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Real Madrid : Getrübte Stimmung bei Ronaldo-Party

Ratloser Trainer: Carlo Ancelotti Bild: AFP

Eben als unschlagbar gefeiert, stehen die Königlichen nach der Derby-Pleite heftig in der Kritik. Fans fordern schon den Kopf von Trainer Ancelotti, Weltfußballer Ronaldo wird nervös - feiert aber trotzdem ein rauschendes Geburstagsfest.

          So sah die Agenda von Cristiano Ronaldo für letzten Samstag aus: Um 16 Uhr Ligaspiel bei Atlético Madrid, der Tabellenführer gegen den Dritten. Am Abend dann die große Party zum dreißigsten Geburtstag mit 150 Gästen, darunter seine Klubkameraden von Real Madrid und dem kolumbianische Reggaeton-Sänger Kevin Roldán. Schon in der Nacht tauchten im Netz die ersten Partyvideos auf. Zum Beispiel Ronaldo im Duo mit dem Sänger. Oder die Spieler Marcelo, James und Keylor Navas im Chor. Keine herausragenden Stimmen, aber tolle Stimmung in der Luxussiedlung La Finca, in der der Weltfußballer des Jahres ein ganz dem Leistungssport gewidmetes Leben führt. Ach ja, das Ligaspiel bei Atlético. Das ging mit 0:4 verloren.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Es war die schlechteste Partie der Saison, eine Blamage auf allen Ebenen, und der portugiesische Superstar - frisch zurückgekehrt nach zweiwöchiger Rotsperre - spielte, als müsste er sich für seine Party schonen. „Kolossale Demütigung“ stand in der Zeitung El País, während El Mundo Deportivo titelte: „Atlético macht Real lächerlich.“ Vom legendären Sturmpotential des Champions-League-Siegers war jedenfalls nichts zu sehen: zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten. Das Massenblatt Marca erhob Toni Kroos in der Einzelwertung zum „Star“ von Real, denn er habe sich beim Debakel im Calderón-Stadion immerhin um Ordnung bemüht und sei der „am wenigsten schlechte“ gewesen.

          Das kommt ungefähr hin. Kroos konnte wenig ausrichten gegen das engagierte Mittelfeld der Gastgeber, die rannten, als ginge es um ihr Leben. Seit sechs Spielen hat Atlético nicht mehr gegen den großen Nachbarn aus dem Norden der Hauptstadt verloren. Sieger im spanischen Supercup: Atlético. Sieger in der Copa: Atlético. Sieger in beiden Ligaspielen: Atlético, der amtierende Meister, der sich nun auf vier Punkte an Tabellenführer Real herangerobbt hat und zurzeit den deutlich frischeren Eindruck macht. „Ancelotti K.O.“, schrieb Marca und erhob die Blamage vom Samstag in den Rang von Demütigungen wie dem 0:5 beim FC Barcelona im November 2010, zu Beginn der Mourinho-Ära.

          In allem versagt

          Es ist Carlo Ancelottis Glück, dass er immer eine gute Figur macht, selbst am schwärzesten Tag der letzten anderthalb Jahre. „Wir haben in allem versagt“, sagte der italienische Coach, „in den umkämpften Bällen, in der Luft, in der Organisation, in der Einstellung, einfach in allem. Eigentlich gab es gar kein Spiel. Und keinen einzigen Spieler bei uns, der eine gute Partie gemacht hätte.“ Das stimmt insofern, als Nationaltorwart Iker Casillas beim 1:0 (Fernschuss von Tiago, 13. Minute) den Ball unerklärlicherweise durch die Finger gleiten und über die Linie kullern ließ. Beim 2:0 (18.) schaute die Real-Verteidigung zu, wie Saúl am Fünfmeterraum per Fallrückzieher traf. Das 3:0 (66.) wiederum hätte Innenverteidiger Varane verhindern müssen, doch der herangepreschte Griezmann spitzelte ihm den Ball vom Fuß und ins Netz.

          Das 4:0 erzielte Mario Mandzucic, völlig freistehend, per Flugkopfball auf Hereingabe von Torres. Ein Tor schöner als das andere. Und bei allen Treffern fühlte Real sich geradezu verkleinert, ausgespielt, überrollt. Nicht nur das Engagement, auch die Kreativkunst war an diesem Tag ganz auf Seiten des Gegners, und die Fans auf den Rängen ließen donnernde Gesänge im Rund erschallen.

          Schwierigkeiten beim Umschalten

          Ancelotti nahm die Schuld für das kollektive Versagen zwar auf sich, aber die Frage ist, ob er wirklich begriffen hat, was Atlético-Coach Diego Pablo Simeone schon seit längerem mit ihm anstellt. „Es ging darum“, dozierte der Sieger, „ihre Stürmer am Kontern zu hindern.“ Das erreichte Atlético mit frühem Stören im Mittelfeld und aggressivem Pressing seiner eigenen Stürmer. Griezmann und Mandzucic waren nicht nur fabelhaft bewegliche Angreifer, sonden auch aufoperungsbereite Kämpfer. Kein Ball sollte verloren gehen. Wenn man obendrein einen cleveren Techniker wie Arda Turan in den eigenen Reihen hat, der auch einmal Ruhe einkehren lässt, dann fällt dem Rivalen der Spielaufbau nicht so leicht.

          Jubel, Trubel, Athletico: 4:0 gegen Real

          Zumal Ronaldo und sein fast ähnlich uninspirierter Sturmkollege Gareth Bale sich einfach zu fein für Abwehrarbeit sind. Der neu ins Team gekommene Sami Khedira - alle rechnen mit seinem Abschied im Juni - ist inzwischen so von der Rolle, dass er kaum einen gescheiten Pass spielte. Real hatte Glück, dass der Schiedsrichter bei Khediras Handspiel im Strafraum (35.) nicht in die Pfeife blies.

          Ancelotti holte den Deutschen in der Pause vom Platz, doch es wäre unfair, Khedira für die Niederlage dieser ersatzgeschwächten Mannschaft (ohne Modric, Pepe, Ramos, James und Marcelo) verantwortlich zu machen. Eher sollten die Stars, deren Leistung im neuen Jahr eingebrochen ist, sich das Spiel zu Herzen nehmen, allen voran Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. „Wir müssen wieder die werden, die wir waren“, sagte der Portugiese selbstkritisch und fügte mit dem gewohnten Daueroptimismus hinzu, Atlético sei zwar sehr stark, doch Real sei besser: „Wir werden den Meistertitel holen.“ Sicher ist, dass die Primera División bis auf weiteres ein enger Dreikampf bleibt.

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