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: Radeln um die Existenz

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Dortmund. So trostlos, so unromantisch, so betongrau und nüchtern - so stellt man sich die Radsportwelt vor in Zeiten des Dopings und des Doping-Verdachts, und so ist dies ein Ort, wie geschaffen für die Zentrale einer professionellen Rad-Equipe.

          5 Min.

          Von Michael Eder

          Dortmund. So trostlos, so unromantisch, so betongrau und nüchtern - so stellt man sich die Radsportwelt vor in Zeiten des Dopings und des Doping-Verdachts, und so ist dies ein Ort, wie geschaffen für die Zentrale einer professionellen Rad-Equipe. Wer zum Team Milram will, dem einzig verbliebenen deutschen Pro-Tour-Team, muss sich in einem tristen Dortmunder Industriegebiet über den riesigen Parkplatz einer Spedition kämpfen, vorbei an Lastwagen, Zugmaschinen, Hängern. Dahinter ein Zweckbau, zweistöckig, die "Teamzentrale". Achtzehn Schlafplätze gibt es darin; wenn die Materialwagen nachts von den Rennen zurückkommen, können Betreuer und Mechaniker hier übernachten. Vom Gebäude führt ein Zugang zu einer Halle, in der die Teambusse stehen und die Werkstatt untergebracht ist. Am Eingang stapeln sich Kisten mit Massageöl, Verpflegung, Bekleidung. In der Werkstatt hängen an rennfreien Tagen 75 Rennmaschinen und 200 Sätze Laufräder. Materiallaster stehen in der Halle und davor, zwei Reisebusse, ein Wohnmobil, 13 Begleitfahrzeuge. 200 Renntage hat Milram 2009 - es gibt viel zu tun, viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren.

          Es ist eine wichtige Saison für das Team und dessen niederländischen Manager Gerry van Gerwen, es geht um die wirtschaftliche Existenz. Wenn alles schiefläuft, könnte am Saisonende der Hauptsponsor abspringen. Die Nordmilch AG, die für ihre Marke Milram wirbt, hat nach den Doping-Fällen Schumacher und Kohl vom Team Gerolsteiner vergangenes Jahr angekündigt, ihr Engagement zu prüfen, ein Ausstieg zum Saisonende ist nicht ausgeschlossen. Also muss van Gerwen sein Team zu Erfolgen steuern - und durch ein Jahr ohne Doping-Auffälligkeiten. "Glaubwürdig erfolgreich sein" - das ist die Maxime, die man im Team wie ein Mantra wiederholt. Allerdings hat es van Gerwen verpasst, wirklich Klarschiff zu machen. Mit Christian Henn hat er von Gerolsteiner einen Sportlichen Leiter verpflichtet, der seine Karriere 1999 nach einem positiven Testosteron-Befund beendete und später auch einräumte, mit Epo gedopt zu haben. Und gegen den Italiener Claudio Sprenger, einen von drei Teamärzten, steht der Vorwurf im Raum, er habe 1998 beim Team Polti dem Deutschen Jörg Jaksche Insulin gespritzt, ein Vorwurf, den der Italiener zurückweist.

          Das Thema Doping wird sie das ganze Jahr verfolgen, das wissen sie bei Milram. Das Radsportjahr steht unter schlechten Vorzeichen, denn nicht nur der dopingverdächtige Lance Armstrong kehrt zurück, sondern auch eine ganze Reihe überführter Doper, die ihre Strafe abgesessen haben: Ivan Basso, Tyler Hamilton, Floyd Landis. Sollten sie die großen Rennen dominieren, sollten sie durch die Schlagzeilen radeln, wäre dies ein Fiasko für den Radsport, der weg will vom Ruf, nicht Rennen zu veranstalten, sondern Apothekenrundfahrten.

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