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Radsport-Kommentar : Kehraus

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Auch die vermeintlichen Hoffnungsträger wie Stefan Schumacher sind nicht besser als die alten Doper Bild: dpa

Der Radsport hat seine Seele dem Doping verkauft und kommt nicht mehr davon los. Die Spitzenleute sind Junkies. Sie sagen alle auf Wiedersehen und kommen bei nächster Gelegenheit zurück - genau wie das Doping-Problem.

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          Also gut. Schauen wir bei Nikolaus Brender einmal unter den Teppich. Das will der Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens mittlerweile selbst gern machen. Die positive A-Probe eines angeblichen Hoffnungsträgers im Anti-Doping-Kampf des Straßenradsports, Stefan Schumacher, bringt sogar den mächtigen Fernsehmann dazu, sich für allerlei quotenfressenden Unrat zu interessieren. Und? Ja, was haben wir denn da? Unter Herrn Brenders Teppich kommen hässliche Phänomene zum Vorschein, die in jahrelanger Kehrtätigkeit darunter verschwunden sind. Man werde, sagte Brender, nun in Ruhe abwarten, was noch alles hervorgefegt werde. Und ob der Radsport überhaupt noch zu retten sei.

          Doch in Wahrheit muss Brender nicht warten. Was sich unter seinem Teppich verbirgt, liegt andernorts offen zutage: Der Berufsradsport hat seine Seele dem Doping verkauft und kommt nicht mehr davon los. Die Spitzenleute im Peloton sind Junkies. Sie sind davon überzeugt, dass sie ihren Job nicht ohne Doping-Mittel ausüben können. Und sie fühlen sich dabei unschuldig. Von der Welt nicht verstanden. Wie einsame Extremleister jenseits aller bürgerlichen Bewertungen.

          Es ist trotz vieler Beteuerungen alles beim alten geblieben

          Die Doping-Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF wissen das. Und nun wird es Zeit, dass man sich endlich auch auf den Chefetagen dazu bekennt und auf weitere gebührenfinanzierte Wohltaten für diese unverbesserliche Branche verzichtet. Sprich: Zum zweiten Mal nach der Hals-über-Kopf-Entscheidung von 2007 die Liveberichterstattung von der Tour de France einstellt. Es ist trotz vieler Beteuerungen alles beim alten geblieben. Die handelnden Personen sind noch da. Und auch die Nachwuchsleute, die man der Öffentlichkeit als saubere Generation verkaufen wollte, stehen unter Verdacht.

          Kehren wir ein bisschen weiter, kriechen unter Brenders Teppichfransen auch die Alten wieder hervor. Lance Armstrong etwa, der Fitness-Held, der beabsichtigt, bei der Tour de France 2009 eine Hauptrolle zu spielen. Tour-Chef Christian Prudhomme, angeblich ein Saubermann, hat bereits signalisiert, dass Armstrong willkommen wäre bei der nächsten Großen Schleife. Obwohl der Amerikaner immer noch nicht beantwortet hat, wie die Epo-Spuren in sechs seiner Urinproben von der Tour 1999 gelangen konnten. Gleich hinter Armstrong drängt Alexander Winokurow ans Licht, der überführte Blutdoper aus Kasachstan, der durch ein vorübergehendes Karriereende seine Strafe reduzierte, aber nun wieder aufs Rad steigt. Sie sind alle noch da. Oder wieder da. Sie sagen alle auf Wiedersehen und kommen bei nächster Gelegenheit zurück - genau wie das Doping-Problem. Sie sind der Radsport. Und sie passen unter keinen Teppich mehr.

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