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Real Madrid : Als „Königin“ geboren

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Real Madrid: „Mannschaft des Jahrhunderts”, zuletzt Champions League-Sieger 2000 Bild: dpa

Spektakulär feiern die „Königlichen“ ihren 100.Geburtstag. Real Madrid, der erfolgreichste Klub der Welt, zelebriert eine pompöse Party.

          Wie ein überdimensionaler Adventskalender zeigt die elektronische Anzeige über der Haupttribüne des Bernabeu-Stadions an, wie viele Tage es noch bis zum großen Jubiläum sind. An diesem Mittwoch springt das Zählwerk auf Null - Real Madrid wird 100 Jahre alt. An diesem Tag treffen die „Königlichen“ im spanischen Pokalfinale auf Deportivo La Coruña und wollen sich den ersten Titel im Jubiläumsjahr sichern.

          Das Selbstverständnis dieses Klubs ist wahrlich königlich. Pompös feiert der spanische Fußball-Rekordmeister und vom Weltverband Fifa zum „Klub des Jahrhunderts“ ausgezeichnete Verein sein Jubiläum und läßt dabei keinen Superlativ aus. Er ließ eigens Münzen prägen, Sonderbriefmarken herausgeben und eine Jubiläumshymne komponieren.

          365-Tage-Fest zu Ehren der Diva

          Dass sich der Klub erst seit 82 Jahren „königlich“ nennen darf, stört dabei niemanden. Denn der „Madrid Foot Ball Club“ ist auch ohne den Titel „Real“ als Königin geboren. Der Klub ist die faszinierendste und reichste Diva im Fußball-Geschäft. Ein Verein mit Erfolgen und Skandalen, ungemein überheblich, aber mit einer Aura, der sich seit Jahrzehnten weder Spieler noch Fans entziehen können.

          Die Feierlichkeiten dauern auch nicht eine Woche oder einen Monat, sondern ein ganzes Jahr. Vom Januar bis Dezember feiert Real Madrid. Mit Veranstaltungen aller Art, darunter auch Wettbewerbe für Literatur, Malerei und Fotografie sowie Popmusik-Konzerte und einem Turnier mit großen Mannschaften der Welt.

          Placido Domingo singt

          Der spanische Opernkomponist José María Cano hat eine neue Vereinshymne komponiert, die der geborene Madrilene und Real-Freund Plácido Domingo für Plattenaufnahmen und in die Stadionslautsprecher singt.

          Am 18. Dezember, am ersten „Welttag des Fußballs“, spielt dann Real Madrid gegen eine internationale Auswahl. Keine andere Fußballmannschaft der Welt soll durch einen FIFA-Beschluß an diesem Tag spielen. Real Madrid spielt und alle anderen sollen stillstehen und bewundernd zuschauen.

          Das erste Spiel gegen Barcelona

          Im Grunde ist es gar nicht klar, wann genau die Geburtsstunde des Clubs schlug. Den 6. März wählte man als Jubiläumsdatum aus, weil an diesem Tag vor 100 Jahren die Vereinsgründer ihre erste Vorstandssitzung abhielten. Im Vereinsregister steht der „Madrid Football Club“ aber erst seit dem 18. April 1902.

          Sein erstes Spiel bestritt er im Mai 1902 - auf einem Feld neben der Stierkampfarena. Der Gegner war der spätere Erzrivale FC Barcelona, der die Partie mit 3:1 gewann. Den Titel „Real“ (Königlich) bekam der Club erst im Juni 1920 vom damaligen Monarchen Alfonso XIII. verliehen.

          Katalanen als Vereinsgründer

          Von den Vereinsgründern ist bei den Feiern auffälligerweise wenig die Rede. In der Clubgeschichte, wie sie auf Reals Internet-Seite wiedergegeben wird, werden die Gründungsväter nur am Rande erwähnt. Dies dürfte einen einfachen Grund haben: Real wurde, wie die Zeitung „La Vanguardia“ herausfand, von zwei waschechten Katalanen gegründet. Die Brüder Juan und Carlos Padrós, die beiden ersten Clubpräsidenten, stammten aus Barcelona, der Heimstätte des ewigen Rivalen. Sie betrieben in Madrid ein Modegeschäft, das zugleich das erste Vereinslokal beherbergte.

          Real streicht bei den Jubiläumsfeiern vor allem die Verdienste von zwei anderen Männern heraus: Santiago Bernabéu und Alfredo di Stéfano. Bernabéu hatte 1911 als Stürmer begonnen, war dann Trainer und von 1943 bis zu seinem Tod 1978 Clubpräsident. Er verhalf Real zu seinem heutigen Stadion im Stadtteil Chamartín und war einer der Mitbegründer der spanischen Liga und des Europacups.

          Erfolge auch mit deutschen Stars

          Der gebürtige Argentinier Di Stéfano machte Real zur führenden Fußballmacht der Welt. Der „blonde Pfeil“ stürmte für jene legendäre Elf, die von 1956 bis 1960 fünf Mal hintereinander den Europacup gewann. In allen Endspielen war er als Torschütze erfolgreich. So auch im Finale des Jahres 1960, das Real gegen den damaligen deutschen Meister Eintracht Frankfurt 7:3 gewann. Heute ist Di Stéfano Ehrenpräsident des Vereins.

          Die meisten Titel mit Real holte Francisco Gento, der in den 50er und 60er Jahren auf dem linken Flügel stürmte. Der „Nordwind aus Kantabrien“ gewann in seiner 18-jährigen Fußballerkarriere sechs Europacup-Titel und zwölf Landesmeisterschaften. Auch mehrere deutsche Stars wie Paul Breitner, Günter Netzer, Bernd Schuster oder Uli Stielike trugen das weiße Trikot. Trainer Jupp Heynckes verhalf Real 1998 nach 32-jähriger Wartezeit erstmals wieder zum Gewinn des Europapokals. Wenige Tage später wurde er entlassen.

          „Verein der Regierung“

          Fast 80 Millionen Anhänger - so hoch beziffert der Verein seine weltweite Fangemeinde“. Real hat Fanclubs sogar in Australien und Japan. Die Anhänger erheben den Anspruch, dass für den besten „Klub des Jahrhunderts“ auch die besten Spieler auflaufen sollen.

          Dies versprach vor seiner Wahl auch der neue Clubchef Florentino Pérez an, der seit knapp zwei Jahren im Amt ist. Bei der Verpflichtung von Luis Figo für 68 Millionen Euro und Zinedine Zidane für 77 Millionen überbot er alle Transfer-Rekorde. „Real kauft, was es braucht“, sagt Sportdirektor Jorge Valdano. Mit dem Verkauf des vereinseigenen Traingsgeländes konnte Pérez den den Klub aber dennoch entschulden.

          Mit Pérez sehen sich allerdings auch die Gegner Reals bestätigt, die in dem Club seit den Zeiten der Franco-Diktatur (1939-1975) den „Verein der Regierung“ sehen. Der Bauunternehmer steht politisch der konservativen Regierungspartei PP (Volkspartei) nahe. Auch Ministerpräsident José María Aznar gestand selbst ein, dass er seit dem Kindesalter ein glühender Anhänger des Clubs ist.

          Das Jubiläum aber wird ganz sicher parteiübergreifend gefeiert.

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