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Boxlegende Joe Frazier ist tot : Drama ohne Happy-End

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Der „Kampf des jahrhunderts“: Joe Frazier schlägt Muhammad Ali im März 1971 in New York Bild: dapd

Im „Kampf des Jahrhunderts“ hatte er einst Muhammad Ali bezwungen. Im „Thrilla von Manila“ war er dem Tode nah. Joe Frazier, einer der Großen des Boxsports, ist an einem Leberkrebsleiden gestorben.

          Ohne Muhammad Ali wäre Joe Frazier nur ein x-beliebiger schwarzer Champion gewesen. Einer wie Ezzard Charles oder Jersey Joe Walcott. Die Rivalität, ja Feindschaft mit dem charismatischsten Weltmeister der Schwergewichtsgeschichte; die beiden epischen Jahrhundertkämpfe „Fight of the Champions“ 1971 und „Thrilla in Manila“ 1975 zwischen dem eleganten Ästheten Ali und der bulligen Kampfmaschine Frazier machten „Smokin’ Joe“, so sein Markenname, selbst zur Legende. Während Muhammad Ali, seit einem Vierteljahrhundert von Parkinson gezeichnet, seinem 70.Geburtstag am 17.Januar 2012 entgegenleidet, ist Joe Frazier in der Nacht zum Dienstag nach kurzer Zeit des Schmerzes in seiner Heimatstadt Philadelphia an Leberkrebs gestorben.

          Die tödliche Krankheit war erst vor einem Monat festgestellt worden, wie sein Manager Leslie Wolff mitteilte. Noch bis September sei Frazier regelmäßig öffentlich aufgetreten und habe zuletzt in Las Vegas eine Autogrammstunde gegeben. Der Olympiasieger von 1964 und Weltmeister von 1970 bis 1973 wurde nur 67 Jahre alt.

          Fast immer kampfbereit: Joe Frazier posiert im Jahr 2006 Bilderstrecke

          Frazier hatte als souveräner Sieger der Nachfolgeturniere das alleinige Erbe des wegen Wehrdienstverweigerung verbannten Ali angetreten. Doch der Schatten des „Größten“ verdunkelte seine Herrschaft in der Königsklasse. Frazier war Weltmeister geworden, ohne den Weltbesten jener Epoche besiegt zu haben. Das Championat war unvollkommen. Keiner spürte das Schattendasein empfindlicher als Joe Frazier selbst.

          Der Weltmeister ohne Glanz reichte sogar eine Petition bei Präsident Richard Nixon ein, Ali doch bitte wieder in den Ring zu lassen. Der Oberste Gerichtshof ermöglichte nach dreieinhalb Jahren Alis Comeback und Fraziers historischen Triumph im Duell zweier unbesiegter Champions im bis dahin gigantischsten Spektakel der Boxgeschichte.

          Von Muhammad Ali getroffen: Joe Frazier im Oktober 1975 in Manila

          Es war der 8.März 1971 im New Yorker Madison Square Garden: Ein brutaler linker Haken Fraziers ans Kinn schmetterte Ali in der 15.Runde zu Boden. Der berühmte Schlag reichte zwar nicht zum K.o., manifestierte aber den Punktsieg Fraziers, die Krönung und Anerkennung als einzig wahrer Champion. Den Ruhm nutzte der Fighter, um als Sänger mit seiner Rockband „The Knockouts“ auf Tournee zu gehen - mit mäßigem Erfolg.

          Der Thrilla in Manila

          Viereinhalb Jahre später folgte der zweite große Showdown: Frazier hatte seinen Titel schmachvoll - sechs Niederschläge bis zum Abbruch in der 2. Runde - an George Foreman und die Revanche in einem WM-Ausscheidungskampf im Januar 1974, - nun ohne Titel - gegen Ali nach Punkten verloren. Ali wiederum hatte Foreman in Kinshasa entthront. Der „Thrilla in Manila“ wurde zu einer dramatischen Schlacht im Angesicht des Todes.

          Sie verachteten einander, aber sie brauchten einander auch für ihren Ruhm: Joe Frazier und Muhammad Ali im Juli 2002 in Hollywood

          Trainer Eddie Futch ließ am schwülheißen Vormittag des 1.Oktober 1975 Joe Frazier zur 15.und letzten Runde nicht mehr antreten. „Nein, Eddie, das kannst du mir nicht antun“, protestierte ein entsetzlich gezeichneter Frazier. „Setz dich mein Sohn. Du kannst nichts mehr sehen. Es ist vorbei“, entschied Futch und sagte später: „Der nächste Schlag hätte tödlich sein können.“

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