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Darts-WM : „Power Cut“ bei Phil Taylor

Aus der Traum: 2011 heißt der Darts-Weltmeister nicht Phil Taylor Bild: AFP

Phil Taylor muss auf seinen 16. Weltmeistertitel warten. Die Legende des Darts-Sports hat in der Nacht zum Sonntag den Einzug ins Halbfinale der WM in London verpasst. Das ungewöhnlich frühe Aus hatte sich angedeutet.

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          Der Blick von Phil Taylor verriet alles: Mit weit aufgerissenen Augen starrte der 15-malige Weltmeister im Darts auf die 2,37 Meter entfernte Scheibe. Der letzte Pfeil, der ihn noch einmal ins Spiel hätte zurückbringen können, landete knapp neben dem anvisierten Ziel, der Traum vom nächsten Titelgewinn des Rekordweltmeisters war beendet. Mark Webster musste nur noch eine Formalie erledigen und seinen Dart in die Zweifach-Zwanzig werfen und perfekt war die Sensation: Statt der 50 Jahre alten Legende des Darts darf nun ein 27 Jahre alter Waliser am Sonntagabend gegen Adrian Lewis um den Einzug ins Finale kämpfen. „Ich habe meine Chancen genutzt“, sagte Webster, der 2008 immerhin schon einmal den weniger bedeutenden Weltmeistertitel des Konkurrenzverbands BDO gewonnen hat. „Das ist der größte Sieg meiner Karriere.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Webster hatte Taylor zuvor nach allen Regeln der Kunst in 5:2 Sätzen besiegt (ein Satz besteht aus maximal fünf Einzelspielen), immer wieder hatte er die 501 Punkte mit seinen Pfeilen und den insgesamt 82 Wertungsfeldern auf der Dartscheibe schneller heruntergespielt als Taylor. Vor allem beim „Auschecken“, dem exakten Beenden eines Spiels per Wurf ins 50 Punkte zählende Bull's Eye oder das passende der 20 Zweifach-Felder auf dem äußeren Ring der Scheibe, erwies sich Webster erstaunlich viel zielsicherer als Taylor, der ungewöhnlich viele Chancen ausließ. „Er war der bessere Spieler ohne jeden Anflug eines Zweifels“, sagte der faire Verlierer Taylor später. „Ich kann die Niederlage verkraften, weil er einfach besser spielte als ich.“

          Langanhaltende Krise

          Mit dem ungewohnt frühen Ausscheiden Taylors - nur 2008 hatte er zuvor bei einer der bislang 17 Weltmeisterschaften der 1992 gegründeten Professional Darts Corporation (PDC) ein Halbfinale verpasst - werden die Spekulationen um das mögliche Ende der scheinbar unendlichen Vorherrschaft des in der Szene ehrfurchtsvoll mit „The Power“ angesprochenen Taylor aufflackern. Englische Medien sprachen deshalb nach der Viertelfinalniederlage in Anspielung an Taylors Spitznamen von einem „Power Cut“ (Stromausfall).

          Denn schon während der gesamten vergangenen Saison zeigte der Engländer ungewohnte Schwächen und musste bittere Niederlagen verkraften. Zudem zweifelte er zuletzt an seiner Sehkraft. Bei einem Turnier trat er mit einer Brille an, gab das Experiment aber nach einer Niederlage wieder auf. Womöglich will er sich nun in Kürze einer Augenlaser-Operation unterziehen, um zu alter Stärke zurückzukehren (siehe auch: Darts-WM: Aufstand in Phil Taylors Wunderland)

          Webster nun gegen Taylors Rächer

          Solange Taylor schwächelt, dürfen die Konkurrenten hoffen - zumal auch Taylors alter niederländischer Rivale und Weltmeister von 2007 Raymond van Barneveld im Viertelfinale ausgeschieden ist und somit auf jeden Fall ein neuer PDC-Weltmeister gekürt werden wird. Als Favorit unter den vier verbliebenen Pfeilewerfern gilt nun Gary Anderson, der im Turnierverlauf die höchsten Durchschnitts-Werte in den jeweils aus drei Würfen bestehenden Versuchen und die meisten Maximalwürfe von 180 Punkten (drei Würfe in die Dreifach-20) erwarf. Der Schotte hat zudem mit Terry Jenkins den vermeintlich leichtesten Gegner im Halbfinale am Sonntagabend (20 Uhr/ live auf Sport1).

          Webster hat hingegen eine besonders brisante Aufgabe auf dem Weg ins Finale am Montagabend zu erledigen: Er spielt gegen Adrian Lewis, eine Art Ziehsohn von Taylor. Lewis kommt wie die Darts-Legende aus dem Städtchen Stoke-on-Trent und dürfte sich wohlfühlen in der Rolle des Rächers seines langjährigen Mentors und Trainingspartners. (siehe auch: Darts-WM in London: Spielplan und Ergebnisübersicht)

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