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Radsport : Doping-Mittel bei Frigo: Lug und Betrug beim Giro d'Italia

  • -Aktualisiert am

Rad-loser Abgang: Dario Frigo wurde fristlos entlassen. Bild: AP

Mario Cipollini ist der Sieger der 19. Etappe des Giro d'Italia. Der Italiener ist zugleich die verlogene Symbolfigur eines Radsport-Skandals.

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          Italien hat am Samstag schockiert auf die neuesten Entwicklungen im größten Doping-Skandal in der Geschichte des Giro d'Italia reagiert. Bei dem bislang Zweitplazierten Dario Frigo fanden die Polizisten bei der Dopingrazzia in der
          Nacht zum Donnerstag Dopingmittel. Sein Team Fassa Bartolo zog den Italiener daraufhin vom Giro zurück und
          entließ ihn fristlos.

          Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Padua gegen den zweimaligen Giro-Sieger Ivan Gotti und fünf Mitglieder des Liquigas- Pata-Teams wegen Dopingvergehen ermittelt.

          Am Freitag bemühten sich Fans und Fahrer noch um eine Atmosphäre, als sei nichts gewesen. Zigtausende von Fans drängelten sich auf dem Fabrikgelände der Konfektfirma Ferrero in Alba, wo die Kirschen aus dem umliegenden Piemont zu Mon Cheri verarbeitet werden. Sie wollten ihre Helden, den Führenden der Gesamtwertung des Giro, Gilberto Simoni und insbesondere ihren großen Star, den Sprinterkönig aus der Toskana, Mario Cipollini sehen und feiern.

          Streik: Marco Pantani

          Und es gab sogar Grund für die Fans, sich zu freuen: Einen Tag nach der spektakulären Absage der 18. Giro-Etappe kam es auf dem 19.Tagesabschnitt über 162 Kilometer von Alba nach Busto Arsizio wieder zu einem Massensprint. Dabei feierte Cipollini seinen dritten Etappensieg und verwies den zweifachen Tagessieger Danilo Hondo (Cottbus) vom Team Telekom auf den dritten Rang. Olympiasieger Jan Ullrich (Merdingen) rollte zeitgleich mit dem strahlenden Sieger Cipollini über den Zielstrich. Doch war das nicht ein Pyrrhussieg? Mit einem verlogenen Triumphator?

          „Sieg über die Wut“

          Cipolloni hatte sich gemeinsam mit Marco Pantani am lautstärksten für einen Streik ausgesprochen und somit den Tifosi um ein Haar ihr Vergnügen genommen. Cipollinis Fürsprecher, Pantani, ging indes nach dem gescheiterten Aufstand nicht wieder an den Start. „Sieg über die Wut" hatte die Gazzetta dello Sport am Morgen die Entscheidung der Fahrer kommentiert, trotz der schikanösen Polizeiaktion in der Nacht vor der Königsetappe weiterzufahren.

          Herausgeber und Chefredakteur der veranstaltenden Gazzetta, Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sogar IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch hatten es geschafft, die empörten Profis zu beschwichtigen. Bis auf Marco Pantani, der bis zuletzt auf Konfrontationskurs geblieben war. Allerdings hatte Pantani schon vor dem Streik beschlossen, die Segel zu streichen. Zwölf Minuten hatte er in den Bergen oberhalb Sanremo gegenüber den Führenden kassiert und sich danach krank gemeldet.

          Italien ist froh, dass es weitergeht

          Da lässt es sich leicht zum Zündeln anstiften. Ob es nicht geschickter gewesen wäre, trotzdem in Alba an den Start zu gehen, nachdem er sich so weit aus dem Fenster gelehnt hatte? "Es wäre nach gestern einfacher für ihn gewesen, zu fahren", gibt der sportliche Leiter seiner Mannschaft, Giuseppe Martinelli zu. Aber Pantani sei bei seinem Rückzug geblieben und das beweise Charakter. Italienische Logik. Wie die Fans waren auch die italienischen Medien einhellig froh, dass es weitergeht.

          Ein Anschlag auf den Sport sei das von der Polizei gewesen, meinte La Republicca. Ausgerechnet in der Nacht vor der schwersten Etappe die Zimmer der Fahrer zu durchsuchen. In der Nacht vor einer harten Etappe, so die offizielle Begründung der "Sondereinheit zur Bekämpfung von Betrug", NAS, sei die Wahrscheinlichkeit, etwas Verdächtiges zu finden, besonders groß. Eine solche Begründung hält allerdings auch der Mannschaftsarzt des Team Telekom, Lothar Heinrich, für fadenscheinig. "Wenn eine Mannschaft verbotene Substanzen dabei hat, hat sie die die ganze Zeit dabei und nicht nur am Abend vor der Alpenetappe."

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