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Radsport : Indurain belastet - Virenque geständig

  • Aktualisiert am

Richard Virenque hat beim Doping-Prozess von Lille die Einnahme unerlaubter Mittel zugegeben. Auch Miguel Indurain wird mit Dopingvorwürfen konfrontiert.

          Nach 27 Monaten des Leugnens hat Frankreichs Radsportstar Richard Virenque endlich "bewusstes Doping" gestanden: "Ich war wie ein Schaf in der Herde und hatte keine andere Wahl. Wenn ich es nicht getan hätte und nicht im Strom mitgeschwommen wäre, dann wäre ich sofort erledigt gewesen." Mit diesen Worten beendete der fünfmalige "Bergkönig" der Tour de France zu Beginn des zweiten Prozesstages in Lille sein mehr als zweijähriges absurdes Theaterspiel. "Jetzt können sie wieder in den Spiegel sehen", lobte ihn Richter Daniel Delegrove.

          "Wir nannten es nicht Doping, wir bereiteten uns auf ein Rennen vor", erklärte Virenque mit stockender Stimme und sichtlich bewegt im so genannten "Festina"-Prozess vor einem Gericht in Lille. Zuvor hatte er die Vorwürfe jahrelang geleugnet. Der Bergspezialist war Kapitän der "Festina"-Mannschaft, die 1998 nach der Beschlagnahme von Dopingmitteln von der Tour de France ausgeschlossen wurde. "Sich zu dopen, ist betrügen. Solange eine Person nicht positiv getestet ist, war sie nicht gedopt", versuchte Virenque die Einstellung der Fahrer zu erklären.

          Miguel Indurain angeschwärzt

          Selbst Spaniens Radsport-Held Miguel Indurain ist nun mit Dopingvorwürfen konfrontiert worden. Als Zeuge und früheres Mitglied des Banesto-Teams erklärte der ehemalige Berufsfahrer Thomas Davy, dass Mitte der 90er Jahre in seiner damaligen Mannschaft das organisierte Doping unter ärztlicher Überwachung zur Tagesordnung gehörte. "Ich bin mir nicht sicher. Ich habe nicht oft das Zimmer mit Indurain geteilt. Aber ich denke, auch er gehörte dazu", sagte der Ex-Profi auf die Frage des Gerichtspräsidenten hin, ob auch der fünfmalige Sieger bei der Tour de France unter dem Einfluss verbotener Substanzen stand.
          Davy bekannte, er habe mit dem Gebrauch von Epo begonnen, als er auf die Saison 1995 hin zu Banesto stieß. "Auch da", so sagte der Franzose, "haben wir unser Metier ausgeübt. Man sagte mir nicht, was mir gespritzt wurde. Es handelte sich um Epo, aber zu jener Zeit wollte ich nicht wissen, um welche Substanz es sich handelte." Davys Worten zufolge war bei Banesto das Doping ähnlich organisiert wie bei Festina.

          Sogar Gefängnisstrafe droht

          Der französische Ex-Weltmeister Luc Leblanc, der 1994 bei Festina fuhr, gestand seine Verwicklung in die Doping-Praxis. Er hat nach eigenen Worten unter anderem das Blut-Dopingmittel EPO genommen. Pascal Herve, der fünf Jahre an der Seite Virenques fuhr, gab ebenfalls EPO-Blutdoping zu. Zuvor hatte auch der als Zeuge anwesende Ex-Weltmeister Laurent Brochard Dopingvergehen eingeräumt.

          Zur Tour-Halbzeit im Juli 1998 war das gesamte Festina-Team aus dem Rennen genommen worden, nachdem Festinas Sportdirektor Bruno Roussel und Masseur Willy Voet jahrelanges "systematisches Doping" zugegeben hatten. Mit der Verhaftung Voets kurz vor Tour-Beginn an der französisch-belgischen Grenze war der größte Skandal in der Radsportgeschichte ins Rollen gekommen. Im Wagen des Belgiers waren rund 400 Ampullen, unter anderem mit Epo, gefunden worden.

          Der 30-Jährige Virenque steht als einziger Sportler mit acht Betreuern des Festina-Teams von 1998 vor Gericht. Er ist nicht wegen eigenen Dopings, sondern wegen "aktiver Verbreitung" von Dopingmitteln angeklagt. Ihm droht nun Sperren und sogar Gefängnisstrafen, falls eine Beteiligung am Vertrieb der Dopingmittel nachgewiesen werden kann. Das hatte Virenque jedoch bei seinem "Outing" bestritten.

          Sportlich kann Virenque nach dem Geständnis zumindest das nächste Jahr abhaken: "Wir werden ihn für wenigstens sechs Monate sperren, mit Wirkung ab Anfang Februar 2001, also ab Saisonbeginn", kündigte der französische Radsport-Präsident Daniel Baal an.

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