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Kletterer Markus Bendler : Das besondere Gespür fürs Eis

Eine Szene wie aus einem Fantasyfilm: Markus Bendler in einem gefrorenen Wasserfall Bild: Hermann Erber

Markus Bendler ist der König der Eiskletterer. Er ist Weltmeister. Doch der wahre Reiz liegt nicht im Wettkampf, sondern in der Natur, an den großen, gefrorenen Wasserfällen und in der Suche nach neuen, noch unbegangenen Routen.

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          Es gibt einen Moment in dem Film „Reality Check“, der alles einfängt, was Eisklettern bedeuten kann. Markus Bendler und sein Partner krallen sich in eine nahezu senkrechte Eiswand, zwei winzige Männchen in einem mächtigen gefrorenen Wasserfall, einem eisigen Irrgarten mit bizarr erstarrten Formationen. Es ist eine Szene wie aus einem Fantasyfilm, mit einer traumgleichen Kulisse, grandios, surreal, wie von einer anderen Welt. Plötzlich rumpelt es gewaltig, zwei Meter neben den Kletterern bricht die halbe Wand ab, mächtige Eistrümmer stürzen in sich zusammen, poltern donnernd über die Felsen nach unten. „Angst!!!!“, hat Bendler das Foto dieses Augenblicks überschrieben, mit vier Ausrufezeichen. Es war in Japan, „wir wollten noch eine Erstbegehung machen“, erzählt er im Film. „Es war von der Jahreszeit her schon recht spät, die Sonne war schon drin, aber wir wollten es trotzdem probieren.“ Kleine Pause. „Ja.“ Wieder kleine Pause. „Das war kein guter Entschluss.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Wenn man viel erlebt hat“, sagt Markus Bendler, „wird man vorsichtiger.“ Bendler hat viel erlebt, in jeder Hinsicht. Der 26 Jahre alte Österreicher ist Weltmeister im Eisklettern, er ist Europameister, er hat in den vergangenen beiden Jahren jeweils den Gesamtweltcup gewonnen. Doch er hat auch ganz andere Erfahrungen gemacht, den tödlichen Unfall von Harald Berger etwa, Bendlers Vorgänger als Weltmeister. Mit Berger hatte er oft trainiert, er hatte ihm vieles beigebracht über das Eisklettern. Im Dezember 2006 wurde der Österreicher, 34 Jahre alt, beim Training von einer riesigen überhängenden Eisscholle, die sich plötzlich gelöst hatte, begraben. Bendler hing zwei Meter neben Berger im Eis, er sprang zur Seite weg, blieb unverletzt. Nichts hatte auf die Möglichkeit eines Einsturzes hingedeutet. Bendler hat gelernt, aus dieser und aus anderen Erfahrungen, im Zweifelsfall verzichtet er auf den Einstieg in eine Route, oder er dreht, wird er unterwegs unsicher, um. „Das Restrisiko ist groß genug“, sagt er. Für ein zusätzliches kalkuliertes Risiko ist da kein Platz.

          Eiskletterer müssen leidensfähig sein

          Eiskletterer sind keine Hasardeure, sie kennen die Gefahren ihres Sports, und sie wissen sie zu respektieren. Das beginnt bei der Einschätzung des Eises. Es gibt verschiedene Parameter wie Temperaturverlauf, Wind, Sonne, die den Aufbau des Eises beeinflussen. So ist etwa blaues Eis ein Hinweis auf solides, gutes Eis; scheint das Eis dagegen von hinten schwarz durch, ist das ein Signal, dass es hinterspült sein könnte, dass die Bindung zum Fels nur noch schwach ausgeprägt ist. Bendler verlässt sich in seiner Einschätzung vor allem auf diesen „visuellen Check“, die Suche nach Anzeichen wie Spannungsrissen oder Wasserläufen, nach Indikatoren, die ihm sagen, wie das Eis beschaffen ist, ob es an diesem Tag taugt zum Klettern oder nicht.

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