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Radsport : „Zwitter“ Zabel: Vierter Sieg bei der „Classicisima“?

  • -Aktualisiert am

Erik Zabel: dreifacher Sieger bei Mailand - San Remo Bild: dpa

Klassiker-König oder Sprint-Spezialist? Erik Zabel will vielseitig bleiben - und zunächst zum vierten Mal bei Mailand - San Remo triumphieren.

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          Klassiker-König oder Sprint-Spezialist? Erik Zabel ist´s eigentlich egal, solange er die Erfolge des Vorjahres wiederholen kann. Zum Beispiel am Samstag beim ersten Klassiker der Saison, dem Eintagesrennen Mailand - San Remo.

          Die Frage, ob er denn nun ein Mann für Sprintankünfte bei Rundfahrtetappen sei oder eher ein Spezialist für die klassischen Eintagesrennen des Frühjahrs, kann Erik Zabel mittlerweile selbst nicht mehr beantworten. Zum vierten Mal gewann er bei der Tour de France im vergangenen Jahr das grüne Trikot des Spurtstärksten. Nebenbei verdiente er sich durch Siege bei Mailand-San Remom und dem Amstel Gold Race sowie dritte und vierte Plätze bei Paris-Roubaix und der Flandern-Rundfahrt das Hemd des Gesamtsiegers im Weltcup.

          Eddy Merckx siegte sieben Mal

          Als „Zwitter“ bezeichnet sich Zabel deshalb selbst, als einer der weder das eine ist noch das andere. Oder eher beides? In jedem Fall ist Zabel der Sprinter, der am besten über die Berge und Rampen kommt, die bei den Frühjahresrennen oft entscheiden. Und unter den Spezialisten für Eintagesrennen ist er der schnellste. Vielleicht ist das der Grund, warum er Mailand - San Remo, seit 1907 die eigentliche Eröffnung der Profisaison, als sein Rennen bezeichnet. Zum vierten Mal, wie Gino Bartali, möchte er es an diesem Samstag gewinnen. Öfter hat die „Classicisima" nur Eddy Merckx gewonnen, der sieben Mal als Erster nach 294 Kilometern an der Riviera ankam.

          Die Dramaturgie von Mailand - San Remo ist wie auf den „Zwitter“ Zabel zugeschnitten. 230 Kilometer lang rollt das mit knapp 300 Fahrern größte Feld im Profiradsport vom häufig noch nasskalten Mailand in Richtung der warmen Mittelmeerküste, bevor die ersten Berge Unruhe in den Rennverlauf bringen. Capo Mele, Copa Berta und Cipressa heißen die ersten Prüfungen, die mit nicht mehr als rund 200 Höhenmetern jedoch keine ernste Herausforderung darstellen.

          Ernst wird es meist erst am Poggio di San San Remo. „Du bist kurz vorm Ziel und weißt, jetzt geht die Post ab, jetzt darfst du dir keinen Fehler mehr leisten", schildert Zabel die Situation an der entscheidenden Erhebung, knapp sechs Kilometer vor der Ziellinie. „Und du hoffst einfach, dass keiner mehr weggeht.“

          Die großen Gegner: Tchmil, Cipollini und Bartoli

          Zabels Sprinterrivalen wie dem italienischen Star Mario Cipollini werden die Erhebungen vor San Remo regelmäßig zum Verhängnis. „Ich weiss gar nicht mehr, was ich hier zu suchen habe", hatte Cipollini im vergangenen Jahr vor dem Rennen resigniert, wohl wissend, dass er nicht mitkommt, wenn die Stärksten mit voller Geschwindigkeit und großer Übersetzung über die Hügel stampfen. Zabel hingegen hat damit kein Problem. Und wenn er mit den Besten den Poggio hinuntergeschossen kommt, wird es für die verbliebenen Mitfavoriten schwer, den Deutschen im Sprint zu fordern.

          In den vergangenen vier Jahren ist dies nur einem gelungen, dem Weißrussen mit belgischem Paß: Andrej Tchmil. Tchmil ist für seine langgezogenen Sprints gefürchtet - 1999 konnte er Zabel und die anderen mit einer Attacke vom Fuß des Poggio bis zum Ziel überraschen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert, holte das Team Telekom daraufhin Cipollinis stärksten Helfer Gian Matteo Fagnini. Der behielt im vergangenen Jahr für Zabel die Übersicht. An der Spitze fuhr Fagnini über den Poggio, Zabel brauchte nur seinen Partner im Blick zu behalten. Mustergültig brachte der Italiener auf der Zielgeraden dann seinen deutschen Herrn in Position.

          Tchmil wird voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder der härteste Gegner von Zabel sein. Aber auch den Weltmeistern der vergangenen beiden Jahre, dem Letten Roman Vainstains und dem Spanier Oscar Freire-Gomez dürfen getrost gute Aussichten bescheinigt werden. Wie Zabel kommen sie für Sprinter vergleichsweise gut über die Berge. Für die Italiener wird es indes schwer, erstmals seit Gabriele Colombo 1996 auf der Via Roma zu gewinnen. Die besten Aussichten hat der Weltcupsieger von 1997, Michele Bartoli, der in diesem Jahr schon den belgischen Saisonauftakt Omloop Het Volk gewann.

          Klier und Elli sollen helfen

          Für Zabels Aussichten, in der Siegerliste von Mailand - San Remo mit Gino Bartali gleichzuziehen, spricht nicht zuletzt eine weitere Verstärkung in den eigenen Reihen. An seiner Seite hat Zabel in diesem Jahr neben Fagnini sowie dem Zweiten von 1997, Alberto Elli, den Münchner Andreas Klier. Für seinen bisherigen Kapitän Peter van Petegem bei der holländischen Mannschaft Farm Frites war Klier in den vergangenen drei Jahren jeweils bis über den Poggio und kurz vor dem Ziel vorne mit dabei.

          Die Teamleitung hat also für alle Eventualitäten gesorgt. Ebenso wie Zabel selbst, der im Winter sogar Sechstagerennen fuhr, um dem Stehvermögen eines Andrej Tchmil Paroli bieten zu können. Dennoch hütet sich Zabel davor, einen Sieg anzukündigen: „Kein Rennen ist so unberechenbar wie Mailand - San Remo." Und seine persönliche Taktik? „Nichts verpassen und immer da sein, wo eine Entscheidung fallen könnte."

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