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Radsport : Beeindruckende Alleinfahrt: Jan Ullrich gewinnt „Rund um Köln“

  • Aktualisiert am

Dominierte „Rund um Köln”: Jan Ullrich Bild: dpa/dpaweb

Bei seinem ersten Rennen in Deutschland nach der Dopingsperre hat Jan Ullrich „Rund um Köln“ mit imposantem Vorsprung gewonnen. Es war sein erster Sieg seit dem Weltmeistertitel im Zeitfahren im Oktober 2001.

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          Jan Ullrichs Deutschland-Comeback ist zur Triumphfahrt geworden: Der Rad-Profi aus dem Essener Team Coast nahm sein Herz in beide Hände und beendete den 88. Deutschland-Klassiker „Rund um Köln“ am Ostermontag unter mehr als 180 gestarteten Fahrern als Überraschungsgewinner. Für den Olympiasieger von Sydney 2000 im Straßenrennen war es der erste Start in seinem Heimatland seit dem 21. September 2001 - und eine eindrucksvolle Rückkehr an die Spitze.

          „Es gibt doch noch Wunder. Ich bin unfassbar glücklich, dass ich in Deutschland einen solchen Einstand hatte. Dass es so gut läuft - damit konnte ich nicht rechnen.“ 47 km vor der Zielankunft am Kölner Rhein-Ufer blickte sich Ullrich ungläubig um: 41 Sekunden betrug sein Vorsprung auf den Rest des Feldes, wuchs gar auf über zwei Minuten an.

          Ullrich siegt und wundert sich

          Mehr als 50 km fuhr der Tour-de-France-Sieger von 1997 allein und gestaltete die Zielankunft nach 4:35:42 Stunden zum Triumph vor dem deutschen Meister Danilo Hondo aus dem Team Telekom und dem österreichischen Vorjahresgewinner Peter Wrolich (Team Gerolsteiner), die 1:51 Minuten zurücklagen.

          Einrollen im Feld
          Einrollen im Feld : Bild: dpa/dpaweb

          „Unglaublich, in der Saison so früh ein Rennen zu gewinnen, fast ein Wunder“, kommentierte Ullrich sein Husarenstück. Ullrich ging die 202,3 km zwischen dem Start an der BayArena in Leverkusen und dem Ziel in Köln gelassen an, hielt sich zunächst im Hauptfeld und sah zu, wie sich eine Spitzengruppe aus 13 Fahrern nach etwas mehr als einem Drittel der Strecke teilweise um über eine Minute absetzte. Sieben Deutsche waren zu diesem Zeitpunkt vorn mit dabei, darunter auch Jens Heppner aus dem Team Wiesenhof, früherer Helfer von Ullrich beim Team Telekom.

          „Wir werden viel Freude an ihm haben“

          Bei strahlendem Sonnenschein, etwa 25 Grad Celsius und vor rund einer Million Zuschauer an der Strecke, attackierte Ullrich immer wieder aus dem Hauptfeld und „stellte“ die 13 Ausreißer zur Hälfte des Rennens. An der 5. Bergwertung bei Overath-Ferrenberg war das lang gestreckte Peleton wieder zusammen, der Amateur-Weltmeister von 1993 wurde hier als Dritter gestoppt. Schon da war sein Team-Manager Marcel Wüst vom guten Trainingszustand Ullrichs überzeugt: „Er ist gut drauf.“

          Das bewies der Wahl-Schweizer Ullrich ständig, speziell 70 km vor dem Ziel: Am Anstieg vor der 6. Bergwertung bei Biesfeld wirbelten seine Beine fast wie zu Glanzzeiten beim Tour-de-France-Sieg 1997. Doch der in Scherzingen lebende Ullrich blieb nur kurz allein vorn, schnell bildete sich wieder eine Gruppe, aus der sich der 29-Jährige aber immer wieder zu lösen versuchte - und das ohne Helfer aus dem eigenen Team. „Er ist top drauf, wir haben ihn im Frühjahr noch nie so gesehen. Wir werden viel Freude an ihm haben“, bestätigte auch Manager Wolfgang Strohband, dass Ullrich für die Tour und die WM im Oktober in Kanada auf einem guten Weg ist.

          Hartes Training zahlt sich aus

          Der gebürtige Rostocker Ullrich hat sich ein hartes Programm auferlegt: In der vergangenen Woche absolvierte er auf seiner zweiten Comeback-Station bei der Aragon-Rundfahrt vier Etappen mühelos, darunter auch zwei schwere Bergabschnitte. Am Samstag, einen Tag vor dem Abschluss, stieg er aus, wollte für den ersten Auftritt in der Heimat fit sein. Nach „Rund um Köln“ stehen für ihn am Mittwoch mit der Flèche Wallone und am 27. April mit Lüttich-Bastogne-Lüttich zwei schwere Rennen in Belgien auf dem Wettkampf-Kalender.

          „Eigentlich wollte ich mich zwischen Köln und Lüttich-Bastogne-Lüttich erholen. Aber ich fühle mich sehr gut, und weil ich wegen des Kölner Rennens ohnehin in der Nähe bin, spricht alles für eine Teilnahme am Wallonischen Pfeil“, sagte Ullrich. Am 1. Mai will Ullrich beim Henninger-Turm- Rennen in Frankfurt erneut attackieren und „möglichst vorn mitfahren“, wie sein Betreuer Rudy Pévenage forderte.

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