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Albtraum für Radprofi Rutsch : „Und dann passiert diese dumme Sache“

  • -Aktualisiert am

Auf ausreichend Verpflegung achten musste Jonas Rutsch auch bei der Tour Down Under: Eine Regenjacke brauchte er in Australien jedoch nicht. Bild: Picture-Alliance

Radprofi Jonas Rutsch steht kurz vor dem größten Moment seiner noch jungen Karriere. Doch dann kommt alles anders. Im Mittelpunkt des Dramas steht seine Regenjacke.

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          Zwischen Stolz und Niedergeschlagenheit lagen nur ein paar Tritte. Wie ein echter Niederschlag fühlt es sich für Jonas Rutsch an, als er, just als sich der größte Auftritt seiner jungen Profikarriere anbahnte, in Slapstick-Manier alle Chancen einbüßte. Und schuld daran war ein Stück Stoff. Doch der Reihe nach: Der Radprofi aus Erbach hatte es in die Formation seines Teams EF für das Eröffnungswochenende der Klassiker-Saison geschafft. Omloop Het Nieuwsblad, 200 Kilometer lang von Gent nach Ninove, empfing die Profis am Samstag mit Bedingungen, die die knüppelharte Kopfsteinpflaster-Hatz noch erschwerten: Kälte, Regen, Wind – und von allem reichlich.

          Auf dem Weg zur „Riesenüberraschung“

          Rutsch war in Regenjacke unterwegs, und wie er unterwegs war. Zu dieser Saison erst hat der Hesse den Sprung aus dem U-23-Lager ins Profigeschäft zu seiner amerikanischen Mannschaft geschafft. Und in seinem ersten Klassiker-Einsatz bei den „Erwachsenen“ bewies er direkt Reife und Riecher, indem er es in die aussichtsreiche neunköpfige Spitzengruppe schaffte. 75 Kilometer vor dem Ziel radelte Rutsch als großer Unbekannter inmitten von Namen, die zu den Favoriten gezählt worden waren, dem Feld auf und davon. „Ich war gut drauf und auf dem Weg, eine Riesenüberraschung zu landen“, erzählt der 22-Jährige. „Und dann passiert diese dumme Sache.“ Eine Sache, über die er kurz nach dem Rennen noch nicht sprechen wollte. „Ich musste das erst mal verarbeiten und mit mir selbst ausmachen.“

          Etwa 75 Kilometer vor dem Ziel passierte das Malheur: Den Hessen erreichten von der Teamführung die Hinweise, gut auf ausreichende Verpflegung zu achten und für das Rennfinale die Regenjacke auszuziehen. „Ich habe mich stressen lassen, weil ich alles richtig machen wollte“, erzählt Rutsch, mittlerweile neben dem Frust schon leicht amüsiert. „Hätte ich die – Pardon – Scheißregenjacke doch einfach angelassen!“ Rutsch verhedderte sich bei starkem Seitenwind in dem Stoff, kam plötzlich weder rein noch raus. Ein Motorradfahrer kam in voller Fahrt zur Hilfe und nestelte mit dran herum – „und machte es nur noch schlimmer“, schildert Rutsch. „Ich habe geschrien ‚lass los, lass los‘, aber der Typ hat mich durch Wind und Helm nicht gehört.“ Inzwischen waren seine Mitstreiter zehn, dann 15 schließlich 20 Meter voraus – und bei diesen Windverhältnissen für Rutsch nicht mehr einzuholen.

          Trösten kann sich der Wahl-Wiesbadener damit, dass er bis dahin ein starkes Rennen auf höchstem Niveau gefahren ist. Aber das wird die Bitterkeit über den Regenjacken-Schlammassel nicht so schnell lindern. Denn jene Gruppe an Fahrern, die Rutsch ziehen ließ, blieb bis im Ziel vorne – Sieger wurde der Belgier Jasper Stuyven. Rutsch hatte sich nach dem Malheur vor das Verfolgerfeld gespannt, um seine Teamkapitäne auf der Jagd nach der Spitze noch mal voranzubringen – und beendete das Rennen, was das Rennen seines Lebens hätte sein können, entkräftet vorzeitig. Am Sonntag dann bei Kuurne–Brüssel–Kuurne lieferte er gute Helferdienste für die Kollegen, die aber in der Endabrechnung nicht zu glänzen vermochten.

          Auch John Degenkolb war am Sonntag in die Klassikersaison eingestiegen. Der Oberurseler vom Team Lotto-Soudal war häufig vorne im Feld zu sehen, im Rennfinale gingen ihm beim spektakulären Sieg des Dänen Kasper Asgreen aber die Kräfte aus.

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