https://www.faz.net/-gtl-oc5l

Rad : Jan Ullrich: „Ich habe jetzt das stärkste Team der Welt“

  • Aktualisiert am

T-Punktlandung: Jan Ullrich Bild: AP

„Der Toursieg 2004 ist möglich, wenn alle Räder ineinandergreifen“, heißt es bei der Vorstellung von Jan Ullrich in der Bonner T-Mobile-Zentrale. Auch der Rückkehrer ist optimistisch.

          2 Min.

          Jan Ullrich hat sich nach neun Monaten Trennung bei Telekom zurückgemeldet und wurde am Montag in der T-Mobile-Zentrale in Bonn mit offenen Armen empfangen.

          „Er ist wieder hier in seinem Revier. Der Toursieg 2004 ist möglich, wenn alle Räder ineinandergreifen“, sagte René Obermann, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Telekom-Tochter-Unternehmens, das sich ab 2004 bis mindestens 2006 im Profi-Radsport engagiert.

          „Ich habe jetzt das stärkste Team der Welt“, meinte Ullrich. Er fühlt sich gewappnet, den fünffachen Seriensieger Lance Armstrong bei der Tour de France im kommenden Jahr im vierten Anlauf vom Thron zu stoßen.

          Neben Teamchef Walter Godefroot, dem neuen sportlichen Vorgesetzten
          Neben Teamchef Walter Godefroot, dem neuen sportlichen Vorgesetzten : Bild: dpa/dpaweb

          Erster Kontakt mit Winokurow

          Ullrich unterschrieb bei T-Mobile einen Dreijahres-Vertrag, der ihm insgesamt rund acht Millionen Euro einbringen dürfte. Darüber hinaus wurde dem 29jährigen Olympiasieger nach seiner Karriere als Radprofi eine weitere Bindung an das Unternehmen als Repräsentant angeboten. „Wir sind daran interessiert, weil er eine hohe Glaubwürdigkeit über den Sport hinaus besitzt“, sagte Obermann, der allerdings nicht ins Detail ging.

          Ullrich versprach, „nicht mehr mit meiner Zukunft zu spielen“. Der Toursieg („Ich war oft genug Zweiter“) und die Verteidigung der olympischen Goldmedaille in Athen sind die großen Saisonziele des Wahl-Schweizers, der an diesem Dienstag für eine Woche nach Kasachstan zu seinem Freund und Team-Kollegen Alexander Winokurow fliegt, wo er ein Benefiz-Rennen für den verstorbenen Andrej Kiwilew bestreitet.

          Entspannung deutet sich in der wichtigen Frage an, welche Rolle in Zukunft Ullrichs langjähriger Betreuer und Erfolgsgarant Rudy Pevenage spielen soll. Der 49jährige Belgier ist nach seinem abrupten Abgang von Telekom zum Jahreswechsel im Schlepptau des Toursiegers von 1997 mit Team-Manager Walter Godefroot verkracht. Doch der signalisierte am Montag in Bonn Friedenswille: „Wir sind erwachsene Leute und sollten persönliche Sachen an die Seite schieben. Das Wohl des Teams steht im Vordergrund.“

          „Fall Pevenage“ wird sich lösen

          Ullrich unterbreitete Pevenage „ein Angebot als persönlicher Berater, der im Detail noch ausgefeilt“ werden müsse. „Wir finden eine Lösung“, sagte der gebürtige Rostocker. Pevenage hat sich noch nicht entschieden. „Ich nehme mir noch etwas Zeit, zu überlegen. Jan ist eine Woche weg, da habe ich Zeit, alles zu bedenken“, sagte Pevenage.

          Trotz der erbetenen Bedenkzeit und der komplizierten Rahmenbedingungen, unter denen der Flame in Zukunft wahrscheinlich arbeiten müßte, ist nicht daran zu zweifeln, daß er das Angebot seines Schützlings annehmen wird. Bei der Präsentation vor rund einhundert Journalisten und acht Kamerateams war Pevenage, in den vergangenen acht Jahren immer an der Seite Ullrichs, allerdings nicht dabei.

          Ullrich kehrt zu seinen Wurzeln zurück. 1995 hatte er seinen ersten Vertrag bei Telekom unterschrieben und verbuchte unter dem schwarzen T 1997 mit dem ersten Tour-Sieg eines deutschen Rad-Profis seinen größten Erfolg. Nach seiner positiven Doping-Analyse kündigte das Bonner Unternehmen den Ullrich-Vertrag im Sommer 2002 und bot einen modifizierten Kontrakt an, den Ullrich ablehnte. Im Januar 2003 unterschrieb er beim finanziell auf zu schwachen Füßen stehenden Rennstall Coast einen vermeintlich hoch dotierten Vertrag. Das Essener Team mußte jedoch Insolvenz anmelden, Bianchi sprang ein und rettete so die Starterlaubnis für die Tour. Dabei feierte Ullrich nach 14 Monaten Inaktivität wegen zwei Knieoperationen und seiner Tabletten-Affäre ein sensationelles Comeback.

          Weitere Themen

          In der Pop-up-Impfstation

          Boostern : In der Pop-up-Impfstation

          Auffrischimpfungen sind gefragter denn je. Saqib Cheema bietet in Frankfurt den schnellen dritten Stich an. Mit Organisationstalent und Durchhaltevermögen will er zum Wellenbrechen beitragen.

          Topmeldungen

          Cem Özdemir auf dem Online-Parteitag der Grünen im Mai 2021

          Cem Özdemir und die Partei : Grüne Kämpfe, grüne Ziele

          Bei den Grünen ist der Aufstand der Parteilinken gegen den Ultrarealo Cem Özdemir verpufft. Glück gehabt. Denn wenn die Partei in der Ampel fürs Klima kämpfen will, muss sie geschlossen sein.

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.