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Radsport : Von Leibwächtern und Wasserträgern im Gegenwind

  • -Aktualisiert am

Flankenschutz: Jan Ullrich zwischen Alexander Winokurow und Giuseppe Guerini Bild: dpa

Kein Profiradrennen wird gewonnen ohne eine funktionierende Mannschaft. Nur wer im Windschatten seiner Teamkollegen fahren kann, darf sich auch Hoffnungen auf den Sieg machen.

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          Eigentlich ist Radfahren eine Einzelsportart. Eigentlich. Aber als Einzelkämpfer hätte man bei der Tour de France keine Chance. Man würde zwar ins Ziel kommen, aber gewinnen könnte man nie. Warum?

          Ein Sieg bei einem Profiradrennen, egal ob Tour, Giro d`Italia oder Rund um den Henninger Turm, ist nur mit einer funktionierenden Mannschaft möglich. Das Einzelne wird zum einem Ganzen zusammengefasst, um wiederum einem Einzelnen zum Erfolg zu führen.

          Wie eine Fußballmannschaft

          Denn im Prinzip funktioniert ein Radteam auch nicht anders als eine Fußballmannschaft: Es gibt Verteidiger, andere sorgen für die Vorlagen, die wiederum von den Stürmern verwandelt werden. Alles muss passen, ohne den Mann, der einen „Tödlichen Pass“ spielen kann, steht der beste Stürmer auf verlorenen Posten.

          Kapitän: Jan Ullrich

          Was hat das nun mit Radsport zu tun? Der Chef einer Mannschaft heißt Kapitän, das ist der Fahrer, der auserkoren wurde, um das Rennen zu gewinnen. Beim Team Telekom ist der Kapitän für die Tour de France Jan Ullrich. Er soll siegen, wie 1997. Sein Erfolg ist vergleichbar mit dem Tor, was der Mittelstürmer einer Fußballmannschaft schießen soll. Das schafft er nicht alleine, sondern bedarf einer mannschaftlichen Vorbereitung. Also haben seine acht Kollegen vom Team Telekom alles zu tun, damit Ullrich die Tour abermals gewinnt.

          Keine Störungen für den Kapitän

          Zwei Hauptaufgaben gibt es: Entweder muss der Abstand des Kapitäns zum Gesamtersten aufgeholt, oder die eigene Führung verteidigt werden. So einfach, und doch so schwer. Gemeinhin werden die Helfer der Kapitäne Wasserträger bezeichnet, und das ist wörtlich zu nehmen. Denn ein Wasserträger muss tatsächlich während des Rennens seinen Chef mit Getränken versorgen, mit Proviant auch. Er muss ihm aber auch Windschatten geben und schlimmstenfalls bei einem Defekt sein Rad überlassen. Alles muss getan werden, damit der Kapitän störungsfrei und so kraftsparend wie möglich voran kommt. Bei Jan Ullrich sind das in den Bergen Ex-Armstrong-Helfer Kevin Livingston, der Italiener Giuseppe Guerini, Alexander Winokurow aus Kasachstan und Udo Bölts, der übrigens zum zehnten Mal bei der Tour ist. Den Adjutanten für den Telekom-Kapitän bei den Flachetappen spielen Jens Heppner, Andreas Klöden und Steffen Wesemann.

          Die Organisation einer solchen Mannschaft wird generalstabsmäßig geplant. Vor jederTour-Etappe fährt eine Art Scout der Mannschaft mit dem Auto die Strecke ab und unterrichtet die Mannschaftsleitung über die Beschaffenheit des jeweiligen Tagesabschnitts. Wo ist der Belag schlecht? Wo sind enge Ortsdurchfahrten? Wo könnte starker Gegen- oder Seitenwind wehen?

          Einsatzkommando per Funk

          Der Sportliche Leiter des Teams trägt alle Informationen in ein Logbuch ein und weist seine Fahrer während der Etappe darauf hin. Per Funk. Heuzutage habe alle Fahrer ständigen Funkkontakt zu ihren Leitern, das finden die meisten Fahrer gut, nur ein alter Recke wie Telekomprofi Udo Bölts findet die Kommandos durch die Kopfhörer unmöglich: „Dann bestimmen nur noch die Sportlichen Leiter das Rennen. Vor allem Neuprofis verlieren jede Selbständigkeit und werden nur noch aktiv, wenn die Anweisung über Funk kommt.“

          Auf Bölts wird aber in diesem Fall keine Rücksicht genommen, ohne Knopf im Ohr geht heute nichts mehr. Startet die Mannschaft von Lance Armstrong, dem Toursieger der vergangenen beiden Jahre, eine Attacke, dann knackt es in den Ohren der Telekomprofis: „Hinterher.“ Schuften. Manche Fahrer sind dazu auserkoren und müssen härter ackern als die Kollegen, also fast pausenlos im Gegenwind strampeln.

          Die Siegprämien werden geteilt

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