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Präsidentensuche beim DFB : Jeder kennt einen, der es könnte

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Verfügt über die Aura des Besserwissers, will aber nicht Präsident werden: Matthias Sammer Bild: EPA

Der eine wird immer genannt, wenn es einen Posten zu besetzen gibt. Der andere verfügt über die Aura des Allwissenden. Der dritte war mal für Sport zuständig. Das Kandidaten-Casting läuft. Doch wer will eigentlich Präsident werden?

          Der frühere Bundesminister Thomas de Maizière hat keine Ambitionen auf das Amt des DFB-Präsidenten. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass mein Name gehandelt wird. Das steht für mich aktuell nicht zur Debatte“, sagte der CDU-Politiker, der als Innenminister auch für den Sport zuständig war, gegenüber der Augsburger Allgemeinen: „Meine Tätigkeiten als Abgeordneter des Deutschen Bundestages und als Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung füllen mich aus.“ Darüber hinaus ist der 65-Jährige Vorsitzender der Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes.

          Nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am vergangenen Dienstag in Folge der Uhren-Affäre waren mehrere Kandidaten für dessen Nachfolge gehandelt worden. Unter anderem waren die Namen von Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm, der ein Interesse bereits zurückwies, dem ehemaligen Nationalspieler Christoph Metzelder, Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius gefallen. Bis zur Wahl des Grindel-Nachfolgers am 27. September auf dem DFB-Bundestag leiten die Vizepräsidenten Rainer Koch (60) und Reinhard Rauball (72) den Verband interimsweise.

          Der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbands, Hermann Winkler, hat unterdessen Matthias Sammer ins Gespräch gebracht. Der 51-Jährige „wäre ein geeigneter Kandidat für viele Dinge, weil er über so viel Erfahrung verfügt und so viele gute Sachen hinterlassen hat“, sagte Winkler in einem Interview der Sächsischen Zeitung. „Ich schätze ihn sehr. Doch ich möchte ihn jetzt auch nicht verbrennen, indem ich ihn ins Spiel bringe.“

          Wird immer genannt, wenn es einen Posten im DFB zu besetzen gibt: der ehemalige Übergangsbundestrainer Rudi Völler

          Der ehemalige Weltklasse-Fußballer Sammer verfügt über sie Aura des Allwissenden im Fußball, er ist derzeit externer Berater beim Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund. Mit dem BVB wurde der gebürtige Dresdner 1995 und 1996 als Spieler und 2002 als Trainer deutscher Meister. Zudem arbeitete der Europameister von 1996 schon als Sportmanager beim DFB, als Sportvorstand bei Bayern München und ist derzeit als Fußball-Experte bei Eurosport jeden Freitag auf Sendung.

          Doch kaum war sein Name gefallen, teilte Sammer am Freitag mit, dass es seine „aktuelle Lebensplanung“ nicht vorsehe, „in ein operatives Geschäft zurückzukehren“. Ohnehin sei viel wichtiger, zunächst die Strukturen beim DFB anzugehen. „Bevor du Mr. X findest, brauchst du erst einmal Struktur. Ich diskutiere jetzt keine Namen.“

          Calmund setzt auf Völler

          Der ehemalige Leverkusener Fußballmanager Reiner Calmund hält unterdessen Rudi Völler für einen geeigneten Kandidaten. „Der Rudi bringt alles mit, um ein perfekter Repräsentant an der Spitze des Verbands zu sein“, sagte der 70-Jährige Calmund der Rheinischen Post. „Der Kerl hat nie die Bodenhaftung verloren, Rudi hat sportlich fast alles erreicht und genießt auch international ein unheimliches Ansehen.“ Völler wird immer genannt, wenn es einen Posten im DFB zu besetzen gibt, schließlich war der Bayer-04-Geschäftsführer auch schon Übergangsbundestrainer in der Zeit der „Rumpelfüßler“ Anfang des Jahrhunderts nach Erich Ribbeck. Calmund schränkte allerdings ein: „Aber man muss einen solchen Job auch wollen.“ Völler hat sich bislang nicht öffentlich zu entsprechenden Spekulationen um seine Person geäußert.

          Nach Ansicht von de Maizière, der von 2005 bis 2018 als Kanzleramtschef, Verteidigungsminister sowie zweimal als Innenminister gedient hatte, sollte die Präsidentensuche bei DFB derzeit nicht im Vordergrund stehen. „Grundsätzlich muss der Deutsche Fußball-Bund nun zunächst über Strukturfragen reden, die jetzt dringender anstehen. Ich werde mich jedenfalls nicht bewerben“, sagte er.

          Ähnlich äußerte sich Sammer: „Erst mal eine Struktur erarbeiten, die wichtig ist, um die ganzen Bereiche abzudecken. Dann diese Bereiche mit Spezialisten auffüllen - das wäre mein Vorschlag." Winkler sekundierte: „Es kann nicht nur darum gehen, eine Person auszutauschen. Wir müssen stattdessen über Strukturen reden, über Geldzahlungen und Verträge.“

          Durchaus ein Mann des Sports: der frühere Minister de Maizière, hier bei einem Besuch in Südafrika

          Auch Calmund betonte, dass die Strukturen im Verband geändert werden müssten. „Der Präsident des DFB muss sich genauso wohlfühlen auf einem Kreisligaplatz wie bei einer Welt- oder Europameisterschaft. Der DFB ist ein ziemlich großes Unternehmen, das hat nicht mehr viel mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ zu tun.“ Wie bei einem Unternehmen brauche man „absolute Top-Kräfte an der Spitze“, die auch erstklassig bezahlt werden müssten. Winkler sprach sich ausdrücklich gegen eine Spaltung im DFB zwischen Amateuren und Profis aus. „Die Profis wären ohne die Amateure keine Profis.“

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