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1. FFC Frankfurt : Frankfurt lässt keinen Vortritt mehr

So sehen Siegerinnen aus: die FFC-Frauen auf dem Römer-Balkon in Frankfurt Bild: dpa

Mit dem Pokalsieg nach drei titellosen Jahren meldet sich der 1. FFC als Vormacht im Frauenfußball zurück. Die Hessinnen könnten die WM dominieren.

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          Auch am Sonntag, einen Tag nach dem 2:1-Sieg gegen Turbine Potsdam im DFB-Pokalfinale von Köln, war der 1. FFC Frankfurt noch gemeinschaftlich im Überschwang der Gefühle. Zwar gab der Empfang auf dem Römer, zu dem Oberbürgermeisterin Petra Roth die besten Fußballspielerinnen der Stadt eingeladen hatte, ein eher tristes Bild ab. Höchstens 200 Leute hatten sich unterhalb des Balkons des Kaisersaals versammelt. Aber dafür herrschte im engen Kreis von Team und Fans beste Laune. Nach drei Jahren ohne Titelgewinn errang der erfolgreichste deutsche Frauenfußballverein endlich wieder eine Trophäe. „Das ist ein wichtiger Sieg für den Verein“, sagte Birgit Prinz, die mit einer hervorragenden Leistung ihren Ruf als Vorzeigefrau einmal mehr bestätigte.

          Eine Mitspielerin, die aus Rücksicht auf die Stimmung in der Nationalmannschaft lieber anonym bleiben will, forderte in ihrer Begeisterung gar, „dass Frau Neid doch gerade den FFC für die WM nominieren soll. Das Ding würden wir auch gewinnen.“ Auch wenn die Bundestrainerin der Forderung aufgrund von vier bei der WM für Schweden und die Vereinigten Staaten spielberechtigten Ausländerinnen im FFC-Kader nicht ganz nachkommen könnte, so entbehrt die Bemerkung freilich nicht jeden Sinns. Tatsächlich haben die FFC-Spielerinnen mit ihrem Auftritt bekräftigt, dass sie ihre in den vergangenen drei Jahren gefährdete Vormacht in der Nationalmannschaft weiter verteidigen können. Von der ersten Minute an waren sie die bestimmende Elf auf dem Feld. Schon nach 15 Minuten erzielte Svenja Huth, die überraschend den Vorzug vor der Bundesligatorschützenkönigin Conny Pohlers erhalten hatte, die verdiente Führung für ihr Team. „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich von Beginn an spielen durfte“, sagte die Torschützin. „Das Tor ist das i-Tüpfelchen.“ Die 21 Jahre alte Stürmerin, die gewöhnlich nicht eben mit Kaltschnäuzigkeit glänzt und lediglich zwei der 103 Bundesligatore ihres Teams erzielt hatte, nutzte souverän einen Querschläger ihrer Gegenspielerin Ilka Wesely. „Im Pokal habe ich aber sowieso einen Lauf“, verwies Svenja Huth auf fünf Treffer in diesem Wettbewerb.

          Offizielles Interesse

          Ihre berühmteste Teamkollegin zeigte sich unterdessen ungewöhnlich fahrlässig vor dem gegnerischen Tor. Birgit Prinz war zwar die beste Spielerin auf dem Platz und bewies einmal mehr die Entschlossenheit und Motivation, mit der sie die Weltmeisterschaft und somit den letzten Höhepunkt ihrer unvergleichlichen Karriere angeht. In der 22. Minute vergab sie allerdings die große Chance zur Vorentscheidung, als sie zwar die Potsdamer Torhüterin Anna Felicitas Sarholz umkurvt hatte, aber an der auf der Linie postierten Abwehrchefin Babett Peter scheiterte. „Ein Tor wäre schön gewesen, aber der Sieg ist das einzig Wichtige heute“, sagte die Weltfußballspielerin der Jahre 2003 bis 2005. Den Triumph von Köln stellte nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch die Japanerin Yuki Nagasato Birgit Prinz kongeniale Spielpartnerin Kerstin Garefrekes mit ihrem Tor zum 2:1 in der 47. Minute sicher. „Den Sieg haben wir uns verdient“, sagte Kerstin Garefrekes. „Das gibt uns Nationalspielerinnen auch richtig Selbstbewusstsein für die WM.“ Trainer Sven Kahlert sieht seine Auswahlspielerinnen ebenfalls bestens präpariert für den Saisonhöhepunkt im Sommer. Am Samstag freute er sich aber vor allem über seinen ersten Titel als Trainer im Frauenfußball, wo der Fußballlehrer seit seinem Einstieg beim FFC im Jahr 2009 arbeitet. „Ich bin überglücklich, dass die Mannschaft sich heute für die vergangenen zwei Jahre belohnt und unsere Ideen umgesetzt hat“, sagte der 41 Jahre alte Trainer. Tatsächlich hat sich der FFC mit dem Pokalsieg für die Reparaturarbeiten am kriselnden Motor des deutschen Frauenfußballs belohnt. Als Kahlert im Oktober 2009 das Traineramt am Brentanobad übernahm, war der Kader zwar ähnlich wie heute mit dem Großteil der besten Einzelspielerinnen im deutschen Fußball bestückt. Auf dem Platz agierte der einstige Seriensieger indes nicht mehr als Einheit. Zweimal verpasste der Klub deshalb die Champions League und musste den Rivalen aus Duisburg und Potsdam national wie international den Vortritt lassen. „Diese Zeit ist nun vorüber“, jubelte Manager Siegfried Dietrich nach dem Comeback-Sieg seiner Frauen. „Das war für den Verein und mich als Investor auch wirtschaftlich ein wichtiger Erfolg. Jetzt können wir den nächsten Schritt angehen.“

          Diese Ankündigung könnte unter anderem bedeuten, dass sich der FFC nach der WM die Dienste der Potsdamerin Lira Bajramaj, der am Samstag blassen, aber sonst begehrtesten deutschen Fußballspielerin sichert. Dietrich bekundete, dass der FFC offiziell Interesse an der deutschen Nationalspielerin mit bosnischen Wurzeln hat. „Wir werden ein Gespräch suchen“, sagte der Manager. Ganz einfach dürfte die Verpflichtung freilich nicht werden. Anders als alle FFC-Nationalspielerinnen wird Lira Bajramaj nämlich nicht von Dietrich, sondern von einem anderen im Frauenfußball tätigen Berater betreut. Auch deshalb äußerte sich der Potsdamer Trainer Bernd Schröder zuversichtlich, seine beste Spielerin halten zu können. „Sie weiß auch, welche Vorteile sie bei uns hat“, sagte Schröder. Keine Rolle in den Planungen wird hingegen Tina Wunderlich trotz ihres überraschenden Comebacks spielen. Da tauchte die nur noch in der zweiten Mannschaft aktive ehemalige Spielführerin nämlich überraschend im Kader auf. Tina Wunderlich verbesserte somit ihre eigene Bestmarke. Sie war nun bei allen acht Pokalsiegen und elf Finalteilnahmen dabei. „Und endlich habe ich nach den zuvor drei Niederlagen auch mal Potsdam geschlagen“, freute sie sich. Auch das war ein Grund für besondere Freude.

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