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Olympische Testwettkämpfe : Bangen in Rio

  • -Aktualisiert am

Bloß nicht fallen lassen: die olympische Last in Rio wiegt schwer Bild: AFP

Regierungskrise, Währungsverfall, Zika-Virus. Rio fällt es schwer, die Last der Olympischen Spiele zu stemmen. Was macht es da, wenn eine Sport-Halle nicht fertig wird?

          Die erfreuliche Nachricht aus Rio de Janeiro vorneweg: Den Testwettkampf der Gewichtheber hat ein Deutscher gewonnen, der Superschwergewichtler Almir Velagic, und das mit einer Leistung, die den Hoffnungen des schweren Mannes auf einen Medaillengewinn bei den Olympischen Spielen weitere Nahrung gibt. Prima, sollte man denken, dann ist die Gewichtheber-Halle im Stadtteil Barra da Tijuca also getestet und für gut befunden worden. Aber nein: Der Testwettkampf – einer von acht für diesen Monat geplanten – fand in der Basketballhalle statt, weil die Gewichtheberhalle noch gar nicht in Betrieb ist.

          Macht nichts, sagen alle Beteiligten, es war ohnehin wichtiger, die Bühne, das Ergebnis-System und die Arbeit der Helfer zu erproben als den Schauplatz an sich. Aber ein bisschen Bangigkeit schwingt mit. Wird Rio bis zur Eröffnungsfeier am 5. August überhaupt fertig werden? Schon im März wurde bekannt, dass die Bahnradfahrer auf ihren Testwettbewerb ganz verzichten müssen, weil die Piste noch nicht installiert werden konnte. Offenbar bekommt dem aus Europa gelieferten Holz der Klimawechsel schlecht, und die Air Condition arbeitet noch nicht.

          Das sind nur kleine Beispiele dafür, wie schwer es ist für Rio, die Last der Spiele zu stemmen – und das zwei Jahre nach der Fußball-WM in Brasilien. Die 421 Kilogramm, die Velagic am Sonntag im Zweikampf bewältigte, sind zwar auch schon extrem. Aber die Leute, die in Rio um die Spiele kämpfen, wären schon froh, sie hätten eine so klar umrissene Aufgabe vor sich. Und Fehlversuche wären nur unangenehm, aber verschmerzbar, wie das bei den Stemmern ist. Stattdessen stöhnen sie unter vielen verschiedenen Gewichten, die sie nicht fallen lassen dürfen.

          Schwimmende Müllhalde im Segelrevier

          Überall tun sich Probleme auf. Das Organisationskomitee muss irgendwie versuchen, die Regierungskrise mit dem Amtsenthebungsverfahren gegen Staatspräsidentin Dilma Rousseff von den Spielen fernzuhalten. Der bisherige Sportminister allerdings ist kürzlich zurückgetreten. Auch der designierte Sicherheitschef hat demissioniert. Die olympischen Bauarbeiten sind vom Korruptionsverdacht bedroht. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes, die Teuerung und der Zerfall der Währung haben dramatische Konsequenzen. Überall muss gespart werden. Die Beteuerungen, dass man wenigstens am Essen der Athleten keine Abstriche machen werde, sagen viel über das Ausmaß des Drucks.

          Dazu kommt die schwimmende Müllhalde im Segelrevier in der Guanabara-Bucht. Und die Sorgen um die Auswirkungen des Zika-Virus. Die Frage, wie sinnvoll eine solch gigantische Anstrengung für das problembeladene Land eigentlich ist, kommt jetzt aber viel zu spät. Vergeben wurden die Spiele 2009. Ausschlaggebend war der leidenschaftliche Auftritt der Bewerber. Chicago, Tokio und Madrid wurden ausgestochen. „Wir sind eine führende Wirtschaftsnation“, rief der damalige Präsident Lula da Silva, der inzwischen zu einer zweifelhaften Gestalt geschrumpft ist. Wer konnte sich damals schon vorstellen, in welch bedrückendem Zustand Brasilien sieben Jahre später sein würde?

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