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Über Stock und Wolkenkratzer : Die Freerunning-Firma

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Flugshow mit Julian an der Hauptwache in Frankfurt
Flugshow mit Julian an der Hauptwache in Frankfurt : Bild: Max Kesberger

Ashigaru bedeutet: leichtfüßig. „Es sollte wie Kamikaze klingen, weil wir auf alle Regeln gepfiffen haben“, sagt Enis, der eine Ausbildung zum Sportökonomen abgeschlossen hat. Pascal hat Graphikdesigner gelernt. Das half dabei, Ashigaru von einem losen Zusammenschluss zu einem kleinen Start-up-Unternehmen zu entwickeln. Und weil sie mit ihrem Können den Zeitgeist trafen, flatterten bald auch große Aufträge rein: Adidas, BMW, Reebok, Red Bull und so weiter. „Wir sind mit und während dieses Prozesses erwachsen geworden“, sagt Enis.

Dank ihrer sportlichen Klasse und der geschickten Vermarktung ihres Könnens haben es die beiden mit ihren je 26 Jahren heute quasi zu „elder statesmen“ des Freerunnings gebracht. „Wir lassen immer häufiger die Jungen rennen“, sagt Pascal. Bei Kaufhauseröffnungen oder Auftritten bei Messen zum Beispiel, wenn die Ashigaru-Athleten ihr spektakuläres Können zwischen aufgetürmten Kisten und Stangen zeigen, lassen sie gerne die Jüngeren ran. „Aber natürlich bleiben wir auf hohem Niveau aktiv“, sagt Enis, der gebürtiger Darmstädter ist.

Die Ashigaru-Jungs haben mit ihren Bewegungen schon real im Studio Pate gestanden für einige Computerspiel-Helden. Ein großes Ding war beispielsweise der im Vorjahr in die Kinos gekommene Trickfilm „Tarzan“. Der im Film erst kindliche, dann heranwachsende und letztlich erwachsene Tarzan springt, rennt, hangelt, rollt nach exakt den Bewegungen von Enis und Pascal. In einer Halle mit Großrechnern seien sie am ganzen Körper verkabelt und mit Reflektoren beklebt worden und hätten sich dann vor Dutzenden Kameras „austoben dürfen“, erzählt Enis. „Das war cool, als ich im Kino saß, und wir als Tarzan durch die Film-Landschaft geturnt sind“, sagt Pascal.

Ihre Freiheit behalten, nicht nur von Auftrag zu Auftrag denken, kreativ bleiben und neugierig - das ist ihnen wichtig. Einen mittelgroßen Polizeieinsatz lösten vier Ashigaru-Jungs aus, als sie das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank - damals noch Baustelle - bestiegen. Nicht dem Trend Waghalsiger („Roofing“) folgend, die mit dem Aufzug hochfahren und nur auf den Kick aus sind, oben an der Dachkante zu stehen. Nein, sie seien an der Fassade emporgekraxelt, sagt Enis.

Mit ihren Laptops können sie von überall aus in der Welt arbeiten. Sie würden sich einige Monate im Jahr aber auch bewusst die Freiheit nehmen, unlukrative Dinge zu tun. „Mal einen Monat lang verschwinden“, sagt Pascal. Ohne große Planung vorher. „Je mehr du planst, desto mehr kann schieflaufen“, sagt Enis schmunzelnd. Neulich erst waren sie für einige Wochen in der Türkei und Griechenland. Durch die Städte streifen und über Land fahren, um die Welt dort mit Parkour-Augen zu erfassen. Ursprünglich wollte Pascal vor allem seine Eltern besuchen, die an der Ägäisküste in Izmir wohnen. Ehe er sich versah, war die spontane Reisegruppe auf acht Freerunner und zwei Kameraleute angewachsen - und seine Eltern schauten nicht schlecht, als er mit der Truppe vor der Tür stand.

Aber zu Bürozeiten kann es auch mal vorkommen, dass sie in der WG dank zahlloser Energydrinks die Nächte durcharbeiten, Anfragen bearbeiten, Termine koordinieren, Konzepte schreiben für die nächsten Auftritte. Zweimal je Woche geben sie in Frankfurt Workshops in Parkour und Freerunning für 12- bis 18-Jährige. Sie sind Vorbilder, Idole, Freerunning-Halbgötter für die Kids. Sie wollen die neue Generation ihres Fachs sehen. Und sie lehren, dass das, was die Jungen in den Videos und Spots sehen auf Tausenden von Kniebeugen und Liegestützen beruht. Tarzan sein und von Dächern springen, das komme dann später.

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