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Anderson Lucoqui von Mainz 05 : Ein Neuer mit Taktgefühl

  • -Aktualisiert am

Da geht es lang: Anderson Lucoqui ist neu bei Mainz 05. Bild: Jan Huebner

Anderson Lucoqui ist nicht nur Fußballprofi, sondern auch Musiker. Im Moment ruht sein liebstes Hobby allerdings, denn der Neuzugang kämpft vor der Saison bei Mainz 05 um einen Stammplatz.

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          Man kann nicht behaupten, Anderson Lucoqui habe einen eng begrenzten Interessenhorizont. Nach dem Abitur hätte er sich ein Architektur- oder Sportmanagement- oder Musikstudium vorstellen können, sagt er. Und überhaupt, die Musik: Sie nimmt einen wichtigen Platz im Leben des im pfälzischen Zweibrücken geborenen 24-Jährigen ein. „Als Ruhepol, um runterzukommen“, hört er nicht nur, was andere produziert haben, sondern Lucoqui schreibt, komponiert und singt auch eigene Stücke, einige hat er bereits auf Youtube veröffentlicht. „Andere spielen Playstation, ich mache Musik“, sagt er. Und, bei aller Verschiedenheit der Geschmäcker, das Zeug ist gut.

          Bundesliga

          Doch die Musik ist ein Hobby geblieben, und fürs Studium hatte er keine Zeit. Denn Anderson Lucoqui ging seinen Weg in den Profifußball. In der Jugend bei Bayer Leverkusen und beim 1. FC Köln, kam er über Fortuna Düsseldorf zu Arminia Bielefeld, stieg mit den Ostwestfalen in die erste Liga auf und wechselte nach drei Jahren auf der Alm zum FSV Mainz 05. Bei den Rheinhessen ist er mit dem vorige Saison an Dynamo Dresden ausgeliehenen Jonathan Meier einer von zwei Kandidaten, um den überraschend abgewanderten Phillipp Mwene auf der Linksverteidigerposition zu ersetzen.

          Der Kontakt zu den 05ern sei erst zustande gekommen, als die Stelle bereits vakant war, sagt Lucoqui. „Ich wusste, wie meine Chancen sind, den nächsten Schritt zu machen“ – einen Schritt, zu dem es gehört, möglichst oft auf dem Platz zu stehen. Inzwischen habe er ein Alter erreicht, in dem es nicht mehr erstrebenswert sei, auf der Bank zu sitzen, lässt er durchblicken. Empfehlen will er sich in der Vorbereitung, die nach einer Woche Pause am nächsten Montag fortgesetzt wird, von Dienstag an acht Tage lang im Trainingslager im österreichischen Bad Häring, zunächst mit seiner Mentalität, seinen athletischen Voraussetzungen und seiner Zweikampfführung.

          „Die Musik liegt gerade im Keller“

          „Ich gebe immer 100 Prozent“, sagt er, „und in Spielen, in denen es nicht gut läuft, möchte ich die Mannschaft motivieren. Ich bin mir für nix zu schade.“ Schon gar nicht für andere Positionen als die hinten links. „Wo man eingesetzt wird, sollte kein Wunschkonzert sein.“ Hinten links entspreche zwar am ehesten seinen Vorstellungen, „aber wenn ich Torwart spielen soll, spiele ich Torwart ...“

          Mainz 05 betrachtet der Neuzugang nicht nur als Station, bei der er einen Stammplatz ergattern will. Er sieht vielmehr auch die Chance, sich weiterzuentwickeln. „Die Voraussetzungen, mich zu optimieren, sind hier sehr gut“, verweist er vor allem auf das von Trainer Bo Svensson präferierte System mit Dreier-Abwehrkette. Abgesehen davon, dass ihn die ungezwungene Art des Coachs überzeugt habe („Ich hatte sofort das Gefühl, dass wir auf einer Wellenlänge sind“), sei die Spielweise des Dänen ein wichtiges Argument für einen Wechsel gewesen. „In Bielefeld musste ich vor allem defensiv denken, der nächste Schritt ist, gezwungen zu werden, offensiver zu arbeiten. Dadurch ändert sich mein Denken, und ich werde vielseitiger.“

          Sein erstes Bundesligajahr sei von vielen Aufs und Abs geprägt gewesen, erzählt Lucoqui. Sowohl für die Mannschaft – wie die 05er kämpfte auch die Arminia lange und letztlich erfolgreich gegen den Abstieg – als auch für ihn persönlich. Bis zum elften Spieltag gehörte er fast immer der ersten Elf an, danach war er eine Weile lang Ergänzungsspieler oder saß auf der Tribüne. „Ich fand es trotzdem auch für mich ein erfolgreiches Jahr, weil ich mit den Rückschlägen gut umgegangen und zurückgekommen bin“, sagt er.

          In seiner Freizeit lernt der Mainzer Neuzugang übrigens seit einiger Zeit Klavier, öffentlich ausleben will er sein Hobby jedoch vorerst nicht mehr. „Die Musik liegt gerade im Keller“, berichtet er. Er wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, sich nicht genügend auf seinen Beruf zu konzentrieren. „Deshalb lasse ich die Musik ruhen. Erst wenn alle sagen, dass ich es als Fußballer geschafft habe, geht es weiter.“

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