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Seitenwagen-Fahrer Achim Freund : „Da hab ich's schon krachen gehört“

Fahrunterricht mit dem Rolli: Seit einem Unfall ist Achim Freund auf Hilfe angewiesen Bild: F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Angst hatte Achim Freund nie. Nur viel Adrenalin beim Start. Und Respekt. Nach einem schweren Unfall im Seitenwagen bleibt der passionierte Motorsportler gelähmt. Kein Grund zur Resignation, findet er. Freund hat noch viele Pläne.

          Siebenmal ist Achim Freund schon aus dem Boot geflogen. „Fünfmal hat es Spaß gemacht. Das sechste Mal habe ich mir das Kahnbein gebrochen.“ Und das siebte Mal sah ganz unspektakulär aus, beim Training vor der Qualifikation zur Deutschen Sidecar-Meisterschaft - der Motorräder mit Seitenwagen, dem Boot - im holländischen Ort Assen. Eine langgezogene Rechtskurve, ein bisschen zu viel Geschwindigkeit, das Gespann fuhr geradeaus ins Kiesbett. Es bremste nicht so wie erwartet, die Leitplanke kam immer näher, der Fahrer lenkte nach rechts, um den Aufprall zu vermindern - und Freund flog. „Mit dem Kopf in die Leitplanke, da hab ich's schon krachen gehört.“

          Was da krachte, das war die Wirbelsäule, genauer gesagt der zweite Halswirbel. „Ich habe mit dem Kopf zur Strecke gelegen und gedacht: Was machst du jetzt? Bewegen erst mal, was geht? Finger gehen, okay. Dann die Füße. Füße! Geht nichts. Scheiße, ich kann die Füße nicht bewegen. Da sind die Streckenposten schon gekommen, und ich hab gesagt: Langsam, ich kann die Füße nicht bewegen!“

          Während des Unfalls und auch danach war der 51-Jährige aus Wächtersbach bei vollem Bewusstsein, nicht einmal eine Gehirnerschütterung hatte er. Eine Woche lag er im Krankenhaus in Groningen zur Stabilisation, 24 Stunden am Tag hat er an die Decke gestarrt, aber mit seiner Situation haderte er nie. „Das hat mich hinterher auch gewundert. Ich habe in Gedanken schon das Gespann behindertengerecht umgebaut.“ Schon in Holland habe er seine Situation akzeptiert, sagt er, denn ändern könne er sowieso nichts. Dann hätte er keinen Rennsport machen dürfen.

          Der tägliche Weg führt ihn in den Kraftraum

          „Drei Runden maximal, dann sind Sie fix und alle“

          Motorsportbegeistert war Achim Freund schon lange. Zuerst waren es Motorrad-Oldtimer, ein BMW R 68, Baujahr 1952, mit dem er sieben Jahre Rennen fuhr und mehrfach deutscher Meister wurde. Irgendwann reizte es ihn, etwas Schnelleres zu fahren: „Diese Gleichmäßigkeitsläufe sind zwar schön, aber es geht halt nicht um Geschwindigkeit.“ Vor acht Jahren stieß er bei einem Motorradrennen in Hockenheim, das er sich als Zuschauer ansah, auf die Gespannrennfahrer. Ein guter Einstieg sei die jährliche Trainingswoche in Frankreich, sagte man ihm, und so beschloss Freund, sich das einmal anzuschauen. In Frankreich traf er den Ostfriesen Dieter Eilers, der kurzfristig noch einen Beifahrer suchte.

          Der Beifahrer, musste Freund bald erfahren, hat bei diesem Sport die Hauptarbeit, denn er hält das Gespann auf der Strecke. Er geht bei Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern in den Kurven aus dem Boot heraus und balanciert das Gespann mit seinem Gewicht aus, und zwar an ganz bestimmten Punkten, das verlangt viel Technik und Geschick. Drei Tage fuhr Freund mit Eilers und fiel fast vom Glauben ab, wie er sagt: „Wenn ich die Punkte nicht erwische, um die Fliehkräfte zu nutzen, arbeite ich gegen die Fliehkräfte. Und das halten Sie nicht lange aus. Zwei Runden, drei Runden maximal, dann sind Sie fix und alle.“ Genau das war er auch, ließ aber nicht locker und begleitete Eilers und seinen angestammten Beifahrer den Rest der Saison über als Hilfsmechaniker.

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