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Dopingverdacht bestätigt : Positive B-Probe - Floyd Landis entlassen

  • Aktualisiert am

Positive B-Probe und Entlassung: Floyd Landis Bild: picture-alliance/ dpa

Auch der zweite Urintest von Tour-de-France-Sieger Floyd Landis ist positiv. Unmittelbar danach entließ das Rad-Team Phonak seinen amerikanischen Kapitän. Doch Landis gibt sich uneinsichtig und kämpferisch.

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          Das Schweizer Phonak-Team hat mit voller Härte auf die positive B-Probe bei Tour-de-France-Sieger Floyd Landis reagiert und seinen Kapitän am Samstag mittag fristlos entlassen. Der eidgenössische Rad-Rennstall zog wegen der „Verletzung des internen Ethik-Codex'“ die Konsequenzen aus dem kurz zuvor vom Radsport- Weltverband UCI veröffentlichten Ergebnis der von Landis geforderten Gegenanalyse.

          Bei dem 30 Jahre alten amerikanischen Radprofi war nach der 17. Etappe der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt in der A-Probe ein deutlich überhöhter Wert des künstlich produzierten Testosteron gefunden worden. Statt des erlaubten Testosteron-Verhältnisses von maximal 4:1 zu Epitestosteron wurde ein Wert von 11:1 ermittelt.

          Sperre und Aberkennung des Sieges drohen

          Der Radsport-Weltverband gab den Fall nach der Bestätigung durch die B-Probe an den Verband weiter, der nun ein Doping-Verfahren gegen Landis einleiten wird. Ihm droht eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Tour-Sieges. Auf Grund des von den Radsport-Teams beschlossenen so genannten Ethik-Codes käme für Landis zu der Zwei-Jahres-Sperre noch ein Arbeitsverbot für zwei weitere Jahre in allen Pro-Tour-Teams hinzu.

          Landis will trotz positiver Proben um seinen Ruf kämpfen
          Landis will trotz positiver Proben um seinen Ruf kämpfen : Bild: REUTERS

          Tour-Direktor Christian Prudhomme sagte der spanischen Nachrichten-Agentur EFE: „Für uns ist Floyd Landis nicht mehr der Gewinner der Tour de France 2006.“ Nach der Bekanntgabe des Befundes sieht sich der spanische Radprofi Oscar Pereiro als wahrer Gewinner der Tour de France. „Nachdem ich das Ergebnis von Floyd Landis' B-Probe erfahren habe, fühle ich mich als Sieger der Tour“, sagte Pereiro, der die Frankreich-Rundfahrt vor zwei Wochen in Paris als Zweiter beendet hatte, am Samstag abend in Vigo.

          „Mir hat jedoch niemand etwas geschenkt“

          Es fehle nur noch die offizielle Bestätigung durch den Internationalen Radsportverband, sagte der Profi vom Team Illes Balears-Caisse D'Espargne in seiner Heimat. Die Dopingaffäre um den Amerikaner Landis bedeute für ihn allerdings nicht die schönste Art und Weise, einen Tour-Sieg zu erringen.

          „Mir hat jedoch niemand etwas geschenkt“, betonte der Galicier. Wenn er zum Sieger erklärt werde, habe er den Erfolg allein auf der Straße errungen. Er bedauere es, daß er den Titel nicht in Paris habe feiern können. „Das Foto von der Ankunft in Paris kann mir niemand ersetzen“, sagte Pereiro.

          „Ich werde kämpfen, um meinen Namen zu säubern“

          Der Amerikaner, der den erhöhten Testosteronwert stets als natürliche Erscheinung, die vom eigenen Körper produziert werde, erklärt hatte, will noch nicht aufgeben. Schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses der B-Probe teilte er auf seiner Homepage mit: „Ich werde kämpfen, um meinen Namen zu säubern. Ich habe bei der Tour de France nicht aufgegeben und werde jetzt auch nicht aufgeben. Ganz gleich, was die B-Probe aussagt.“

          In knapp drei Wochen wird das Schiedsgericht der Anti-Doping- Agentur der Vereinigten Staaten (USASDA) beide Seiten anhören und anschließend eine Entscheidung treffen. Diese könnte Landis allerdings vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anfechten. „Die Entscheidung heute ist erst der Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember oder Januar mit einer endgültigen Entscheidung“, betonte Landis-Anwalt Jose-Maria Buxeda.

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