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Olympiade in Russland : Schachbund in der Zwickmühle

„Natürlich hätten wir gerne gehabt, dass die Besten antreten”: Der Schachbund schickt eine Nachwuchsmannschaft nach Russland Bild: picture-alliance/ dpa

Zur Schach-Olympiade im Herbst in Russland schickt Deutschland nur eine Nachwuchsmannschaft. Die Spitzenspieler konnten sich mit dem deutschen Verband nicht auf ein Honorar einigen - doch sie brauchen das Geld zur Vorbereitung.

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          Der Deutsche Schachbund kann sich seine eigenen Spitzenspieler nicht leisten. Zur Schacholympiade im Herbst in der russischen Stadt Khanty-Mansiysk (21. September bis 3. Oktober) wird er deshalb nicht die vier nach Spielstärke führenden deutschen Schachspieler, Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman und Jan Gustafsson schicken. Sie haben sich mit dem Verband nicht auf ein Antrittsgeld einigen können und deswegen abgesagt. Als Folge wird die Mitgliedschaft der vier Absager im Nationalkader nach Angaben von Sportdirektor Horst Metzing bis zum Jahresende ruhen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          „Natürlich hätten wir gerne gehabt, dass die Besten antreten und ich bedauere, dass das nicht geklappt hat“, sagt Robert von Weizsäcker, der Präsident des Deutschen Schachbundes. Der Betrag, den die Spieler eingefordert hätten, sei allerdings nicht aufzubringen gewesen. Konkret geht es um das Honorar, das jeder Spieler schon dafür bekommt, dass er für Deutschland bei der Olympiade überhaupt an die Bretter geht. Dieses zahlt nicht der Deutsche Schachbund selbst, er übernimmt Hin- und Rückflug, Übernachtungen und auch die Teilnahmegebühr an den Weltschachbund (Fide).

          Es geht auch um grundsätzliche Fragen

          Geld für zusätzliches Honorar erbringt üblicherweise eine Gesellschaft namens Deutscher Schachbund Wirtschaftsdienst GmbH, die in Diensten des Schachbundes steht, diesem aber nicht gehört. Mit ihr verhandeln die Spieler. In diesem Fall sei der Unterschied zwischen der Forderung der Spieler und dem Angebot, das die Gesellschaft ihnen unterbreiten konnte, zu groß gewesen. „Das Angebot war das Maximale dessen, was finanziell möglich ist“, sagt von Weizsäcker. Dem Vernehmen nach liegen die Forderungen der Spieler um insgesamt bis zu 20.000 Euro darüber.

          „Ich habe immer gerne für mein Land gespielt”: Jan Gustafsson ist einer der Spieler, die zuhause bleiben

          Dass die Olympiateilnehmer ein Antrittsgeld bekommen sollen, das üblicherweise zumindest in Teilen vom spielerischen Erfolg abhängt, ist grundsätzlich unstrittig. Der Verband und die Spieler begründen das damit, dass die Olympiateilnehmer sich auf das Turnier vorbereiten und im Idealfall auch andere Schachprofis anheuern müssen, die ihnen auch während der Schacholympiade in der Vor- und Nachbereitung der Partien assistieren. Der aus Hamburg stammende deutsche Spitzenschachspieler Jan Gustafsson, der in dieser Sache für die vier Spieler gesprochen hat, nennt denn auch einen Trainer und ein erwünschtes Trainingslager als wichtige Gründe für die Honorarforderung. „Mit der geforderten Summe hätten wir beides ungefähr bezahlen können“, sagte er. Auch Gustafsson bedauert, dass Deutschland diesmal nicht mit den besten Spielern zur Olympiade fahren kann. „Ich habe immer gerne für mein Land gespielt und empfinde das als eine große Ehre.“ Das Angebot für ihn und die anderen drei sei allerdings zu gering gewesen.

          Nach Ansicht Gustafssons geht es bei der Auseinandersetzung aber auch um grundsätzliche Fragen, nämlich um die Stellung der Spitzenspieler und der Leistungsförderung innerhalb des Deutschen Schachbundes insgesamt. Bereits im März hätten er und die anderen drei sich an den Verband mit den höheren Forderungen gewandt und dabei den Wunsch vorgetragen, dass sich der Verband mehr um seine besten Leute kümmern solle. „Was uns fehlt, ist zum Beispiel ein regelmäßiges Training – sei es in der Gruppe, sei es individuell; da muss vom Schachbund einfach mehr kommen.“ Auch wenn er wisse, dass die Mittel und Möglichkeiten des Verbands begrenzt sind, könne das nicht nur zu Lasten der Spitzenförderung gehen.

          Mit Nachwuchsmannschaft zur Olympiade

          Um doch noch die Teilnahme der vier zu ermöglichen, haben zuletzt er selbst und Schachbundpräsident von Weizsäcker öffentlich um Spenden gebeten. Nach Angaben Gustafssons kam aber nicht genug Geld zusammen. Deshalb hätten er und seine drei Mitstreiter die Konsequenzen gezogen und schließlich abgesagt. „Wir machen das auch, um auf die hinter der Olympiade stehenden Probleme deutlich zu machen“, sagte er. Was daraus wird, ist noch unklar. Zwischen den Spielern und Repräsentanten des Schachbundes soll es ein Gespräch über deren künftige Rolle geben. „Ich glaube und hoffe nicht, dass das Tischtuch zwischen den Spielern und uns zerrissen ist“, sagt von Weizsäcker.

          Unterdessen hat Bundestrainer Uwe Bönsch nun aufgrund des aktuellen Nominierungstermins Rainer Buhmann, Sebastian Bogner, Falko Bindrich und Martin Krämer und als Ersatzspieler Niclas Huschenbeth für die Olympiade aufgestellt, eine Nachwuchsmannschaft also.

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