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Von Rapinoe bis Keller : Unsere Menschen des Sport-Jahres

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Eine Frau des Jahres: Megan Rapinoe beeindruckte nicht nur auf dem Fußballplatz. Bild: Reuters

Auftritte mit Knalleffekten, Abschiede unter Tränen. Der Sport lebt von charismatischen Siegern und solchen, die es noch werden wollen. Wer tat sich 2019 hervor? Eine Auswahl aus diesem Jahr.

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          Megan Rapinoe engagiert sich politisch und bringt dennoch Weltklasseleistungen auf dem Fußballplatz. Noch nie hat eine Person eine Fußball-Weltmeisterschaft derart umfassend geprägt wie Megan Rapinoe das Turnier der Frauen im Sommer in Frankreich. Die 34 Jahre alte Amerikanerin setzte von ihrem ersten Auftritt an auf wie abseits des Platzes die wichtigen Akzente. Sie führte ihr Team mit entscheidenden Toren zur Titelverteidigung, und sie protestierte gegen „ihren“ Präsidenten Donald Trump.

          Sie wurde zur Spielerin und Torjägerin des Turniers, zur Weltfußballerin und zur amerikanischen Sportpersönlichkeit des Jahres gekürt. Ihre Ansichten zu Diskriminierung, Gleichberechtigung oder homosexuellem Leben wurden weltweit vernommen. Mehr als Megan Rapinoe kann eine Sportlerin in einem Jahr kaum erreichen. Und vor allem bewies sie, dass das Ideal der mündigen Sportlerin möglich ist: Sport auf höchstem Niveau zu betreiben, aber dennoch offen zu sein für das Leben. (dme.)

          Sechs – das ist Zahl des Jahres für Lewis Hamilton nach seinem sechsten WM-Titel in der Formel 1. Dabei geht es längst um die Sieben und damit um die Möglichkeit, Sporthistorisches zu leisten. Derart viele Titelgewinne sind bisher nur Rekordweltmeister Michael Schumacher gelungen, Juan Manuel Fangio und dessen fünf Titel hat Hamilton bereits hinter sich gelassen „Ich arbeite an einem Meisterwerk und habe es noch nicht vollendet“, sagt der 34 Jahre alte Engländer. Eine Saison läuft sein Vertrag bei Mercedes noch – macht er auch danach weiter, dürfte seine Gage auf Rekordhöhe steigen. Die Rede ist schon jetzt von 50 Millionen Euro oder mehr pro Jahr. (witt.)

          Am 17. Mai hat Laura Dahlmeier wahrgemacht, was viele befürchtet hatten: Rückritt aus dem Biathlon-Zirkus. Mit 25 Jahren. Freiheit statt Trainingsfron. Die Ziele waren ihr spätestens seit dem zweifachen Gold von Pyeongchang ausgegangen. Bilanz von sechs Jahren Höchstleistungssport: 15 WM-Medaillen, davon sieben aus Gold, Gesamt-Weltcupsieg, 20 Weltcup-Erfolge. Und jetzt? Erkundet neues Terrain. Start bei der Berglauf-WM, Nebenjob als ZDF-Expertin – und Zeit für Klettertouren. (cld.)

          Neben dem Imperium des FC Bayern hinterließ Uli Hoeneß auch ein Vermächtnis besonderer Art: Mut zur Träne. Er konnte in aller Öffentlichkeit so inbrünstig weinen, wie sich das kein anderer Mächtiger in diesem Land je traute. Natürlich musste der Anlass stimmen. Der Abschied von Franck Ribéry etwa. Oder sein eigener, 2013, als die Mitglieder den wegen der Steueraffäre abtretenden Präsidenten feierten. Beim zweiten, finalen Rücktritt im November aber blieb das Auge fast trocken. Hoeneß wirkte wie jemand, der nicht von Wehmut, sondern Vorfreude bewegt ist. Und vielleicht noch einmal alle überraschen möchte: indem er sich eben nicht mehr groß einmischt beim FCB. Bisher gelingt ihm das. Schon seit sechs Wochen. (cei.)

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          41.21.1. – so haben sie ihn verabschiedet. Die 41 auf dem Trikot, 21 Jahre in der NBA, und das bei nur einem Klub, den Dallas Mavericks. Dirk Nowitzki hat Maßstäbe gesetzt. „Er ist einer der Größten überhaupt“, sagt LeBron James, selbst einer der Größten in der Basketball-Geschichte. Aber Nowitzki war sich immer bewusst, dass Basketball nicht mit der Wirklichkeit vor der Halle verwechselt werden dürfe. Er verstand sich als harter Arbeiter, der mit seinem Mentor Holger Geschwindner trainierte, als sich andere von der Saison erholten. Aber sein Kampf begann schon viel früher. Sein Schulleiter am Würzburger Gymnasium ermahnte ihn immer dann, wenn er wegen des Basketballs wieder einmal um eine Freistellung vom Unterricht bat: „Mit Sport kann man kein Geld verdienen.“ Von wegen! (witt.)

          Schon am Tag seiner Wahl am 27. September war klar, dass der DFB Fritz Keller dringender braucht als Fritz Keller den DFB. Der langjährige Präsident des SC Freiburg war nach monatelanger Suche der einzige Kandidat, den sich der Deutsche Fußball-Bund auf einem Posten vorstellen konnte, der einmal als Ehrenamt verstanden wurde, in den vergangenen Jahren aber viel von seinem Ruf eingebüßt hat. Der Winzer und Gastronom aus dem Breisgau folgte auf Reinhard Grindel, der über ein Uhrengeschenk eines ukrainischen Oligarchen gestürzt war. Der 62 Jahre alte Keller verkörpert Hoffnung auf Wandel in einem Verband, der sportlich und gesellschaftspolitisch viel aufholen muss. Die ersten Schritte ist er in seinen bald hundert Amtstagen gegangen, aber mehr als ein Anfang konnte das für den neuen DFB-Präsidenten kaum sein. (hor.)

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