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Segelfliegen : Weltmeister der Lüfte mit der Nummer 007

Die LAK 19, so Gmelin, sei bekannt für ihren Hang zu Instabilität, so dass sie leichter ins Trudeln gerate als Flugzeuge deutscher Herstellers, die von der großen Mehrheit der Segelflieger in aller Welt geflogen werden. Hinzu gesellte sich, so der Bundestrainer, ein schwerer Pilotenfehler. Die Auswertung des Flugschreibers habe ergeben, dass der Gleiter mit nur 80 Kilometer in der Stunde unterwegs gewesen sei.

„Er war dabei, auszuleiten, aber es war zu spät“

„Das ist viel zu langsam und extrem gefährlich“, erklärte Gmelin. Bei derart niedrigen Geschwindigkeiten besteht die Gefahr, dass der Pilot die Maschine „überzieht“, die Strömung unter einer der Tragflächen abreißt und der Segler in eine Trudelbewegung gerät. Der Pilot muss schnellstmöglich die Nase der Maschine nach unten bekommen, um wieder ins Gleiten zu geraten, so dass die Strömung unter den Tragflächen hergestellt und die Maschine wieder steuerbar wird.

Matynow hatte dies wohl richtig gemacht. „Er war dabei, auszuleiten“, sagt Gmelin, „aber es war zu spät.“ In nur 150 Metern „über Grün“ habe die Abfangkurve in den Wipfeln des dichten Waldes geendet, wo die LAK 19 zerschellte. „Ein klassischer Pilotenfehler“, sagt Gmelin. Über Segelflug-Unfälle mit tödlichem Ausgang gibt es eine kontinentale Statistik: Im Jahr 2006 zählte die Europäische Agentur für Flugsicherheit 17 tödliche Unfälle, 2007 waren es 20, 2008 gab es 16 Tote.

Pilot übersieht „aus unbekannten Gründen“ Gleiter

Die Titelkämpfe waren von da an auch geprägt von Trauer um das Todesopfer und eindringlichen Sicherheitshinweisen bei den täglichen Briefings. Wenige Tage zuvor war es nämlich zu einem beinahe fatalen Unfall gekommen, als zwei Gleiter in der Luft kollidierten. Auch hierbei hätte es durchaus Todesopfer geben können. Glück und die stabilen Konstruktionen der Flugzeuge sorgten aber dafür, dass beide Piloten unverletzt blieben und ihre Flugzeuge trotz teilweise starker Beschädigungen landen konnten. Der Crash in 2200 Metern Höhe sorgte aber für Diskussionsstoff.

Einer der Piloten hatte versucht, in einem Aufwind einzufliegen, in dem bereits zahlreiche andere Flugzeuge kreisend an Höhe gewannen. Dabei übersah der Flugzeugführer „aus unbekannten Gründen“, wie es im Bulletin der WM hieß, einen im Aufwind emporsteigenden Gleiter unter sich. Trotz eines Ausweichversuchs nach oben krachte es. Die Maschine des Unfallverursacher wurde am hinteren Leitwerk und am Boden beschädigt; die des zuvor bereits im Aufwind kreisenden Piloten erwischte es noch schlimmer: Ein Teil der rechten Tragfläche brach ab, und die Kanzel zerbarst.

Überehrgeizige verzichten auf technische Hilfe

Auffällig an dem Zusammenstoß war die Tatsache, dass der in die Thermik einfliegende Pilot als wohl einziger Flieger dieser WM auf einen Abstandswarner verzichtet hatte. Diese modernen Geräte signalisieren mit einem Alarmton und über ein Display, wenn sich ein anderes Flugzeug so sehr nähert, dass Kollisionsgefahr besteht. Zudem zeigen sie aber auch an, wie schnell benachbarte Segelflugzeuge sind - und vor allem: wie stark sie steigen. Ehrgeizige Wettbewerbspiloten würden solche Daten am liebsten verbergen. Überehrgeizige verzichten ganz auf das Gerät - denn ohne dieses sind sie für die anderen nicht sichtbar.

Die meisten akzeptieren es aber als geringeres Übel und fliegen mit solchen „Flarm“-Computern. Zumal die kleinen Kästchen mit rund 600 Euro erschwinglich sind. „Im Vergleich zum sechsstelligen Anschaffungspreis eines Flugzeuges ist das gar nichts“, sagt Gmelin. Leider seien sie bei Wettkämpfen nicht zwingend vorgeschrieben. „Darüber“, so der Bundestrainer, „muss man dringend reden.“ Für Piloten mit Investitionsbereitschaft gibt es übrigens schon die nächste Generation des Warngerätes. Dies verfügt dann - für ein paar Euro mehr - über einen „Stealth-Modus“, mit dem man dann quasi mit Tarnkappe fliegen kann.

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