begegnung eine Wende zu geben. Diese handfeste Art des Basketballs behagte nicht jedem. Vor allem Herbert nicht. Der sonst eher stille Kanadier war nach dem Ende der Begegnung wütend zu den Unparteiischen gerannt und hatte lautstark und gestikulierend auf sie eingeredet. "Mir hat die gesamte Leistung des Schiedsgerichts nicht gefallen", sagte er nach seinem ungewohnt temperamentvollen Auftritt. Er habe sich "ganz allgemein" beschweren wollen. Auch Skyliners-Manager Gunnar Wöbke wählte mit Blick auf die Hektik der Begegnung allerhand kritische Worte. "Das hatte nicht viel mit Basketball zu tun, das war ein reines Gekloppe." Dabei waren die Voraussetzungen für einen Auftakterfolg in der Finalserie durchaus beachtlich gewesen; die Ballsporthalle war trotz des Bilderbuchwetters ausverkauft, und auch die heimischen Fans waren bester Stimmung.

          Doch es gab auch andere Gründe für die Frankfurter Auftaktniederlage als die Aufregungen der letzten Spielminuten. Mehrere Spieler in den Frankfurter Reihen wurden den hohen Ansprüchen des ersten Finals überhaupt nicht gerecht; Robert Garrett war einer von ihnen. Drei Punkte holte er bei insgesamt sechs Freiwürfen heraus. Seine Quote vom Feld: null Prozent. Oder Malik Badiane. Der Senegalese ist ansonsten als Rebound-König der Skyliners bekannt. Gegen Bamberg begnügte er sich jedoch mit nur fünf Rebounds und bei Würfen vom Feld mit einer ebenso beeindruckenden Quote wie sein Kollege Garrett: null Prozent. Trainer Herbert, von seinem Naturell her eher ein diplomatischer Mensch, kritisierte ganz allgemein seine Spieler "von der Bank" - also jene, die nicht in der Startformation standen. 36 Punkte hatten die Bamberger Spieler aus der zweiten Reihe erzielt, die von der Frankfurter Bank nur drei. Beste Frankfurter Korbschützen waren Mario Kasun und Chris Williams, die auf jeweils achtzehn Punkte kamen. Erfolgreichster "Bankdrücker" der Begegnung war Derrick Taylor. Vierzig Jahre alt ist der Bamberger Profi. In der Ballsporthalle spielte Taylor vor allem in der Schlußphase eine entscheidende Rolle und machte in den finalen fünf Minuten sieben Punkte. "Es war ein Sieg der Erfahrung", sagte der Bamberger Trainer Dirk Bauermann.

          Sicherlich spielten auch andere Dinge eine Rolle als nur der Erfahrungsvorsprung, den Bamberg vor dem jungen Frankfurter Team fraglos hat. Vermutlich werden sich die Skyliners nicht ein zweites Mal so "überfahren" lassen. "Töricht und naiv" wäre es, schon jetzt zu glauben, daß seine Mannschaft den entscheidenden Schritt gemacht habe, warnte Bauermann. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sei es trotzdem gewesen. Und sicher war es nicht nur Höflichkeit, die den Bamberger Coach dazu bewog, den Gegner zu loben: "Mannschaften dieser Art gehen gestärkt aus solchen Niederlagen hervor." Darauf hoffen natürlich auch die Skyliners. Pascal Roller, der Frankfurter Kapitän, wirkte nach der bitteren Niederlage geknickt. Der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit habe den Skyliners gefehlt, sagte Roller. "Vielleicht hatten wir Angst vorm Gewinnen."

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