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Radsport : Jan Ullrich denkt schon an die nächste Goldmedaille

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Jan Ullrich: Auf dem Weg zum zweiten WM-Gold in Lissabon ? Bild:

Gold im Zeitfahren hat der Telekom-Radprofi in Lissabon schon geholt. Jetzt peilt Ullrich im Straßenrennen den WM-Titel an.

          Starkes Finish: Dank einer Energieleistung auf den letzten Kilometern überholte Jan Ullrich bei der WM in Lissabon noch die lange vor ihm liegenden David Millar (Schottland) und Santiago Botero (Kolumbien) und gewann zum zweiten Mal nach 1999 in Treviso die Goldmedaille im Zeitfahren.

          "Es war eine lange Saison, und ich habe mich speziell auf die WM vorbereitet", sagte Ullrich, "aber ich habe trotzdem nicht unbedingt mit dem Sieg gerechnet." Titelverteidiger Sergej Gontschar aus der Ukraine hatte auf dem beinharten Kurs mit sechs Steigungen auf jeder der zwei Runden durch den Parque Florestal keine Chancen.

          Der zweite deutsche Starter Jens Voigt, der mit einigen Hoffnungen gestartet war, fand nie den richtigen Tritt und kam nicht unter die ersten Zehn.

          Jan Ullrich: Auf dem Weg zum zweiten WM-Gold in Lissabon?

          Nächster Titel am Sonntag?

          In der ersten Runde, so Ullrich, sei er nur 95 Prozent gefahren, "weil ich wusste, dass die Strecke ausgesprochen schwierig ist und die beiden letzten Anstiege entscheidend sein würden." Erst in der letzten Runde habe er alles gegeben. Das funktionierte ausgezeichnet. Der Telekom-Star lag nach 38,2 Kilometern und 51:49,99 Minuten knapp sieben Sekunden vor Millar, der zeitweise über 20, zur Halbzeit dann noch 18 Sekunden Vorsprung gehabt hatte.

          Die Aufholjagd spricht für Ullrichs hervorragende Spätform, der nun den nächsten Titel vor Augen hat: Am Sonntag will der Doppelweltmeister im Kampf gegen die Uhr erstmals auch als Profi auf der Straße - wie schon im Vorjahr bei Olympia in Sydney - triumphieren. Als Amateur war ihm das zu Beginn seiner Karriere bereits gelungen.

          Favoritenrolle jetzt noch ausgeprägter

          "Die Form stimmt", meinte Ullrich. "Das Straßenrennen ist ein Poker, da muss man auch mal Glück haben. Aber ich bin hier, um Weltmeister zu werden." Seine Mission ist also erst zur Hälfte erfüllt.

          "Die Quälerei hat sich jetzt schon gelohnt, egal, was noch kommt“, erklärte Ullrich. An seiner Absicht, am Sonntag auch das 254 Kilometer lange Straßenrennen zu gewinnen, ließ er dennoch keinen Zweifel: "Darauf habe ich mich wochenlang vorbereitet.“

          Leichter ist die bevorstehende Aufgabe für Ullrich durch seinen Sieg nicht geworden. "Das hat seine Favoritenrolle für Sonntag nur noch mehr herausgehoben, alle werden sich auf Jan konzentrieren und versuchen, ihm das Leben schwer zu machen“, sagte Olaf Ludwig, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

          Auch nach 220 Kilometern noch Druck machen

          Sorgen macht sich der Olympiasieger von 1988 deswegen nicht: "Eigentlich ist es egal, denn nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen musste längst jedem klar sein, in was für einer starken Form Jan nach Lissabon gekommen ist.“

          Das bestätigte auch Lothar Heinrich, als Teamarzt bei Telekom für Ullrichs Trainingspläne mitverantwortlich: "Jan hat wie in den letzten Jahren eine glänzende Spätform, es gibt sicher wenige, die ein solches Niveau aus dem Sommer mit in den Herbst nehmen können.“

          Als Vorteil für Ullrich sieht Heinrich insbesondere die Länge der WM-Strecke: "Im Gegensatz zu vielen anderen kann Jan auch nach 220 Kilometern noch Druck machen.“

          Zabel für Sprint in der Hinterhand

          Als schärfste Gegner könnten sich die Italiener erweisen. Francesco Casagrande, Davide Rebellin, Michele Bartoli und Paolo Bettini nennt Telekoms sportlicher Leiter Rudy Pevenage als Mitfavoriten. Der Belgier, der in Lissabon als Berater des BDR-Teams fungiert, weiß aber auch um die Stärke der zwölfköpfigen deutschen Mannschaft: "Das ist wahrscheinlich das beste Aufgebot, das je bei einer WM am Start war.“

          Anders als bei anderen Radsport-Nationen gibt es beim BDR mit Ullrich einen eindeutigen Kapitän. So wird auch Spinter Erik Zabel, der am Freitag vom Kurztrainingslager auf Mallorca nach Lissabon anreiste, wohl nur Helfer sein.

          "Für unser Team ist das sicher ein taktischer Vorteil“, glaubt Ludwig. "Für einen Sprint hätten wir Erik in der Hinterhand, also müssen die anderen Nationen arbeiten und das Rennen schwer machen.“

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