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Radsport : Die Lizenz zum Radfahren ist da

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Die erzwungene Untätigkeit für das Team Coast hat ein Ende. Jan Ullrichs Rennstall hat seine Lizenz zurück und gibt sich kämpferisch. Selbstbewusster Tenor: „Das Team Coast ist wieder da.“

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          Was für einen Radprofi zählt, hatte Rafael Schweda, ein Klassiker-Spezialist, in diesen Tagen kurz und bündig so beschrieben: „Ist mein Geld da? Wo sind die Rennen? Wann darf ich losfahren? Das ist mein Spiel“.

          Als er dies sagte, war der Radrennfahrer Schweda noch zur Untätigkeit verdammt, jedenfalls durfte er nicht an Wettbwerben teilnehmen. Das ist seit Mittwoch abend wieder anders: Das Team Coast, dessen Mitglied Schweda ist, hat die Lizenz zum Radfahren vom Internationalen Radsportverband (UCI) zurückerhalten - das Spiel geht also weiter für Schweda und seine Kollegen. An diesem Samstag, beim Frühjahrs-Klassiker Mailand - San Remo, wird der Essener Rennstall wieder im Peloton vertreten sein. Der Sportliche Leiter Rudy Pevenage will seine Fahrer bei diesem Rennen sofort angreifen lassen, um ein Signal zu setzen: „Das Team Coast ist wieder da.“

          Grundsätzlich geht es für seine Rennfahrer nach der zweiwöchigen Zwangspause erst einmal darum, schleunigst „Kilometer zu kriegen“. Das ist für Wolfram Lindner, Kollege des Belgiers Pevenage, jetzt die wichtigste Aufgabe. Schließlich sollen die Essener so schnell wie möglich wieder konkurrenzfähig werden. Für Mailand - San Remo nominierten sie eine Mannschaft, der kein einziger ihrer spanischen Profis angehört. Das habe aber, versichert Lindner, nichts mit der zurückliegenden Auseinandersetzung zu tun. Vielmehr würden die Spanier demnächst bei der Katalanischen Woche starten.

          Die UCI hatte das Team Coast nicht zuletzt deswegen gesperrt, weil es Unstimmigkeiten - vor allem mit spanischen Fahrern - über zurückgehaltene Steuern gab. Die Essener hatten stets behauptet, damit deutschem Recht gefolgt zu sein - und sie sehen sich nun, da die Suspendierung aufgehoben wurde, in ihrer Auffassung bestätigt. Offiziell hieß es: „Die Coast-Anwälte vermochten die Rechtsabteilung der UCI von der Rechtmäßigkeit der Einbehaltung der bei der Vergütung von ausländischen Fahrern anfallenden Steuern zu überzeugen. Diese Steuern sind an den deutschen Fiskus abzuführen.“ Das sollten, fordert Lindner, nun auch die Spanier begreifen. „Ich hoffe, daß sie einsichtig werden“. Und süffisant ergänzte er: „Das Wort Steuer ist schwer in das Spanische zu übersetzen.“

          Nach der Entscheidung der UCI vom Mittwoch rückte das Team Coast jedoch nicht automatisch von der Überlegung ab, womöglich Schadenersatzforderungen an den internationalen Verband zu stellen. Ob es einen Anspruch gebe, werde weiterhin geprüft, ließ man wissen. Jan Ullrich, der Anfang Januar einen Dreijahresvertrag beim Team Coast unterschrieben hat, scheint auf alle Fälle davon auszugehen, daß jetzt Ruhe einkehrt. Er sei, hieß es, zufrieden mit der aktuellen Entwicklung.

          Sein Kontrakt soll im übrigen bald den Wirtschaftsprüfern der UCI vorgelegt werden. Ullrich, der seinen Hauptwohnsitz in die Schweiz verlegt hat, will von April an mit einer Schweizer Lizenz wieder Rennen bestreiten. Er dürfte einiges zu erwarten haben beim Team Coast - wenn man einer Einschätzung seines neuen Mitstreiters Schweda glaubt: „Ich bin überzeugt davon“, sagte Schweda unlängst in blumigen Worten, „daß das Team immer noch eine Riesenphantasie hat.“

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