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Porträt : Ralf Schumacher: „Ich hatte schon immer einen Dickkopf“

  • Aktualisiert am

1. Sieg im 70. Rennen: Ralf Schumacher Bild: AP

Auf Tipps vom großen Bruder hat der kleine „Schumi“ schon immer gepfiffen.

          Auf Tipps vom großen Bruder hat der kleine „Schumi“ schon immer gepfiffen. „Er wollte meine guten Ratschläge nie hören“, verrät der dreimalige Weltmeister Michael Schumacher nach dem ersten Triumph des sechseinhalb Jahre jüngeren Ralf. „Ich hatte schon immer einen Dickkopf“, gibt der unumwunden zu.

          Seinen Weg als Dreikäsehoch von der Kartbahn der Eltern in Kerpen, die inzwischen geschieden sind, zu einer Größe in der Formel 1 will er ganz alleine hinter sich gebracht haben. Darauf legt Ralf Schumacher großen Wert.

          Williams: „Unser Schumacher ist billiger“

          Als Ralf Schumacher vor etwa fünf Jahren in Melbourne sein erstes Rennen in der Königsklasse des Motorsports bestritt, stellte der damals 20-Jährige fast schon trotzig und irgendwie herausfordernd fest: „Ich bin der Ralf. Es wird keinen neuen Michael geben. Es wird höchstens einen neuen Ralf geben.“

          Für seinen Teamchef Frank Williams heute ein großer Vorteil: „Unser Schumacher ist billiger.“ Willi Weber, der Manager beider Brüder, sagt: „Es war nicht immer einfach für Ralf, im Schatten des großen Bruders zu stehen.“ Als „Schumi II“ am Ostersonntag in Imola aus seinem Siegerauto ausstieg, da nahm ihn „Schumi I“ als Erster in die Arme. Später versuchte der Weltstar, die auf ihn fixierten Kameras auf den kleinen Bruder zu konzentrieren.

          „Es ist nicht Ralfs letzter Sieg in diesem Jahr“, kündigt Weber weiter Großtaten seines Schützlings an. „Ralf ist ein extrem guter Pilot, ähnlich wie Michael“, weiß BMW-Sportchef Gerhard Berger. 18 Versuche benötigte Michael zum ersten Formel-1-Sieg. 70 Grand Prix musste Ralf Gas geben, ehe ihm der Erfolg vergönnt war. Mit Sicherheit auch wegen des Bruders, der in der Formel 1 (noch) den Ton angibt. „Wir haben beide unsere Ziele erreicht. Unsere Eltern sind bestimmt sehr stolz.“

          Marktwert deutlich gesteigert

          Noch ehe Ralf nach seinem ersten Sieg den ersten Zigarrenzug bei der improvisierten Feier der beiden Rennfahrer-Brüder nehmen konnte, paffte Bruder Michael bereits genüsslich eine Havanna. Willi Weber, Niki Lauda, Michaels Ehefrau Corinna und Ralfs Freundin Cora sowie die hochschwangere Schauspielerin Veronica Ferres saßen nach dem Großen Preis von San Marino in trauter Runde. Auch in historischer Stunde ging es so herzlich zu wie fast immer zwischen den beiden Brüdern. Trotz aller Konkurrenz auf der Rennbahn mögen sich die Beiden nämlich wirklich.

          Seinen Wert wird der 25-jährige Ralf, der bei Williams-BMW bis Ende des Jahres 2002 unter Vertrag steht, weiter gesteigert haben. „Ich habe verschiedene Angebote erhalten“, verrät er. Ralf Schumacher wird von seinem Rennstall mit etwa 12 Millionen Mark pro Jahr entlohnt, sein Bruder Michael ist bei Ferrari mit runden 75 Millionen eine Klasse für sich.

          Ralf Schumacher: Zahlen und Fakten

          Geboren am: 30. Juni 1975 in Hürth/Rheinland
          Familienstand: Ledig, Freundin Cora
          Wohnsitz: Hallwang/Salzburg
          Team: Williams-BMW
          Startnummer: 9
          Erster Grand Prix: 9. März 1997, GP Australien
          GP-Starts: 70
          Pole Positions: 0
          Siege: 1 (GP von San Marino am 15. April 2001 in Imola)
          Grand-Prix-Punkte: 98
          Größte Erfolge: Kart-Juniorenmeister 1991; japanischer F-3000-Meister (1996); in der Formel 1 schon beim dritten Grand Prix auf dem Podest (Dritter 1997 in Argentinien); fünfter deutscher Grand-Prix-Sieger nach Wolfgang von Trips, Jochen Mass, Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen









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