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Porträt : Rolf Aldag: Persönliches Glück ist nicht die Tour de France

  • -Aktualisiert am

Zufriedener Helfer: Rolf Aldag Bild: dpa-Sportreport

Im Rampenlicht des Radsport stehen andere. Dennoch ist Rolf Aldag, Helfer im Team Telekom, froh, dass er nicht die Popularität eines Erik Zabel oder Jan Ullrich besitzt.

          Mit Jan Ullrich tauschen? Populär wie Erik Zabel sein? „Der Verdienst ist ganz lustig“, lacht Rolf Aldag. „Aber nein, nein“, beteuert er, „tauschen möchte ich nie und nimmer. Ich hätte keine Lust, wenn nach dem Einkaufen 20 Leute an meinem Auto warten und ein Autogramm möchten.“

          Der 32-Jährige fällt mit den blondierten Haaren ein bisschen mehr auf als früher - doch ansonsten mag er eher die Unauffälligkeit. „Jan und Erik sind die Chefs - der Rest hilft.“ Die Machtverhältnisse hat der deutsche Straßenmeister 2000 klar begriffen. Und mit der Rolle des radelnden Arbeiters im Team Telekom hat sich der deutsche Straßenmeister 2000 abgefunden. „Nach meinen ersten drei Jahren als Profi kam ich zu der Erkenntnis, dass im Berufssport auch der Zweite schon der erste Verlierer ist. Also musst du wissen, was du willst.“

          „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“

          Seinen zähen Willen, seine Verbissenheit und seine Zuverlässigkeit setzt er im Team Telekom dafür ein, dass die anderen auf Platz eins kommen. „Ich kann mich dann wirklich mitfreuen.“ Eine erstklassige Einstellung, die ihm unter Kollegen viele Sympathien einbringt. Aldag ist Profi, der vom Aufschwung des Radsports profitiert hat: „Ich verdiene mittlerweile gut.“ Doch er ist auch einer, in dem immer noch der Idealist mitfährt. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wenn ich keinen Spaß mehr am Radfahren hätte, würde ich sofort aufhören. Auch mitten in der Saison.“

          Das Ende einer über zehnjährigen Karriere im Radsport naht, Aldag arbeitet auf ein großes Ziel hin: noch einmal an der Tour de France teilnehmen. Dafür schuftet, dafür trainiert er derzeit mit dem Team Telekom auf Mallorca. Doch Aldag unterscheidet sich von den Kollegen in der Saisonvorbereitung erheblich. Verbessern will er sich diesen Winter mit Sechstagrennen: Mitte Januar in Bremen ist er zum ersten Male schon gefahren, diese Woche in Berlin wird er wieder starten. „Das ist mein Versuch, um schneller auf der Straße zu werden.“

          Besitzer eines Bauernhofs in Beckum

          Doch die Chancen stehen für den Mann, der 1999 wegen eines Armbruchs die Frankreich-Rundfahrt verpasste und 2000 ausgebootet wurde, wieder nicht allzu gut. „Livingston und Klöden sind für die Tour gesetzt“, weiß der 1,91 Meter große Athlet, „dann streite ich mich mit Heppner, Elli und Bölts um den freien Platz.“ Realist müsse man sein, erklärt er daraufhin, ihm fehle halt etwas Geschwindigkeit.

          Wenn er im Frühjahr nicht schnell genug ist, wird er im Sommer zu Hause bleiben müssen. Eines steht schon fest: Die Decke wird ihm nicht auf den Kopf fallen. Beschäftigung gibt es genug. „Ich habe gerade in der Nähe von Beckum mit meiner Lebensgefährtin einen Bauerhof erworben. Aber ohne Viehzeug.“ Wenn er dann so über den Hof („Später vielleicht mit Pferden.“), seinen Sohn und seine Tochter plaudert, dann muss man ihm den Satz glauben: „Mein Lebensglück ist nicht mehr von der Tour-Teilnahme abhängig.“

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