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Snooker-Glosse : Drama im Detail

Still statt schrill, ein überraschendes Erfolgsrezept - Snooker wird bekannt in Deutschland Bild: dapd

Vom englischen Feierabendsport zum globalen Unterhaltungsprogramm: Snooker hat Karriere gemacht. Still statt schrill ist das überraschende Erfolgsrezept - zuerst im Fernsehen, nun auch in Deutschland. Erst heute scheint die Nation reif für diese Art Sport.

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          Deutschland gilt als Sportnation. Bald vielleicht auch als Kneipensportnation. Natürlich sind Darts und Snooker ihren Wurzeln in verräucherten Gastwirtschaften längst entwachsen. Sie haben Karriere gemacht: vom englischen Feierabendsport zum globalen Unterhaltungsprogramm. Neu ist, dass sie nun auch deutsche Kulturstätten erobern.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          In kurzer Abfolge gastieren die Weltbesten dieser kunstvollen Kammerspiele des Sports in Deutschland, mit großem Publikumserfolg: vergangenes Wochenende die German Darts Championships in der „Gerry Weber Convention“ in Halle/Westfalen mit dem 15-maligen Weltmeister Phil Taylor (nächstes Programm dort: die 48. Bach-Tage); dieses Wochenende das German Masters im Berliner Tempodrom (wo demnächst David Hasselhoff auftritt) - und wo bis auf das kurzfristig lustlose Snooker-Genie Ronnie O'Sullivan die komplette Weltelite zu sehen ist.

          In Zeiten, in denen Unterhaltungs-TV Reizschwellen immer höher und Niveau-Anforderungen immer tiefer treibt, gibt es eine Nische für das Reizarme, nahezu Meditative; für ein Programm, dessen Drama im Detail liegt und das seine Spannung aus den Momenten gewinnt, in denen nichts passiert.

          Still statt schrill, ein überraschendes Erfolgsrezept. Snooker fand diese Nische bei „Eurosport“. Der Spartensender brachte in Tausenden Übertragungsstunden wohl fast jeden Zuschauer beim Umschalten schon mal dazu, für ein paar Minuten am großen Tisch mit den bunten Kugeln hängenzubleiben - und viele ließen sich dauerhaft fesseln. So erarbeitete sich Snooker, dieses sportliche Entschleunigungsprogramm, eine stille Fangemeinde in Deutschland.

          Nun kommen sie vor ihren Fernsehern hervor. Über 14.000 Tickets wurden im Vorverkauf in Berlin abgesetzt, neuer Rekord für die internationale Turnierserie des Spiels. Beim letzten Gastspiel der Weltelite, den „German Open“ vor 13 Jahren, sahen nur einige Dutzend Zuschauer zu. Erst heute scheint die Sportnation Deutschland reif auch für jene Art Sport, die keine Leibes-, sondern eine Hirn- und Fingerübung ist.

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