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Final Four im Badminton : Nach der Sensation jetzt die Zugabe

  • -Aktualisiert am

Die Chancen auf den Finaleinzug stehen „fifty-fifty“: Sagt der Abteilungsleiter der Dortelweiler Badmintonspieler. Bild: REUTERS

Im Final Four der Badminton-Bundesliga ist der SV Fun-Ball Dortelweil nur Außenseiter. Doch der Aufsteiger hat in dieser Saison schon Großes geleistet. Er hat das Zeug zum Favoritensturz.

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          Beachtlich ist es, wenn eine Mannschaft sich im Laufe einer Saison sportlich prima entwickelt. Aufsehenerregender ist es, wenn diese Mannschaft dermaßen über sich hinauswächst, dass die Konkurrenten und Zuschauer von Monat zu Monat mehr staunen und der Respekt vor der Leistung stetig steigt. Geradezu spektakulär wird die ganze Sache, wenn diese Mannschaft sich dabei selbst überrascht und so unglaublich erfolgreich spielt, dass sie plötzlich von einem Titel träumen darf. Womit wir bei einem Klub aus der Wetterau wären, der einen ziemlich lustigen Namen trägt und in der Badmintonszene inzwischen eine gewisse Prominenz genießt.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          SV Fun-Ball Dortelweil heißt dieser Verein, seine erste Mannschaft spielt gewöhnlich in der Sporthalle der Europäischen Schule in Bad Vilbel. An diesem Freitag jedoch treten die Männer und Frauen in Stuttgart an, in der traditionsreichen Schleyer-Halle, die schon viel sportliches Rambazamba erlebt hat und nun Austragungsort des Final Four der Badminton-Bundesliga ist. Dass die Dortelweiler dazugehören, darf getrost als Sensation bezeichnet werden. Im Halbfinale treffen sie auf den aktuellen Meister 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim, der die Punkterunde als Dritter abschloss und sich über den Umweg Playoffs für die Runde der letzten vier qualifiziert hat.

          Jahrelang waren die Wetterauer so etwas wie eine Fahrstuhlmannschaft: zu stark für Liga zwei, zu schwach für Liga eins. Nur glückliche Umstände führten gelegentlich dazu, dass sich Dortelweil in der höchsten Klasse halten konnte. Doch nun, in der fünften Erstligasaison seit dem ersten Mal 2013/2014, trumpft der SV Fun-Ball groß auf.

          „Nicht zu erträumen gewagt“

          Das Team beendete die Punktspielrunde als Tabellenzweiter und qualifizierte sich damit neben Tabellenführer und Topfavorit 1. BC Wipperfeld, der am Freitag im zweiten Halbfinale auf den SC Union Lüdinghausen trifft, direkt für das Finale der besten vier Mannschaften. „Dass es so gut läuft, hätten wir uns nicht zu erträumen gewagt“, sagt Klaus Rotter, der in Dortelweil die Badmintonabteilung mit ihren rund 500 Mitgliedern leitet und auch für die Bundesligaauswahl zuständig ist: „Was jetzt kommt, ist Zugabe.“

          Dass die Ziele vor der Saison eher bescheiden waren – frühzeitig den Klassenverbleib sichern und sich danach möglichst auch mal für einen längeren Zeitraum in der ersten Liga festsetzen – lag nicht zuletzt an den Umständen des Aufstiegs. Coronabedingt wurde die vorangegangene Badmintonsaison abgebrochen, und deshalb wurde eine Zeitlang diskutiert, ob es überhaupt einen Aufsteiger in die erste Liga geben sollte. Der Ligaausschuss entschied sich letztlich dafür, elf statt zehn Mannschaften zuzulassen. Die Glücklichen waren die Dortelweiler, die in Klasse zwei zu jenem Zeitpunkt mit Abstand am besten dastanden. Die Crux: Die Entscheidung über die Aufstockung der ersten Liga fiel so spät, dass die etablierten Mannschaften ihren Kader schon beisammen hatten und nicht mehr viele Topspieler aus Deutschland und anderen Nationen verfügbar waren.

          Mit Glück, Geschick und persönlichen Beziehungen vor allem des Mannschaftsführers Kai Schäfer bekam der SC Fun-Ball eine überraschend schlagfertige Gruppe zusammen. Junge deutsche Spieler, die sich beweisen wollen, bilden mit erfahrenen Kräften aus dem Ausland eine gute Mischung. Als Coup entpuppte sich vor allem die Verpflichtung der Amerikanerin Iris Wang. Die 27 Jahre alte Kalifornierin, Olympiateilnehmerin in Rio 2016 und unter den Top 30 der Welt platziert, gewann in der Punktspielrunde alle ihre 15 Matches. „Eine super sympathische Person mit null Starallüren“, sagt Rotter. Und eine Frau mit Ehrgeiz: Sie gab im Gegensatz zur offiziellen Linie die Playoff-Teilnahme als ihr Saisonziel aus.

          Dass die starke Spielzeit des Aufsteigers mit dem Meistertitel gekrönt wird, ist eher unwahrscheinlich. Gegen Halbfinalgegner Bischmisheim haben die Dortelweiler in der Punkterunde 5:2 gewonnen und 3:4 verloren. „Nun stehen die Chancen fifty-fifty“, sagt Abteilungsleiter Rotter. An so eine ausgeglichene Prognose hätte er zu Saisonbeginn wohl selbst nicht geglaubt.

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