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Über Stock und Wolkenkratzer : Die Freerunning-Firma

  • -Aktualisiert am

Wolkenkratzer: Die Frankfurter Skyline steht für Freerunner Pascal Kopf. Bild: Max Kesberger

Sie hechten, springen, rollen sich ab: Freerunning ist eine Mischung aus Sport und Kunst. Drei junge Männer aus Frankfurt treiben mit ihrer Stadt ein leichtfüßiges Spiel und machen ihren Traum zum Beruf

          4 Min.

          Hoch springen, weit springen, präzise springen, an Wänden kleben, über Hindernisse hechten, landen, abrollen, aufrappeln, wieder losrennen - alles in flüssigen Bewegungen. Auf einem Parkdeck an der Hauptwache, mitten in der Frankfurter City. Eine ideale Spielwiese für Pascal, Enis und Julian. Wo andere nur ihre Autos abstellen, machen sie sich ihre Umgebung mit Turnschuhen an den Füßen kreativ zu eigen. Wie in einem „Jump’n’Run“-Videospiel, in dem sich ein Held springend und rennend durch die Welten schlägt. Und mit Einbeziehung der benachbarten Dächer. Mit Blick auf die Skyline. Mit Blick von der Kante in den Abgrund.

          Daniel springt vom Parkdeck in die Tiefe, dass einem der Atem stockt, obwohl man den Jungs ansieht, dass sie ihr Hand- und Fußwerk verstehen. Dass sie nicht mit ihrem Leben spielen, sondern mit ihrer Stadt. Geschmeidig landet Julian auf dem Kamin eines tiefer liegenden Gebäudes.

          Das Treppenhaus benutzen ohne die Treppe zu nehmen

          Die drei Athleten Pascal Bueb, Julian Würzler und Enis Maslic sind Freerunner. Freerunning ist: das Treppenhaus benutzen, ohne die Treppe zu nehmen. Auf der Mauer anstatt auf dem Bürgersteig gehen. Geländer, Gerüste, Garagen. Bänke, Bäume, Bauzäune. Sie blicken auf Frankfurt wie kaum ein anderer. Mit ihren „Parkour-Augen“, wie sie sagen. Freerunning ist eine Mischung aus Sport und Kunst, ist die Weiterentwicklung von Parkour, die Kunst, sich im urbanen Raum schnell und effizient von A nach B zu bewegen. Die Freerunner wollen auch von A nach B. Doch haben sie aus allen möglichen Disziplinen Anleihen genommen, akrobatische Elemente aus dem Kunstturnen oder Kampfsport eingefügt und die Stilformen der Bewegung weiter vermischt, vermengt, verästelt.

          Im Schlepptau haben die Profis ein paar Nachwuchsathleten. Die schauen zu, wie die drei auf dem betonierten Hauptwachenareal mit seinen vielen Stufen und Kanten ihre Sprünge machen. Und sie staunen, als das Trio dann das Parkdeck zum Spielplatz macht, den Schnörkel zelebriert, Salto, Schraube, Flickflack.

          WG-und Geschäftspartner: Pascal Bueb, Julian Würzler und Enis Maslic
          WG-und Geschäftspartner: Pascal Bueb, Julian Würzler und Enis Maslic : Bild: Max Kesberger

          Enis und Pascal sitzen in ihrem Büro im ersten Stock eines Mietshauses im Stadtteil Nieder-Eschbach. Es ist Büro und Freerunner-WG zugleich. Großflächige Schreibtischlandschaft, Laptops, Bildschirme. Eine Klimmzugstange klemmt in einer Tür, eine Langhantel liegt auf dem Boden, ein Haufen Sneakers der Athleten unter einem Dach türmt sich neben der Eingangstür. Enis und Pascal haben sich schon vor einer Weile ihren Traum erfüllt, von Freerunning leben zu können, ohne diese Freiheit, ohne dieses Lebensgefühl aufzugeben.

          Aus der Szene schlägt ihnen zwar häufig Kritik entgegen: Sie würden mit ihrer kommerziellen Herangehensweise die reine Lehre der Disziplin verraten. „Aber ich kann nichts Verwerfliches an unserem Tun entdecken“, sagt Pascal. Mit dem Team Ashigaru haben sie es noch mehreren anderen Topathleten ermöglicht, „von dem zu leben, was sie lieben“, wie Enis sagt. Die wohnen zwar in Berlin, Köln, Kassel, Karlsruhe und Stuttgart, aber man sieht sich häufig, die Szene ist überschaubar. Zumal in Frankfurt die Drähte des Teams zusammenlaufen, dort werden die Aufträge gesichtet, und von dort schwärmen sie aus zu den Shows, Drehs und Stunts.

          Auf der großen Tafel im Büro steht, was es für die WG braucht („Neonröhre“, „Klobürste“) und was demnächst für das Team oder einzelne Athleten ansteht („Auftritt Sony planen“, „Rechnung Adidas Barcelona abschicken“). Sie sind gut im Geschäft. Aus einem erfüllten Auftrag entstünden zwei neue. So geht das schon seit Jahren.

          Sie machen Parkour seitdem sie 15 sind

          Enis und Pascal gehörten zu den Parkour-Pionieren hierzulande. Seitdem sie 15 Jahre alt sind, trainieren sie beharrlich. In der Schule hätten sie sich „so durchgemogelt“, erzählt Enis, weil sie in Gedanken nur bei den Sprüngen und Läufen des nachmittäglichen Trainings gewesen wären. Ihre Videos klickten sich gut auf den einschlägigen Internetseiten - Youtube quoll damals schier über vor unzähligen Parkour-Clips - und sie beschlossen, ein Team zu gründen.

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