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Basketball-Bundesliga : Gießen sortiert sich neu

  • -Aktualisiert am

Strategiewechsel: Die Gießen 46ers um Stephen Brown (links) arbeiten an ihrer Zukunft. Bild: Imago

Bei den 46ers bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Der personelle Umbruch wird auf allen Ebenen vorangetrieben. Doch insbesondere ist die Geschäftsstelle des Basketball-Klubs betroffen.

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          Die Personalfluktuation bei den Gießen 46ers ist weiterhin hoch. Der Basketball-Bundesligaklub kündigte am Montag an, die Zusammenarbeit mit seinem Geschäftsführer Finanzen, Philipp Reuner, spätestens zum 30. September dieses Jahres zu beenden. Die Gespräche zwischen beiden Parteien laufen. Das Arbeitsverhältnis mit den 46ers gekündigt hat unterdessen der Prokurist Sebastian Jung. Als Geschäftsführer Marketing und Vertrieb hatte sich Ende Februar schon Heiko Schelberg verabschiedet, der über Jahre hinweg der starke Mann in Gießen gewesen war.

          Der Traditionsverein strebt nun umfänglich die Neuorganisation seiner Geschäftsstelle an. Den wichtigsten Pflock auf Personalebene haben die Gießener mit dem ehemaligen Europameister Michael Koch schon eingeschlagen, der am 1. März als Geschäftsführer gekommen war und mit dessen Arbeit die Gesellschafter sehr zufrieden sind. Als prominentes „Gesicht“ der 46ers soll um ihn herum der neue Apparat aufgebaut werden. Einer, der schlanker ist, dessen „Schlagkraft und Zukunftsfähigkeit“ aber dennoch groß sein soll.

          Wie aus Gesellschafterkreisen der Gießener zu hören ist, soll der Etat in dieser Saison ein Minus im unteren sechsstelligen Bereich aufweisen. Auch in der Vorsaison gab es offenbar bereits ein Defizit in niedriger sechsstelliger Höhe, wobei das aktuelle im Vergleich etwas höher liegt. Aber existenzgefährdend, so heißt es, sind die Budgetlücken jeweils nicht, eine Insolvenzgefahr bestehe nicht. Gleichwohl machen sich die Gesellschafter Sorgen um das vorhandene Eigenkapital, wenn in den kommenden Jahren so weitergewirtschaftet werden würde. Deshalb haben sie jetzt aus ihrer Sicht die Notbremse gezogen und zu weiteren Maßnahmen gegriffen. „Wir sind finanziell nach wie vor gesund – aber wir wollen es auch bleiben“, ist das Leitmotiv der Gesellschafter.

          Zu strafrechtlichen Handlungen ist es auch nach ihrer Überzeugung nicht gekommen. Unstrittig ist darüber hinaus, dass die nennenswerten Umsatzsteigerungen in den vergangenen Jahren das Verdienst von Schelberg waren. Allerdings, und da scheint die Kritik an seiner Arbeit anzusetzen, sei davon dann zu wenig im sportlichen Bereich angekommen. Die Rede ist von einem aufgeblähten und zu kostenintensiven Verwaltungsapparat. Von zu wenig Sparsamkeit. Und von Mängeln in der Kostenveranschlagung. Zwei Gesellschafter als Bevollmächtigte des Aufsichtsrates sollen aktuell auf ehrenamtlicher Basis jeden Stein bei den 46ers umdrehen, deren Etat in dieser Runde auf 3,5 Millionen Euro geschätzt wird. Dabei sind sie scheinbar auch auf Vorgänge gestoßen, die ihrer Einschätzung zufolge betriebswirtschaftlich nur wenig Sinn machen. Aufgrund der Häufung von Beanstandungen und dem Auftreten von immer mehr „Baustellen“ sind die Gesellschafter nun zu dem Ergebnis gekommen, dass der Weggang von Schelberg allein die von ihnen ausgemachten Probleme nicht lösen würde. Reuner und Schelberg äußerten sich am Dienstag nicht zu der Sache. Ob Koch in Zukunft einen weiteren Geschäftsführer, einen Prokuristen oder einen kaufmännischen Leiter an die Seite gestellt bekommt, haben die Gießener noch nicht entschieden.

          Am Finalturnier der Basketball-Bundesliga (BBL) nehmen die 46ers als einer von sieben Klubs nicht teil. Der Verzicht erleichtert die notwendigen Sparmaßnahmen. Wie bei vielen anderen Vereinen in Zeiten der Corona-Pandemie wird sich wahrscheinlich auch der Etat der 46ers in der neuen Saison reduzieren. Auch das ist ein Grund, warum mit dem Weggang des Centers und ehemaligen BBL-Toprebounders John Bryant gerechnet wird.

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