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Radsport : Sprint-Star Mario Cipollini steigt vom Rad

  • Aktualisiert am

Vom Erfolg verwöhnt: Mario Cipollini sagt dem Radsport Lebewohl Bild: dpa

„Es gibt für mich keine andere Möglichkeit, als dem Radsport Lebewohl zu sagen“, schreibt Mario Cipollini auf seiner Internetseite.

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          „Dieser Sport verdient mich nicht mehr“, verkündete Mario Cipollini auf seiner Homepage „www.mariocipollini.net“. Still und heimlich in einer Zehn-Zeilen-Meldung kündigte der sonst so schrille italienische Sprintstar nach 14 Jahren und 177 Siegen das Ende seiner Karriere an.

          „Es waren nicht Ermittlungen oder andere Schwierigkeiten, die mich zu dieser Entscheidung bewogen haben“, beeilte sich der 35-Jährige, aufkommenden Dopinggerüchten entgegenzutreten. „Ich wollte schon während des Giro zurücktreten. Die Opfer, die wir bringen, lohnen nicht.“

          Nicht zur Tour eingeladen

          Der Dauerrivale von Telekom-Turbo Erik Zabel rechnet auch mit den Organisatoren der Tour de France ab: „Es ist sehr traurig, wenn man zu Hause sitzt und nicht um den Sieg fahren kann. Auf Grund der momentanen Situation gibt es für mich keine andere Möglichkeit, als dem Radsport Lebewohl zu sagen.“

          Letzter Wink des Sprintstars: Mario Cipollini hört auf

          Wie im Vorjahr hatte die Tour-Leitung Cipollini und sein Team „Acqua e Sapone“ nicht eingeladen und stattdessen zweitklassige französische Teams nominiert. Dabei war Cipollini trotz seiner 35 Jahre in der Form seines Lebens. „Ich könnte bei der Tour noch einigen eine Lehrstunde erteilen“, sagte er: „Bei den Sprintankünften sieht das aus wie ein Nachwuchsrennen.“

          Fehlende finanzielle Anerkennung

          Beim Giro d'Italia fuhr Cipollini in diesem Jahr alles in Grund und Boden, holte seine Etappensiege Nummer 35 bis 40 und rüttelte bereits am Denkmal von Alfredo Binda (41 Tagessiege). Auch beim Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo, den Zabel in der Vergangenheit viermal gewonnen hatte, war er diesmal nicht zu schlagen. Deshalb hofft „Cippos“ Sportlicher Leiter Franco Ballerina, dass es sich „nur um einen bösen Traum handelt“.

          Doch der Rücktritt, über den sich Cipollini in den nächsten Tagen näher äußern will, hatte weitere Gründe. „Ich bin von den Sponsoren enttäuscht. Sie haben meine Arbeit nicht anerkannt“, erklärte der im toskanischen Lucca geborene Sprinter. „Es ist besser, zu Hause zu bleiben und das Familienleben zu genießen.“

          „Cipollini schockt Italien“

          „Er hätte mit uns reden müssen. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet“, sagte Teamchef Vincenzo Santoni, der nun einen Star umstimmen will: „Wir werden versuchen, Lösungen zu finden, auch was das Geld betrifft.“ Santoni hofft, dass Cipollini wenigstens noch die Saison zu Ende fährt, denn bei der WM im belgischen Zolder ist die Strecke auf die Sprinter zugeschnitten.

          „Cipollini schockt ganz Italien“, titelte Tuttosport, denn die Nachricht vom Rücktritt des Sprinters trifft Italiens ohnehin gebeutelten Radsport schwer. Der ehemalige Weltranglistenerste Francesco Casagrande ist bereits zurückgetreten, ob der frühere Tour-Sieger Marco Pantani jemals zurückkehrt, ist fraglich, und die jüngsten Doping-Skandale beim Giro d'Italia sorgen für weiteren Ärger.

          „Playboy des Radsports“

          Cipollini zählt in Italien zu den wenigen Stars, die einen besonderen Status genießen. Dass er sich bei der Tour de France nach Siegen auf den Flachetappen regelmäßig vor den Bergetappen in Richtung seines bevorzugten Badeortes Viareggio verabschiedete, verziehen seine Landsleute dem „Playboy des Radsports“.

          Auch dass er beim Skandal-Giro 2001 als Anführer der Fahrer-Revolte fungierte, nahm ihm in Italien keiner krumm. Cipollini war stets für eine Schlagzeile gut. Als er bei der Tour 1997 das „maillot jaune“ erobert hatte, ließ er sich sein Rad in Gelb färben. Die Geldstrafe nahm er gerne in Kauf.

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