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Die Gangster und das Kricket : Spielplatz der Unterwelt

Volkssport: Kinder spielen vor dem Taj Mahal Kricket (Foto vom 19. Februar 2011) Bild: dpa

Banden missbrauchen Kricket in Indien und Pakistan für kriminelle Geschäfte. Spiele werden manipuliert, Spieler erhalten Morddrohungen. Bei der WM werden Anschläge befürchtet. Über den Abstieg des einstigen Gentleman-Sports.

          Dawood Ibrahim ist ein gefährlicher Mann. Waffenhandel, Drogenschmuggel, Erpressung, Geldwäsche, Auftragsmord – die Liste der verbrecherischen Taten ist lang. Seine Verbindungen zu islamischen Terrororganisationen machen ihn zum Staatsfeind. Sicherheitskreise nehmen an, dass er in Pakistan untergetaucht ist und sein Aussehen durch eine Gesichtsoperation verändert hat. Das Netzwerk bleibt trotz seines Verschwindens eine permanente Bedrohung – gerade jetzt, wenn der indische Subkontinent durch eine Massenveranstaltung auf besondere Weise ins Blickfeld gerät.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gebannt werden die Fans in den nächsten sechs Wochen die Kricket-Weltmeisterschaft verfolgen. Die Begegnungen zwischen den Kricketnationen finden in drei Ländern statt – Indien, Sri Lanka und Bangladesch. Eine Region, in der die Menschen bei diesem Sport schnell in Hysterie geraten und die größten Stars wie nirgendwo anders vergöttert werden. Topspieler wie der indische Schlagmann Sachin Tendulkar sind Nationalhelden. Zum Auftakt besiegte sein Team die Auswahl Bangladeschs. Doch das Spektakel der nächsten Wochen hat eine dunkle Seite, nicht nur, weil Unsicherheit wegen möglicher Anschläge in übervölkerten WM-Städten herrscht. Die größte Gefahr für die Zukunft des Krickets sind Schiebung, Manipulation, kriminelle Machenschaften.

          Gangsterbanden und Unterweltgrößen wie Dawood Ibrahim mischen seit Jahren im Hintergrund mit. Es geht um illegale Millionen, schmutziges Geld und verbotene Wetten. Gerade erst wurden drei der besten Kricketspieler Pakistans ausgeschlossen und vom Weltverband ICC mit Sperren bis zu zehn Jahren belegt. Die pakistanische Mannschaft gehört zum Kreis der WM-Favoriten. Kapitän Salman Butt sowie Mohammad Asif und Mohammad Amir wurde nachgewiesen, beim Test gegen das englische Team im vergangenen Jahr in London auf dem Spielfeld manipulierend eingegriffen zu haben. Für ein Schmiergeld von 250.000 Dollar sorgten die drei pakistanischen Star-Bowler dafür, dass in abgesprochenen Momenten Bälle nicht dorthin gebracht wurden, wo sie eigentlich hinsollten, und am Ende skrupellose Buchmacher einen schönen Schnitt machten. Es handelte sich um sogenannte No-Balls. Aufgedeckt hatte den Skandal das berüchtigte Boulevardblatt „News of the World“, das im Herbst zwei bestechliche Topfunktionäre des Internationalen Fußball-Verbandes auffliegen ließen. Später ermittelte Scotland Yard. Aber wie immer blieben auch diesmal die Drahtzieher unentdeckt.

          Permanente Bedrohung: Undatiertes Foto von Dawood Ibrahim

          Indien nimmt eine zentrale Rolle ein

          Der Weltverband feierte das Urteil gegen die drei Pakistaner als Erfolg, obwohl die Übeltäter nicht durch eigene Investigationen überführt worden waren. „Das ist ein klares Signal. Wir tun alles, damit die WM sauber bleibt“, hieß es vom ICC. Doch die Realität sieht anders aus. Spielmanipulationen scheinen massiv zuzunehmen. Die besten Nationalteams hatten schon Fälle in den eigenen Reihen. Einige Spieler erhielten Strafen, es gab auch Verbände, die versuchten zu vertuschen. Während im Fußball die organisierte Kriminalität vorerst ein Problem der zweiten oder dritten Reihe zu sein scheint, sind im Kricket höchste Spielerkreise in die Machenschaften involviert.

          Als zur Jahrtausendwende mit dem Südafrikaner Hansie Cronje einer der besten Schlagmänner der Welt als Betrüger entlarvt wurde, zeigte sich die Öffentlichkeit schockiert. Schon damals erwies sich, dass Indien eine zentrale Rolle einnimmt bei den Kricket-Gaunereien. Der gefallene Star vom Kap war über Mittelsmänner von indischen Buchmachern geschmiert worden. Wetten sind ein riesiger Markt.

          Angeblich setzen die Inder 30 Milliarden Dollar im Jahr auf ihren Lieblingssport – ein Nährboden für krumme Geschäfte. Die Zeitung „Times of India“ berichtete zuletzt, dass auf jedes Spiel der weltweit populären indischen Profiliga in der vergangenen Saison im Schnitt 118 Millionen Pfund gesetzt worden seien. Der Gesamtumsatz für die knapp sechs Wochen hätte bei elf Milliarden gelegen. Das Finale, welches die hochfavorisierten Mumbai Indians gegen die Chennai Super Kings verloren, soll verschoben worden sein.

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