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Radsport : Vandenbroucke unter Dopingverdacht

  • Aktualisiert am

Comeback beendet: Frank Vandenbroucke Bild: dpa

Im Haus des belgischen Radprofis Frank Vandenbroucke hat die Polizei eine Reihe von Dopingpräparaten gefunden.

          2 Min.

          Nach dem Doping-Fall des Skilanglauf-Olympiasiegers Johann Mühlegg stehen wieder die Rad- Profis am Pranger. Frank Vandenbroucke sorgte in seinem Heimatland Belgien, und der ehemalige Telekom-Profi Alberto Elli in Italien für spektakuläre Doping-Schlagzeilen.

          Im Haus von Vandenbroucke, der in der Vergangenheit sogar als möglicher Nachfolger von Eddy Merckx gehandelt wurde, fand die Polizei Morphium, EPO und Clenbuterol. Weitere Medikamente wurden sichergestellt, aber noch nicht analysiert.

          "Ende der Karriere Vandenbroucke"

          Der 27-jährige Vandenbroucke, dessen Domo-Rennstall ihm daraufhin am Donnerstag fristlos kündigte, wurde zusammen mit seinem französischen Betreuer Bernard Sainz des Besitzes illegaler Produkte angeklagt. Im Gegegensatz zu Sainz, der in Polizei-Gewahrsam blieb, wurde Vandenbroucke nach dem nächtlichen Verhör am Donnerstag vorerst wieder auf freien Fuß gesetzt. Das bestätigten die Justizbehörden in Termonde in Nordbelgien.

          „Das ist das Ende der Karriere von Vandenbroucke“, sagte der belgische Nationaltrainer Jose de Cauwer. Elli leugnete Doping vor der Gesundheitspolizei in Florenz und verstrickte sich in Widersprüche. Im Auto von Sainz, 1999 in späterer Folge des Doping-Skandals von 1998 als „Dr. Mabuse“ zu zweifelhaftem Ruhm in Radsport-Kreisen gelangt, wurden bei einer Geschwindigkeitskontrolle große Mengen Amphetamine gefunden.

          Spritzen bei Elli gefunden

          Der ehemalige Pferdezüchter und selbst ernannte Homöopath war nach eigenen Angaben auf dem Weg zu Vandenbroucke, der schon früher mehrfach mit Doping in Verbindung gebracht worden war. Nach der Verkehrskontrolle erfolgte im Haus des Rad-Profis in Lebbeke eine Hausdurchsuchung. Nach Depressionen, die das einst hoffnungsvollste belgische Radsport-Talent 2001 gequält hatten, arbeitete Vandenbroucke an einem Comeback. Nach dem Gewinn des Weltcup-Rennens Lüttich-Bastogne-Lüttich 1999 war er kaum noch sportlich groß in Erscheinung getreten.

          Elli wurde bei der Gesundheitspolizei NAS mit sieben Spritzen konfrontiert, die bei ihm während des vergangenen Giro d'Italia sichergestellt worden waren. Sie enthielten in sechs Fällen Rückstände von Insulin, in einem Fall Spuren von Wachstumshormonen. Der 37-Jährige, jetzt beim italienischen Team Alexia beschäftigt, bestritt, gedopt zu haben. Vor drei Wochen hatte Elli gegenüber der Teamleitung von Telekom zugegeben, dass sechs Spritzen von ihm stammten. Daraufhin hatten die Bonner den Anwalt für den Italiener zurückgezogen, der 2000 bei der Tour de France vier Tage im Gelben Trikot gefahren war.

          Ludwig: "Verstoß gegen Doping-Regeln"

          Ellis neuer Rechtsvertreter, Schigilliti, äußerte sich nach italienischen Zeitungsberichten zufrieden nach dem Verhör in Florenz, bei dem der Profi jeglichen Medikamentenmissbrauch bestritt: „Ich rechne nicht mit Konsequenzen für Elli.“ Am Freitag soll im Zuge der Giro-Ermittlungen neben weiteren Profis der ehemalige Telekom-Fahrer Giovanni Lombardi, bei dem Coffein gefunden sein soll, verhört werden.

          „Von der Staatsanwaltschaft in Florenz erhielten wir die Analyse der bei der Giro-Razzia sichergestellten Medikamente, die bei vier unserer Angestellten gefunden worden waren. Bei Elli waren demnach Insulin und Wachstumshormone sichergestellt worden. Wir konfrontierten ihn mit den Vorwürfen und er gab zu, sechs der sieben Spritzen hätten ihm gehört. Das stellte einen Verstoß unserer Team- internen Doping-Regeln dar. Deshalb hatten wir unserem italienischen Anwalt das Mandat für Elli entzogen“, erklärte am Donnerstag Telekom- Teamsprecher und frühere Profi Olaf Ludwig.

          Ermittlungen auch gegen Ullrich

          Außer gegen Elli und Lombardi ermitteln die italienischen Behörden beim Team Telekom noch gegen Jan Ullrich und Teamarzt Lothar Heinrich. Bei dem Olympiasieger, der am Freitag aus seinem Trainingslager aus Südafrika zurückerwartet wird und ab 6. März bei der Murcia-Rundfahrt in Spanien starten soll, waren bekanntlich Kortekoide gefunden worden. Sie stehen zwar auf der Doping-Liste, waren Ullrich aber gegen allergisches Asthma ärztlich verordnet worden. Heinrich muss den Besitz von Coffein-Tabletten erklären.

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